Wem Lametta, Lebkuchen und Lichterketten in diesen Tagen zu viel werden, der kann sich auch auf andere Art in festliche Stimmung bringen.

In Berlin gibt es auch Weihnachtsmärkte ohne Laubsägearbeiten aus dem Erzgebirge, Konzerte ohne christliche Trompeten und Theater ohne besinnliche Gefühle.

Wir haben uns auf die Suche nach Alternativen gemacht zum alljährlichen Einheitskitsch vor den Feiertagen und sind fündig geworden. Von veganen Turnschuhen über Biker mit langen Bärten bis zu vorweihnachtlichen Fan-Gesängen im Stadion.

Unversöhnlicher Rainald Grebe

1. Nein, versöhnlich ist es nicht, was Rainald Grebe seinem Publikum in der Adventszeit so um die Ohren haut, da nützt es auch nicht viel, dass das Orchester der Versöhnung im Admiralspalast an der Friedrichstraße mit auf der Bühne steht. Eher ein Kontrastprogramm zu all der besinnlichen Harmoniesüchtigkeit in diesen Tagen. „Berliner Republik“ heißt die neue Show von Rainald Grebe, und sie lässt so kurz nach der Wahl nur wenig Gutes an den Protagonisten der neuen Regierung, die sich das Volk gewünscht hat. Der Liedermacher und Kabarettist spielt vom 17. bis 30. Dezember in Berlin, ausgenommen Heiligabend und der erste Feiertag, bevor er dann auf Deutschland-Tournee geht.

Rainald Grebe, Admiralspalast, Friedrichstraße 102, Mitte, Tel. 22 50 70 00, 17.–30. Dezember 2013, 20 Uhr, ab 22,90 Euro

Märchen nicht nur für Kinder

2. Heimelig könnte es sein in der russischen Holzhütte am Herdfeuer im Monbijoupark, wäre da nicht dieses Hexenkessel-Theaterensemble, dessen Mitglieder sich mit Witz und Tempo durch die Volksmärchen von Hans-Christian Andersen spielen. Für die Abendveranstaltungen jedenfalls wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie nicht für Kinder geeignet sind. Aus Prinz und Prinzessin in Prinzessin auf der Erbse wird ein übersensibles Paar, das man einige Jahre nach der ersehnten Hochzeit trifft. Und im Stück „Der Tannenbaum“ hat der arbeitslose Märchenerzähler jede Menge Stress, um ein ungestümes Action-Bäumchen vor seinem traurigen Ende zu bewahren. Nachmittags werden die durchaus harmlosen Fassungen für Kinder dargeboten, nur in den Abendvorstellungen wird es dann so richtig böse.

Märchenhütte im Monbijoupark gegenüber vom Bodemuseum auf dem Bunkerdach, Mitte, Hotline Tel. 2 888 66 999, Vorstellungen für Kinder Mi.–Fr. 10 Uhr, 16.30 Uhr, Sbd.–So., 15 Uhr, 15.30 Uhr, 16 Uhr, 17 Uhr, Preis 5 Euro, für Erwachsene Di.-So. 19.30 Uhr, 20 Uhr, 21 Uhr, 21.30 Uhr, 22.30 Uhr, 23 Uhr, Preis ab 13 Euro an der Abendkasse

Handgemacht und vegan

3. Neben den traditionellen Weihnachtsmärkten gibt es immer mehr alternative Märkte, auf denen Musiker, Künstler und Designer aus Berlin ihre handgemachten Produkte verkaufen. Einer von ihnen ist der Kreuzberger „handmade supermarket“ in der Markthalle Neun am 15. Dezember 2013. Kissenbezüge, Taschen, bedruckte T-Shirts – die meisten Geschenke, die hier über den Marktstand gehen, sind Unikate. Und einige dienen sogar einem guten Zweck, wie etwa die „Lampe-Dusa“. Die Lichterkette wurde gemeinsam mit Flüchtlingen vom Oranienplatz gebastelt. Der Erlös geht an die Flüchtlingsgruppe aus Lampedusa, die damit dringend Benötigtes finanzieren will. Auch die Speisenangebote in der Markthalle sind einzigartig und politisch korrekt: Statt ungesunder Zuckerwatte gibt es vegane Burger, Zimt-Foccacia oder auch selbst gebrautes Bier.

handmade supermarket, Markthalle Neun, Eisenbahnstraße 42, Kreuzberg, 15. Dezember 2013, 11–18 Uhr, Eintritt frei

Mitteszene trifft Design

4. Weihnachtsrodeo nennt sich der Design-Weihnachtsmarkt in dem kathedralenartigen ehemaligen Kaufhaus Jandorf an der Brunnenstraße, wo in der DDR noch das Institut für Modegestaltung untergebracht war. Hier trifft sich die Szene aus Mitte, sucht nach besonderen Geschenken und entspannt in der „Chillarea“, während die Geschenke vom Einpackservice stilvoll eingewickelt werden. An 100 Ständen werden Kunst, Mode und Design verkauft, garantiert frei vom üblichen Weihnachtskitsch.

