Weihnachtsplaner

Das sind die perfekten Weihnachtsgeschenke für sie

Die Berlinerin Anna Krukover ist professionelle Shopping-Beraterin. Männern empfiehlt sie, der Liebsten keine Haushaltsgeräte unter den Baum zu legen, sondern lieber zu Blumen und Schmuck zu greifen.

Klar, ein selbst gemaltes Bild wäre auch nicht schlecht. Eine Zeichnung von dieser unerhörten Bucht am Schwarzen Meer zum Beispiel. Diese Bucht, lieber Leser, die Sie im Sommer mit Ihrer Liebsten entdeckt haben. Wo sich alles so intensiv einprägte, dass es Ihnen leichtfiel, als Sie die Bucht mit schnellen Strichen auf Papier gemalt haben.

Haben Sie nicht? Kein Problem. Malen können nur wenige beziehungsweise nur wenige so gut, dass man das Ergebnis an die Wand hängen würde. Und Bilder zu schenken, die niemand aufhängen will, sind vor allem eines: eine Zumutung.

Und selbst, wenn Sie gut zeichnen können: Vielleicht war Ihrer Beziehung in diesem Sommer keine einsame Meeresbucht vergönnt, und Sie fühlen sich, als würden Sie vor einem leeren Blatt Papier sitzen? Keine Sorge, das kommt vor und ist vor allem kein Grund, der Liebsten nichts zu schenken.

Geld alleine hilft nicht, man braucht eine Idee

Hier geht es um Überraschungen, die für Geld zu kaufen sind. Aber Geld alleine hilft nicht, man braucht eine Idee. Es gibt sogar Leute, die Einkaufen, so wie Malen, als Kunst bezeichnen. Klar ist aber, dass es beim Shoppen verschiedene Spielklassen gibt: Profis, Amateure und Anfänger.

Vor Weihnachten wäre es nützlich zu wissen, wie ein Profi vorgeht. Dafür muss man Anna Krukover treffen. Sie ist Personal Shopper und hat auch ein Händchen für Herren, die eine Überraschung für ihre Freundin oder Frau suchen. In einem Café erklärt Anna Krukover das Wichtigste. Zwei Stunden werden wir rund um den Kudamm nach Geschenken suchen. Eigentlich würde sie dafür 150 Euro berechnen. So viel kostet ein Personal Shopper ihrer Spielklasse. Man könnte ihre Dienste auch verschenken, als Gutschein für eine Einkaufsbegleitung. Aber viel lieber geht man selber mit Anna Krukover shoppen.

Keine Küchengeräte, Kochbücher, Backformen

Sie trägt eine beige Bluse und rote Fingernägel, sie schaut ihrem Gegenüber tief in die Augen, hört aufmerksam zu und macht Vorschläge, die klingen wie: "... das müssen wir uns noch anschauen, es ist wirklich süß." Keine Frage, an ihrer Seite fühlt man sich in Boutiquen so sicher wie mit Robocop auf Streife. Für Anfänger hier die Grundregeln. Sie gelten für Frauen, mit denen der Schenkende in irgendeiner Form etwas am Laufen hat. Geschenke für Mütter, Tanten und Kumpel-Freundinnen sind hier nicht Thema.

Erstens: "Keine Küchengeräte, Kochbücher, Backformen oder Ähnliches verschenken", sagt Krukover. "Keine Frau will sich als Sklavin in der Küche fühlen." Ebenso wenig prickelnd sind Gutscheine für Fitnesskurse, da laute die Botschaft dann: Mach mehr Sport, deine Figur hat es nötig. Drittens, das ist schon überraschender: Auch bei Dessous, dem vermeintlichen Klassiker, ist sie skeptisch. "Es kann passieren, dass eine Frau sich unter Druck gesetzt fühlt, das anzuziehen. Das ist nicht gut." Also: Erst nachdenken, dann besser keine Unterwäsche kaufen.

Die beste Seite betonen

Die gute Nachricht: Elegante Kleidung dürfe man ignorieren, sagt sie. Die vielen Röcke, Pullover, Blusen in den Läden: Zeitverschwendung. Elegante Kleidung muss sitzen, ohne Anprobieren wird das nichts. Und mit Anprobieren gibt's keine Überraschung. "Frauen wollen ihre besten Seiten betonen", sagt Krukover. "Dafür muss alles gut sitzen." Sie weiß das, weil Frauen sehr offen mit ihr darüber sprechen, die sie beim Einkaufen begleitet. Andererseits: Die beste Freundin der Liebsten zum Shoppen mitzunehmen, auf solche Gedanken sollen ja einige Männer kommen, empfiehlt sie nicht. "Sie hat ihren eigenen Blick auf ihre Freundin, das sollte man beim Beschenken nicht vermischen." Auch von Gutscheinen, die nicht unmittelbar einzulösen sind, rät Krukover ab. Jedenfalls von solchen, die jahrelang herumliegen.

