Am Dienstag fiel ein weiteres Berliner Wahrzeichen einer Farbattacke der Klimaschutzgruppe Letzte Generation zum Opfer. Neun Personen versprühten gegen neun Uhr morgens orange Farbe auf die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz in Mitte — und zogen dabei auch die umliegende Fläche in Mitleidenschaft. Im Anschluss kletterten zwei Aktivisten mit einer Leiter auf die Sehenswürdigkeit und postierten sich dort mit einem Transparent, auf dem stand: „Uns läuft die Zeit davon.“

Dazu teilte die Gruppe in den sozialen Medien mit: „Die Bundesregierung verschwendet kostbare Zeit mit fadenscheinigen Klimaschutzmaßnahmen und verlogenen Lippenbekenntnissen.“ Das Pikante: Nur wenige Meter von der weltberühmten Uhr entfernt befindet sich die Polizeiwache Alexanderplatz. Dennoch konnten die Beamtinnen und Beamten die Aktion nicht verhindern und auch die verwendete Leiter nicht beschlagnahmen.

Polizei habe unverzüglich gehandelt – „Doch leider zu spät“

Auf Nachfrage der Morgenpost teilte die Pressestelle der Polizei mit, dass unverzüglich gehandelt wurde. „Doch leider zu spät“, gab eine Sprecherin zu. „Die Weltzeituhr mit Farbe zu besprühen, dauert immerhin nur wenige Sekunden.“ Sie betonte auch, dass die Beamten nicht permanent die Weltzeituhr im Blick haben könnten.

Bis zum Mittag wurden die beiden Aktivisten mittels eines Hebekrans zu Boden gelassen, rund ein Dutzend Polizeikräfte waren währenddessen im Einsatz und sperrten das Areal um die Weltzeituhr ab. Teilweise hatte die Aktion dabei Volksfestcharakter. Unter Buh-Rufen und dem höhnischen Applaus einer großen Zahl Zuschauer landeten die sichtlich nervösen Aktivsten wieder auf dem Asphalt.

„Kriminelle Bande“ und „wegsperren“, rief ein älterer Mann. „Wie kann man so etwas nur machen?“, sagte Helga Meier, die eigentlich einkaufen gehen wollte. „Solche Aktionen bringen doch nichts.“ Man solle mehr Respekt vor Denkmälern haben und nicht die Leute unnötig gegen sich aufbringen, meinte sie.

Pikantes Detail: Die Alex-Wache der Polizei ist nur wenige Meter von der Weltzeituhr entfernt.
Pikantes Detail: Die Alex-Wache der Polizei ist nur wenige Meter von der Weltzeituhr entfernt.© Getty Images | Sean Gallup

Bezirksamt Mitte will sich das Geld von der Letzten Generation zurückholen

Insgesamt waren laut Polizei neun Personen an der Aktion beteiligt, zwei auf dem Denkmal und sieben davor. Von allen wurden die Personalien aufgenommen und jeder bekam eine Anzeige wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung.

Das Bezirksamt Mitte ist nun für die Beseitigung der Schäden und die Reinigung der Weltzeituhr zuständig. „Erst in den nächsten Tagen wird sich herausstellen, wie hoch die Schadenssumme wirklich sein wird“, hieß es aus der dortigen Pressestelle. Das Geld wolle man aber von den Aktivisten einfordern.

Ein Arbeiter versucht, die Weltzeituhr von der orangenen Farbe zu befreien.
Ein Arbeiter versucht, die Weltzeituhr von der orangenen Farbe zu befreien.© Getty Images | Sean Gallup

Weltzeituhr steht unter Denkmalschutz

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) haben die Letzte Generation für die Aktion scharf kritisiert. „Das Maß ist übervoll“, teilten Wegner und Spranger mit. „Seit zehn Tagen sind die Polizistinnen und Polizisten unserer Stadt Tag für Tag und Nacht für Nacht im Einsatz – zum Schutz jüdischen und israelischen Lebens, zum Schutz der Sicherheit auf unseren Straßen und zum Schutz unseres Zusammenlebens.“ Und während dieser Belastung begingen Straftäterinnen und Straftäter der sogenannten Letzten Generation Sachbeschädigungen, Nötigungen und Straftaten.

Der scharfe Wasserstrahl soll die Farbe beseitigen.
Der scharfe Wasserstrahl soll die Farbe beseitigen.© Getty Images | Sean Gallup

Die Weltzeituhr, ein Werk des DDR-Formgestalters Erich John, steht nahe dem Bahnhof Alexanderplatz und wurde 1969 der Öffentlichkeit übergeben. Sie zeigt die Zeitzonen der Erde und darin liegende Städte. Die Uhr steht unter Denkmalschutz und ist seit Jahrzehnten ein beliebter Treffpunkt bei Verabredungen. Mitte September hatte die Letzte Generation bereits das Brandenburger Tor besprüht. Die aufwendige und komplizierte Reinigung des Denkmals aus Sandstein soll nach Angaben des Senats mehr als 100. 000 Euro kosten.