Weihnachtsrodeo, Brunnenstraße 17, Mitte, geöffnet am 7.–. 8. sowie 21.–22. Dezember 2013, jeweils 12–20 Uhr, Eintritt frei

Weihnachtsdinner aus der Tasse

5. Ein figurbewusstes Fünf-Gänge-Menü aus der Tasse und süß-saure Gags und Pannen verspricht das Sauerkraut-Varieté. Im beheizten Zelt auf dem Yaam-Gelände an der East Side Gallery in Friedrichshain sind unter anderem die Drahtseilblondine Marianne, der Chaos-Jongleur Ernesto und Damian, der Koch mit Rum und Salsa im Blut, zu erleben. Veranstalter der Dinner-Show ist der Verein Berlin lacht, der auch das jährliche Internationale Festival des Straßentheaters organisiert. Tasse, Gabel, Pfeffer und Salz sind selbst mitzubringen.

Sauerkraut Varieté, Stralauer Platz 35, Friedrichshain, Tel. 692 04 22 81, bis Ende Januar 2014, Do.-Sbd. 20 Uhr, So., 19 Uhr, Eintritt 16 Euro, erm. 11 Euro

Singen im Stadion

6. Es gibt ja Experten, die behaupten, Fußballfans gehen nur ins Stadion, um der Freude am gemeinsamen Gesang zu frönen. Beim 1. FC Union jedenfalls sind die Fans so konsequent, dass sie zu Weihnachten auf das lästige Beiwerk des Fußballspiels verzichten und sich am Vorabend des Heiligen Abends zum gemeinschaftlichen Singen im Stadion verabreden. Inzwischen wird die Tradition schon von einigen Fußballclubs in ganz Deutschland nachgeahmt. Im vergangenen Jahr trafen sich in der Alten Försterei 22.500 Fans und stimmten gemeinsam lauthals Lieder wie „Kling Glöckchen klingelingeling“ an. Still jedenfalls wird die Nacht mit Sicherheit nicht. Für Fans, die nicht ganz textsicher sind, gibt es Liederbuch und Kerze gratis. Ein kleines Ensemble von Bläsern sorgt im eisernen Wohnzimmer dafür, dass die Sänger nicht aus dem Takt geraten.

Weihnachtssingen im Stadion An der Alten Försterei, An der Wuhlheide 263, Köpenick, 23. Dezember 2013, 19 Uhr, Einlass ab 17.30 Uhr, Eintritt frei, Spenden für Nachwuchsarbeit willkommen

Biker mit Bart und rotem Mantel

7. Einmal im Jahr legen Biker ihre Lederjacke ab und zeigen ihren wahren Kern bei der Christmas-Biketour. Äußerlich haben viele immerhin den Bart mit dem Weihnachtsmann gemeinsam. Am 14. Dezember ziehen sie sich rote Mäntel über, schmücken mit Gold und Lametta ihre Motorräder um zu Motto-Rädern und fahren durch die Stadt. Jeder, der ein motorisiertes Zweirad hat, darf mitmachen, das schönste Bike wird prämiert. Die Biker verteilen zuvor gesammelte Spenden an Einrichtungen für Wohnungslose.

Berlin Christmas Biketour, Treff und Spendensammelpunkt 14. Dezember 2013 ab 10 Uhr, Steglitzer Damm 23, Goldschmiede Bernd Masche, Steglitz, Tel. 0176 613 11 63, Abfahrt 15 Uhr

Russische Schlager

8. Irgendwie erinnert die Veranstaltung im Centre Bagatelle schon an Väterchen Frost und verschneite Birkenwäldchen – allerdings anders als in der Adventszeit zu erwarten ist. „Old Russian Popsongs“ werden bei dem Konzert am 22. Dezember von dem Trio Scho mit Kontrabass, Geige und Akkordeon neu interpretiert. Und dabei handelt es sich um Schlager aus den 20er- bis 60er- Jahren, angefangen von russischem Tango bis hin zu Swing und Ballroom Music.

Old Russian Popsongs, Centre Bagatelle Zeltinger Straße 6, Reinickendorf, Tel. 868 70 16 68, 22. 12., 16 Uhr, Eintritt 15 Euro, Studenten 10 Euro, Kinder 6 Euro

Sinnlich statt besinnlich

9. Ganz frei vom Weihnachtskitsch und sonstigem Klimbim sind die Aktfotos von schönen Männern und Frauen im Helmut Newton Museum in Charlottenburg. Nach einem Bummel vorbei an den überladenen Schaufenstern ist die aktuelle Ausstellung in der Nähe des Kudamms eine pure Entspannung für die Augen. Gezeigt werden Aktfotografien von jungen Männern des berühmten amerikanischen Porträtfotografen Greg Gorman in Kombination mit den bekannten Frauenakten von Newton unter dem Titel „Paris Berlin“ in den benachbarten Ausstellungsräumen.

Greg Gorman und Helmut Newton, Museum für Fotografie, Jebensstr. 2, Charlottenburg, Tel. 266 42 42 42, Di.–So. 10–18 Uhr, Do., 10–22 Uhr, Mo. geschlossen, Eintritt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro

Bescherung im Stil der 20er

10. Traditionelle Weihnachtslieder klingen weniger betulich, wenn sie arrangiert sind nach Klassikern der Comedian Harmonists wie „Kleiner grüner Kaktus“ oder „Veronika, der Lenz ist da“. Am zweiten und dritten Advent präsentieren die Berlin Comedian Harmonists in ihrem Stammhaus, der Komödie am Kurfürstendamm, mit „Morgen Kinder wird’s was geben“ ihre ganz spezielle Weihnachtsbescherung.

Berlin Comedian Harmonists, Komödie am Kurfürstendamm, Kurfürstendamm 206–209, Charlottenburg, Tel. 88 59 11 88, 8. und 15. Dezember 2013, 20 Uhr, Eintritt 23 bis 28 Euro