Sechs Langstreckenflüge gibt es im Winterflugplan vom Flughafen BER – zu wenig, finden Unternehmen aus der Hauptstadtregion. In einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern Berlin und Brandenburg unter 120 Mitgliedsunternehmen haben zwei Drittel das interkontinentale Flugangebot vom BER als mangelhaft oder ungenügend bewertet. Aber auch die innereuropäischen Verbindungen sind aus Sicht vieler Unternehmen nicht ausreichend. Nur ein Drittel bewertete das Angebot laut IHK als gut oder sehr gut, mehr als 30 Prozent auf der anderen Seite aber auch als mangelhaft oder ungenügend.
Das innereuropäische Angebot habe sich im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Krise verschlechtert, kritisierte auch Robert Rückel, Vizepräsident der IHK Berlin. Die Zahl der Verbindungen nach Paris oder London sei zurückgegangen, Reisende seien in der Folge unflexibler und die Flugkosten höher. Dazu komme, dass Städte wie Sevilla oder Toulouse direkt überhaupt nicht mehr erreichbar seien. „Bessere Verbindungen nicht nur auf der Langstrecke, sondern auch auf der Mittelstrecke sind eminent wichtig für die Wirtschaft“, so Rückel. Die schlechte Anbindung, sowohl an europäische als auch an weltweite Metropolen, sei „ein handfester Standortnachteil für die Metropolregion“.
Unternehmen fordern vor allem mehr Verbindungen in die USA
Im europäischen Vergleich der Hauptstädte liegt Berlin mit der Zahl seiner Langstreckenverbindungen weit hinten: Nur in Athen gibt es der IHK zufolge mit vier Interkontinentalflügen noch weniger Verbindungen. Paris kommt dagegen auf 103 Langstreckenflüge, London sogar auf 138. Die IHK verweist auf eine Studie, wonach eine zusätzliche Langstreckenverbindung circa 250 zusätzliche Firmenbeziehungen zwischen den beiden Städten bringe. Außerdem gebe es mehr ausländische Direktinvestitionen, und die Stadt werde auch für ausländische Fachkräfte attraktiver.
Flughafen BER – Mehr zum Thema
Mit Blick auf die Interkontinentalflüge sind die USA laut IHK-Umfrage „Kernmarkt Nummer 1“. Dabei gehe es zum Beispiele um zusätzliche Standorte der Unternehmen, aber auch um die USA als Absatzmarkt oder zur Akquirierung von Fachkräften. Entsprechend werden von den Firmen vor allem auch weitere Verbindungen in die USA gefordert. Höchste Priorität haben neben New York, das von Berlin aus von United Airlines sowie Delta und Norse angeflogen wird, auch San Francisco und Washington D.C., das im Sommerflugplan von United Airlines stand, während des Winterflugplans aber nicht bedient wird.
IHK: Druck aufs Bundesverkehrsministerium für mehr Lizenzen ausüben
Auch Dubai hat den Unternehmen zufolge hohe Priorität. Die größte Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate am Persischen Golf wird ab dem 30. Oktober viermal pro Woche von Eurowings angeflogen. Als weitere wichtige Städte werden unter anderem Boston, Chicago oder auch Tokio benannt. Innerhalb von Europa sind Verbindungen nach Paris und London den Unternehmen in Berlin und Brandenburg am wichtigsten, danach folgen Rom und Amsterdam.
Um zusätzliche Langstreckenverbindungen zu bekommen, hält es die IHK für notwendig, bei den Airlines Werbung für Berlin zu machen. In die USA könnte es viel mehr Flüge geben, sagte IHK-Vizepräsident Rückel, weil es hier keine Regulierung durch erforderliche Lizenzen gibt. Anders sieht das etwa bei der Fluggesellschaft Emirates aus Dubai aus, die nur vier Lizenzen besitzt, entsprechend nur vier deutsche Flughäfen anfliegen darf – und bislang keinen aufgeben möchte, um stattdessen den BER ins Programm aufzunehmen. Hier müsse weiter Druck aufs Bundesverkehrsministerium ausgeübt werden, so Rückel. Ähnlich hatte sich kürzlich der Berliner Senat geäußert, und zusätzliche Lizenzen für Langstreckenverbindungen in die Hauptstadt gefordert.
IHK: Auch Bahn- und Straßenanbindung des BER muss verbessert werden
Flughafen-Chefin Aletta von Massenbach hatte kürzlich, angesprochen auf die Langstreckenverbindungen, unter anderem darauf verwiesen, dass die Airlines nach der Corona-Krise nun im ersten Schritt gut laufende Verbindungen wieder aufnehmen würden, die zuvor schon bestanden haben. Dazu komme das Problem, dass es an Flugzeugen mangele und es zu Lieferverzögerungen bei neuen Maschinen komme. Fluggesellschaften würden deshalb zwar Potenzial für Verbindungen zum BER sehen, diesen aktuell aber nicht unbedingt an erste Stelle in ihrer Prioritätenliste setzen.
Abseits von den Flugverbindungen fordert die IHK auch, den Hauptstadt-Airport besser per Bahn und Auto erreichbar zu machen. „Der BER und das prosperierende Flughafenumfeld müssen besser an Berlin und andere Städte angebunden werden per Straße und Schiene“, sagte Jens Warnken, Präsident der IHK-Cottbus. Unterstützt wird deshalb die Verlängerung der U-Bahn-Linie U7 zum BER, aber auch eine ICE- oder IC-Verbindung wird gewünscht, ebenso wie bessere Schienenanbindungen nach Polen oder Magdeburg.



