Nach der jüngsten Silvesternacht, die bundesweit fünf Menschenleben forderte, wird der Ruf nach einem Paradigmenwechsel immer lauter. Auch zu diesem Jahreswechsel gab es wieder gezielte Angriffe auf Polizei- und Rettungskräfte sowie zahlreiche Verletzte durch Pyrotechnik. „Das ist keine deutsche Tradition“, ist Stephan Weh, Berliner Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), überzeugt.

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So sehen es auch fast zwei Millionen Menschen, die eine entsprechende Petition für ein Böllerverbot unterzeichnet hatten. Mehr als 1,96 Millionen Unterschriften haben Vertreter der GdP und der Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Montagmittag an das Bundesinnenministerium in Moabit übergeben. Gewerkschafter Weh sprach dabei von einem „sehr starken Signal“.

Verletzte zum Teil dauerhaft blind oder taub

In Berlin kam zum Jahreswechsel laut der Senatsgesundheitsverwaltung 363 Menschen durch Feuerwerk zu Schaden, 52 davon mussten stationär im Krankenhaus behandelt werden. Die Betroffenen erlitten unter anderem Hörschäden oder Augenverletzungen, bis hin zum dauerhaften Verlust ihres Seh- oder Hörvermögens.

Silvester / Blutlache
Nachdem ein Polizeibeamter in Prenzlauer Berg in der Silvesternacht schwer verletzt wurde, war der Bürgersteig blutverschmiert.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Eine Person erlitt laut Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) schwerste Gesichtsverbrennungen, nachdem eine Rakete direkt vor ihrem Gesicht explodiert sei. In Prenzlauer Berg verlor ein Polizeibeamter fast sein Bein, in Tegel musste ein siebenjähriger Junge wiederbelebt werden. Beide wurden durch Kugelbomben verletzt.

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„Die Böllerei an Silvester verursacht immense Schäden. Zahlreiche Menschen werden auch mit legalen Böllern jedes Jahr verstümmelt, schwer verbrannt oder sogar getötet“, sagte der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. „Gegen die chaotischen Zustände zum Jahreswechsel hilft nur ein generelles Böllerverbot.“ Bei zwei Millionen Unterschriften „kann auch verantwortliche Politik das nicht mehr einfach wegatmen und zur Tagesordnung übergehen“, ergänzte Polizeigewerkschafter Weh.

Bundesregierung lehnt allgemeines Böllerverbot bislang ab

Gestartet worden war die Sammlung bereits nach den Böllerexzessen vor zwei Jahren. Über den Jahreswechsel stieg die Zahl der Unterschriften stark. Bundeskanzler Olaf Scholz und Innenministerin Nancy Faeser (beide SPD) haben sich allerdings beide bereits gegen ein Böllerverbot ausgesprochen.

Petitionsübergabe Böllerverbot
Bundesinnenministerin Nancy Faser selbst war am Montag nicht anwesend. Ihr wurde nur symbolisch ein schlechtes Arbeitszeugnis überreicht.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Faser zeigte sich allerdings offen dafür, den Städten und Kommunen mehr Handlungsspielräume zu geben, um lokale Feuerwerks-Zonen festzulegen, sofern es dafür unter den Ländern eine Mehrheit gibt. Staatssekretärin Juliane Seifert, die die Unterschriften am Montag stellvertretend entgegennahm, verweis außerdem auf eine Reihe geplanter Gesetzverschärfungen – etwa ein Verbot des Erwerbs und Transports von Kugelbomben.

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