Weihnachtsplaner

Das sind die perfekten Weihnachtsgeschenke für ihn

| Lesedauer: 8 Minuten
Judith Luig

Männer sind nicht so einfach zu beschenken. Sie sagen nicht, was sie wollen. Und das, was sie wollen, kaufen sie sich ohnehin selbst. In solch einem Fall hilft ein Personal Shopper wie Steven Mills.

Nicht alles, was man verschenkt, ist auch wirklich ein Geschenk. Eine Hose, zum Beispiel, die man sich selber kaufen kann, oder eine Krawatte, die einfach nur eine Krawatte ist. „Ein Geschenk sollte eine Überraschung sein“, sagt Steven Mills. Er weiß, wovon er spricht. Er ist Personal Shopper.

Wer sich von Steven Mills zum perfekten Geschenk für den Mann beraten lassen will, muss erst mal einen Fragebogen ausfüllen. Wie groß ist er, wie schwer, welche Hobbys, was mag er, was hat er noch nicht? Dann zieht Mills los auf einen Streifzug durch die Läden und sortiert schon mal vor.

„Wir reden hier von einem selbstbewussten Mann, richtig?“, fragt Mills, während wir die Friedrichstraße runterstreben. Er hat ein Parfum ausgewählt, natürlich nicht irgendeines, sondern ein exklusives. Ein gewagtes. Die Verkäuferin in den Galeries Lafayette ist ganz professionell erfreut, Mills zu sehen. „Ah, willkommen!“ So wird es den ganzen Tag weitergehen, Steven Mills ist bekannt in den Läden mit gehobenem Geschmack und Preis. Seit 2009 arbeitet er als Personal Shopper, zehn Monate im Jahr in Berlin, zwei Monate im Jahr in New York, wo seine Familie lebt.

Wer andere beraten will, muss selbst gut aussehen

Das gewagte Geschenk ist „Pure Oud“ von Kilian. Das Parfum ist in einem Glasflakon eingeschlossen und wie ein teurer Verblichener auf edlem Schwarz in ein Holzkistchen gebettet. „Kilian stammt aus der Familie Hennessy, in Pure Oud fließt der Duft seiner Kinder, der Geruch von Kellergewölben und Cognac-Fässern mit ein“, erklärt die Verkäuferin, während sie das Prachtstück präsentiert.

Ein bürgerlicher junger Wilder sei der Parfümeur. Wer erwartet, dass der Kunde 299 Euro in 50 Milliliter investiert, der muss auch eine Geschichte liefern. Der Fotograf riecht kurz, sagt, „ein bisschen wie Benzin, oder?“ – „Hm, ja“, zögert die Verkäuferin, „der Duft muss sich auf der Haut entfalten, der wirkt bei jedem anders.“ Zum Beweis gibt es eine kleine Sprühdosis auf Steven Mills Handgelenk.

Dessen silberne Uhr sitzt, dahinter glänzt ein schwarzes Perlenarmband. Steven Mills ist groß, schlank und ganz in schwarz gekleidet, einen dicken grauen Schal hat er um den Hals geschlungen. Wer andere beraten will, muss selbst gut aussehen.

„Wenn ein Mann die Hose auszieht, dann kauft er auch etwas“

Steven Mills’ erster Kunde war ein Mann. Er hatte eine größere Summe Geld geerbt, jetzt wollte er sich einen Porsche kaufen. Er ging zu einem Händler. Aber er wurde nicht bedient, er sah nicht wie ein Mann aus, der sich einen Porsche leistet. „Da dachte er, irgendwas mache ich falsch. Und dann rief er mich an“, erzählt Mills. Andere seiner Kunden sind aus Köln oder Hamburg nach Berlin gezogen, Städte, in denen man eher klassisch gekleidet ist, und wünschen sich jetzt, im Berlin-Style gekleidet zu ein. Sneakers zum Beispiel, oder Hoodies – da sind noch längst nicht alle Neo-Lässigen vertraut mit.