Aber was wäre mit einem Gutschein für eine Woche in New York, inklusive Hotel, mit einem Flug, der nächste Woche geht? Sie lächelt und sagt nur: "Okay."

Es sei übrigens völlig in Ordnung, seine Liebste vor Weihnachten zu fragen, was sie so in Läden gesehen habe, das ihr gefalle. Natürlich, sagt sie, schenke man später nichts von dem, was sie aufgezählt habe. Das wäre ja langweilig. Aber so erhalte man eine Orientierung. Auch der Personal Shopper arbeitet mit dieser Methode, sie hat Fragebögen ausgearbeitet. Das muss sich bewährt haben, denn Krukover wird auch von Moskauer Familien gebucht, die nur zum Einkaufen für einige Tage nach Berlin reisen. Übrigens nicht, weil man in Moskau nicht alles kaufen könnte. Sondern weil Berlin günstiger ist als die russische Hauptstadt.

Schöne Handschuhe gehen immer

Wir betreten die Boutique von der Designerin Veronika Pohle am Kudamm. Ein Glück, dass man sich hier als Mann nicht alle Sachen anschauen muss! Sie probiert Lederhandschuhe an, sie sind weich und gefüttert. "Schöne Handschuhe gehen immer", sagt sie. Nur darauf achten, dass sie farblich zu einer Handtasche passen.

Handschuhe also. Eine Dame im Laden bestätigt das, sie habe ihr Lieblingspaar seit 15 Jahren und damit deutlich länger, als die Beziehung zu dem Schenkenden gehalten habe.

In einer anderen Vitrine: kleine Täschchen, sogenannte Clutches. Eine knallrote mit einem silbernen Hasen obendrauf. Diese kleinen Täschchen, die man mit der Hand greift, die man aus den Bar-Szenen in US-Serien kennt. Hier kosten sie ab 120 Euro. Krukover ist sicher: "Die kommen in diesem Jahr gut an, bei unterschiedlichsten Frauen."

"Wie ein Stück Gold für den Schatz"

Weiter geht es zu Max Mara. Dort gibt es auch Sonnenbrillen, und Sonnenbrillen könne man fast immer schenken, sagt Krukover. Man solle daran denken, eine mittlere Größe zu nehmen und dass es vielleicht schade ist, wenn um Weihnachten nicht die Sonne scheint und die Frau ihre neue Brille nicht ausprobieren kann. Sicherer findet sie ein glitzerndes Portemonnaie. Sie hält es hoch: "Wie ein Stück Gold für den Schatz", sagt sie. Und immer dran denken: Wer ein Portemonnaie verschenkt, sollte eine Geldstück reinlegen. Ein Cent sei genug als gutes Omen.

Zwischenstopp im Fotocenter: Hier gibt es 3-D-Bilder von eigenen Fotos, sie werden per Laser in einen Glasblock gezeichnet. Kitschig, aber faszinierend. "Eine gute Idee", sagt Krukover. Die Würfel kann man auch online bestellen, der kleinste Würfel kostet 29,90 Euro, die großen mehr als 200.

Blumen für die Ewigkeit

In der Berliner Bilder Galerie am Kaiserdamm gibt es winzige Schuhe. Einzelstücke, wenige Zentimeter hoch, liebevoll nachgebildet wie die Waggons einer Modelleisenbahn. Krukover ist begeistert. "So einen Schuh schenkt man seiner Prinzessin, wie bei Aschenputtel", sagt sie. Und: Sie kommen sogar im kleinen Schuhkarton. "Die Verpackung ist bei allen Geschenken sehr wichtig." Ab 29 Euro fangen die kleinen Schuhe an.

Was fehlt noch? Blumen. "Jede Frau erwartet Blumen, aber das wird nur selten erwähnt", sagt sie. Nur, dass die Blumen nicht frisch sind, die wir uns anschauen. Bei Vermont an der Kantstraße gibt es Blüten und Blätter, die viele Jahre haltbar sind. Sie fühlen sich weich an, nicht wie Kunstblumen. Lebendig irgendwie, aber so robust, dass es im Laden sogar einen Lampenschirm aus Salbeiblättern gibt und Skulpturen. Aber zu kaufen gibt es auch eine simple Rosenblüte für 9,90 Euro. Für die Ewigkeit. Wie das funktioniert, wie die Blumen so konserviert werden, das will man gar nicht so genau wissen. Wichtiger: "Man kann sie ein Leben lang genießen."

Dann sind unsere zwei Stunden auch schon vorbei. Anna Krukover muss sich um den nächsten Auftrag kümmern: vier Geschenke für vier Kinder. Auch hier hat sie Ideen. Aber jetzt muss sie schnell weiter, diesen Monat ist Weihnachten, und als Einkaufsberaterin hat sie viel zu tun. Es gibt eben nicht viele Männer, die selbst gemalte Bilder verschenken.

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