Nahverkehr

29-Euro-Ticket: Endet das Abo nach drei Monaten automatisch?

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Nach 9-Euro-Ticket: Folgt jetzt das 69-Euro-Klimaticket?

Nach 9-Euro-Ticket: Folgt jetzt das 69-Euro-Klimaticket?

Das 9-Euro-Ticket ist zur Zeit sehr beliebt unter den Bahnfahrer*innen. Doch bald ist damit Schluss. Wird es danach ein weiteres vergünstigtes Bahnangebot geben?

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Für drei Monate gibt es in Berlin übergangsweise ein verbilligtes Nahverkehrsticket. Wichtige Fragen und Antworten zum 29-Euro-Ticket.

Berlin bekommt ein 29-Euro-Ticket für U-Bahn, S-Bahn, Tram und Bus. Es soll von Anfang Oktober bis Ende Dezember nur innerhalb der Tarifzone AB gelten. Doch ganz so einfach wie beim bundesweiten 9-Euro-Ticket im Sommer 2022 wird es nicht. Wichtige Fragen und Antworten im Überblick.

29-Euro-Ticket für S-Bahn, U-Bahn & Co.: Ist der Start zum 1. Oktober sicher?

Nein. Aber die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hat in Aussicht gestellt, dass das klappt: „BVG und S-Bahn haben uns gesagt, wenn wir von euch am 15. September das Go bekommen, dann bekommen wir es hin.“ Am 15. September hat der Aufsichtsrat des Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) dem Projekt zugestimmt. Giffey hat allerdings auch eingeräumt, dass BVG und S-Bahn noch „ein bisschen was“ organisieren müssten. Die BVG hat auf ihrer Website schon darauf hingewiesen: „Der Beginn-Monat Oktober ist noch nicht gesichert.“

Warum ist das 29-Euro-Ticket in Berlin überhaupt befristet?

Das bundesweite 9-Euro-Ticket, das von Juni bis August zu haben war, war aus Sicht des Berliner Senats ein großer Erfolg, auch und gerade in Berlin. Der Senat hat sich deshalb für ein Nachfolgeticket stark gemacht. Weil es das bundesweit erst voraussichtlich ab Januar geben wird, hat der Senat für die Zeit bis dahin eine regionale Übergangslösung vorgeschlagen. Giffey hat argmumentiert, der verbilligte Fahrschein entlaste die Menschen in Berlin angesichts von steigenden Energiekosten und Inflation.

Warum gibt es nicht einfach weiter ein 9-Euro-Ticket?

Weil dafür kein Geld im Haushalt ist. Die Kosten für ein 9-Euro-Ticket wären entsprechend deutlich höher und müssten ebenfalls mit Berliner Landesmitteln bezahlt werden. Aus Sicht des Senats war es schon schwierig genug, das 29-Euro-Ticket durchzubekommen.

Was lässt sich mit dem 29-Euro-Ticket denn sparen?

Der Preis für das neue Ticket ist mehr als dreimal so hoch wie für das 9-Euro-Ticket. Das ist ein erheblicher Unterschied. Allerdings kostet die VBB-Umweltkarte im Abo für den AB-Bereich sonst monatlich 63,42 Euro. Pro Monat lassen sich in diesem Fall also 34,42 Euro sparen, in den drei geplanten Monaten sind das zusammen 103,26 Euro.

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Kann man das 29-Euro-Ticket für einzelne Monate kaufen wie zuvor das 9-Euro-Ticket?

Nein, das geht nicht. Wer es nutzen möchte, muss ein Abonnement abschließen.

Was müssen BVG-Kunden machen, die schon ein Abo-Ticket haben?

Die BVG sagt: nichts. Wer zum Beispiel schon eine VBB-Umweltkarte mit monatlicher oder jährlicher Abbuchung, ein entsprechendes Firmenticket oder 10-Uhr-Karten abonniert hat, kann die jeweilige Ticketvariante weiternutzen.

Und wie funktioniert das mit dem Differenzbetrag?