Shopper, die einen persönlichen Einkaufsassistenten buchen, gehen nicht ohne Tüten nach Hause. Besonders, wenn Mills Männer in die Umkleidekabinen schickt, dann wissen die Verkäufer, dass die Sache geregelt ist. Oder wie Steven Mills es ausdrückt: „Wenn ein Mann die Hose auszieht, dann kauft er auch etwas.“

Männer wissen oft nicht, was ihnen steht, das ist bekannt. Aber warum buchen Frauen Personal Shopper? „Wegen der Verkäuferinnen“, sagt Mills. „Die wenigsten Frauen vertrauen dem Rat anderer Frauen, die sie nicht kennen.“ Mills’ Kundinnen sind häufig Touristinnen, reiche Gattinnen, die ihre Männer auf Geschäftsreise begleiten, Unternehmerinnen, die ihre knapp bemesse freie Zeit zwischen den Meetings nutzen wollen, um etwas zu erwerben, von dem sie dann sagen können: „Das habe ich mir in Berlin gekauft.“ Wer die Läden und Einkaufsstraßen einer Stadt kennenlernt, der lernt ja auch die Stadt kennen. Personal Shopping, das kann auch so eine Art privates Sightseeing und Erlebnistour sein.

Weniger große Kaufhäuser, mehr Individuelles

Sein bisher schwierigster Auftrag? „Das war eine Kanadierin“, sagt Mills und lacht. „Ihr Mann hatte ihr 10.000 Dollar zum Hochzeitstag geschenkt, unter der Auflage, dass sie alles an einem Tag ausgibt.“ Eine Herausforderung, die man mit Schmuck allerdings bewältigen kann.

Die Friedrichstraße und Mitte sind sein bevorzugtes Jagdrevier, da könne man einfach mehr besondere Sachen kaufen, die entweder von besonders exklusiven Marken stammen oder die es nur in Berlin gibt, wie die Mode der Berliner Designer zum Beispiel. In jüngster Zeit geht Mills aber auch manchmal auf den Kurfürstendamm, der verändere sich gerade. Weniger große Ketten, von denen es in der gesamten Kaufrepublik wimmele, dafür mehr Individuelles.

Das Internet macht die Arbeit des Personal Shoppers leichter. Auf unendlich vielen Seiten werden die Neuheiten präsentiert, mal auf Blogs, mal auf den Seiten der Anbieter selbst. Mills macht sich Listen: Was fällt ihm auf, was gefällt ihm, was könnten auch andere mögen. Dann telefoniert er rum. „Habt ihr diese neue Ledertasche? Nein? Das solltet ihr aber.“ Manchmal empfiehlt er den Läden auch Anschaffungen.

Die klassischen Geschenke für den Mann

So berät er seine Kunden: Er zeigt ihnen nicht nur, was sie einkaufen können, sondern entdeckt für sie auch neue Möglichkeiten, wo sie einkaufen könnten. Gerade Männer, die nicht viel Zeit beim Einkaufen verbringen wollen, sind ihm dafür dankbar.

Wein, Manschettenknöpfe, Whiskey und Zigarren oder Bücher über Whiskey und Zigarren – das seien die klassischen Geschenke für den Mann. Das ändert sich auch nicht, wenn man mit Steven Mills shoppen geht. Es macht aber mehr Spaß. Weil er natürlich nur in die Läden geht, in die man auch rein möchte, weil er einem dauernd neue Vorschläge macht und weil er sich selber sehr für die Dinge begeistern kann, die er auswählt.

Im Quartier 206 an der Friedrichstraße hat er ein Geschenk entdeckt, das perfekt auf seine Kriterien passt. Eine Sonderausgabe vom Playboy. „Wenn Sie das Ihrem Mann schenken, ist der auf jeden Fall überrascht.“ Sagt zumindest Mills.

Männer äußern ihre Wünsche seltener

Einen Mann zu beschenken ist eine Herausforderung, weil Männer ihre Wünsche seltener äußern. Sie reden, fragt man ihre Frauen, ja ohnehin weniger. Dann müssen sie sich auch nicht wundern, wenn sie etwas bekommen, das sie gar nicht wollen. Vielleicht ist es auch nur ein Geschlechter-Klischee, dass Männer sich nicht gern beschenken lassen.

„Eine Frau hingegen gibt immer wieder kleine Hinweise, was sie sich von ihrem Mann wünscht“, sagt Mills. „Manche ganz dezent, die gehen dann ‚zufällig‘ an einem großen Schaufenster vorbei oder loben ganz ausführlich die neue blaue Handtasche von Michael Kors, andere direkt.“ Männer allerdings hören das nicht unbedingt. Auch das weiß Mills. „Wenn Männer ein schönes Geschenk machen wollen, dann sollten sie ihrer Frau zuhören“. Er grinst. „Mindestens eine Woche im Jahr.“

Ein schönes Geschenk für den Herren ist natürlich auch eine Tour mit einem stilsicheren Personal Shopper, das würde Steven Mills natürlich auch jederzeit empfehlen.