Nach der Gerichtsentscheidung lagen sie sich jubelnd in den Armen: Rund 14 Monate nachdem sie die Westseite des Brandenburger Tors mit oranger Farbe beschmiert hatten, wurden zwei Mitglieder der Klimaschutzgruppe „Letzte Generation“ am Montag freigesprochen. Nach Ansicht des Amtsgerichts Tiergarten haben sich die beiden Studentinnen Lilli Gomez (24) und Regina Stephan (22) nicht der gemeinschaftlichen Sachbeschädigung schuldig gemacht.

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Beide Frauen räumten ein, das Brandenburger Tor am 16. November 2023 mit Farbe bemalt zu haben. Sie wurden noch vor Ort festgenommen. Allerdings gaben sie an, von dem Graffitischutz gewusst zu haben, der auf Menschenhöhe an den Säulen angebracht ist. Dieser machte es möglich, dass der Sandstein damals binnen weniger Minuten von ohnehin anwesenden Reinigungskräften wieder gereinigt werden konnte.

Dem folgte das Gericht. Es sei kein Versuch gewesen, das Erscheinungsbild dauerhaft zu verändern, befand die Richterin. Entsprechend erfolge der Freispruch aus Sachgründen, „nicht weil ich ihre Aktion gutheiße“.
Letzte Generation: Staatsanwaltschaft forderte Geldstrafen für die Angeklagten
Gomez war bereits an mehreren öffentlichkeitswirksamen Aktionen der Letzten Generation beteiligt – etwa bei der Farbattacke auf die Weltzeituhr am Alexanderplatz im Oktober 2023 oder auf ein Luxusmodengeschäft am Kurfürstendamm wenige Monate. Im Dezember 2022 steuerte sie außerdem die Hebebühne, von der aus einer ihrer Mitstreiter die Spitze des Weihnachtsbaums am Pariser Platz kappte, was ihr eine Geldstrafe einbrachte.
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Gomez ist unter anderem wegen Sachbeschädigung, Nötigung und Widerstands einschlägig vorbestraft. Erst im Dezember wurde sie in Schleswig-Holstein zu sieben Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt, nachdem sie bei einem Farbanschlag auf ein Privatflugzeug auf Sylt mitgemischt hatte.
Die Staatsanwaltschaft, die in der vorgegebenen Kenntnis der Angeklagten um den Graffitischutz eine Schutzbehauptung sah, forderte eine Geldstrafe zu 180 Tagessätzen je zehn Euro (1800 Euro). Für die Mitangeklagte Stephan plädierte die Anklage auf 150 Tagessätzen zu zehn Euro (1500 Euro).

Die Medizinstudentin war bereits an der ersten Farbattacke auf die Ostseite des Brandenburger Tors am 17. September 2023 – zwei Monate vor der hier angeklagten Tat – beteiligt. Dabei wurden deutlich größere Flächen beschädigt, als am 16. November. Die Reinigung schlug nach Schätzungen mit rund 110.000 Euro zu Buche. Erste Urteile in diesem Fall sind bereits gefallen, am Freitag stehen erneut zwei junge Frauen deshalb vor dem Amtsgericht.