Abonnenten mit monatlicher Zahlung wird nach BVG-Angaben automatisch der geringere Betrag abgebucht. Der Ausgleich für diejenigen mit jährlicher Zahlung soll bei der BVG voraussichtlich unmittelbar nach dem Aktionszeitraum erfolgen. Der VBB konnte dazu noch keine Angaben machen.

Endet das Abo nach drei Monaten automatisch?

Nein, so einfach ist es nicht. Voraussichtlich ist eine Kündigung nötig. Laut der BVG soll es eine Sonderkündigungsregelung zu Ende Dezember geben. Wenn nicht gekündigt wird, verlängert sich das Abo zu den üblichen, nicht ermäßigten Preisen. Allerdings soll es auch möglich sein, auf das neue voraussichtlich Anfang 2023 startende bundesweit gültige Nachfolgeticket umzusteigen.

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Gibt es auch einen ermäßigten Preis für diejenigen, die bisher ein Sozialticket für 27,50 Euro nutzen?

Nein, das ließ sich nicht durchsetzen. „Am Ende haben wir das gemacht, was mit dem VBB und mit Brandenburg zusammen möglich war, das ist das 29-Euro-Ticket“, sagte Verkehrssentaorin Bettina Jarasch (Grüne). Aus dem Kreis der Linke gibt es die Forderung, darüber aber noch einmal zu sprechen.

Wo gibt es das 29-Euro-Ticket?

Die BVG empfiehlt, das Abo online abzuschließen. Das wird auf der Website der Verkehrsbetriebe möglich sein.

Gibt es das 29-Euro-Ticket auch am Automaten?

Nein. Wie im Fall von Abos üblich soll es auch dieses nicht am Automaten geben.

Wo gilt das Ticket?

Darüber ist lange diskutiert worden. Schließlich ist es darauf hinausgelaufen, dass man es nur im Geltungsbereich AB benutzen kann, also nur innerhalb Berlins.

Wollten die Berliner kein gemeinsames Ticket mit Brandenburg?

Doch. Berlins Regierende Bürgermeisterin und Verkehrssenatorin Jarasch haben mehrmals betont, ihnen wäre gemeinsames Ticket für beide Länder lieber gewesen.

Warum gibt es das dann nicht?

Die Brandenburger Seite war dafür nicht zu begeistern. Denn das ÖPNV-Angebot ist in Berlin sehr viel besser als im Nachbarland. Von einem Nahverkehrsticket profitieren die Berlinerinnen und Berliner deshalb deutlich mehr. Aus Brandenburger Sicht erschien ein befristetes Ticket, das allein aus den Länderhaushalten bezahlt werden muss, nicht attraktiv genug.

Gesellschafter des VBB sind die Länder Berlin und Brandenburg, 14 Landkreise sowie vier kreisfreie Städte. Zudem kooperieren in dem Verbund 36 öffentliche und private Verkehrsunternehmen der Region „Wir sind der flächenmäßig größte Verkehrsverbund in Deutschland, das bringt uns viele Vorteile“, sagte Jarasch. „Das bedeutet aber auch, dass es Partner gibt, die unterschiedliche Interessen und Bedarfe haben, aber auch unterschiedliche Finanzsituationen.“

In Brandenburg spielt die Sorge vor den steigenden Energiekosten, die auch die Verkehrsunternehmen treffen, eine große Rolle. Der Fokus wird dort, laut Infrastrukturministerium, deshalb darauf gesetzt, das Angebot trotz steigender Kosten aufrechtzuhalten, danach hat man das Ziel, den Nahverkehr auszubauen. Erst danach stehen in der Prioritätenliste – mit Blick auf zur Verfügung stehende Gelder – neue Tarife an. Zudem verwies das Ministerium darauf, dass schon das 9-Euro-Ticket im ländlichen Raum nur halb so oft verkauft worden sei wie in Städten. Statt Ticketpreisen stehe dort das Angebot im Vordergrund.

Was kostet das Ticket den Steuerzahler?

Der Haushaltsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses hat dafür 105 Millionen Euro bewilligt. Die Summe muss im Nachtragshaushalt berücksichtigt werden. Darüber muss das Landesparlament noch abstimmen. Geld vom Bund gibt es für das 29-Euro-Ticket nicht.

( dpa/jes )