Kapitalspritze für die Berliner Software- und Telekommunikations-Start-ups: Gut die Hälfte des im vergangenen Jahr insgesamt in Deutschland in der IT-Branche investierten Wagniskapitals ist in Berliner Jungunternehmen geflossen. Berlin steht damit mit weitem Abstand an der Spitze aller Bundesländer, wie aus einer Erhebung des Hightech-Verbandes Bitkom und des Bundesverbandes Deutsche Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) hervorgeht.

Danach haben Berliner IT-Start-ups im vergangenen Jahr insgesamt 133,3 Millionen Euro enthalten. Das ist vier Mal mehr als noch vor drei Jahren, als 34,2 Millionen Euro investiert wurden. „Berliner IT-Start-ups erhielten zehn Mal so viel Wagniskapital wie Unternehmen in Hamburg“, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf. Hinter Berlin folgen Baden-Württemberg (24 Millionen Euro) und Bayern (18,9 Millionen Euro).

In die Berechnungen einbezogen sind die tatsächlich geflossenen Investitionen allein in Unternehmen der IT-Branche, längerfristige Investitionszusagen sind nicht voll berücksichtigt. Das erklärt den Unterschied zu den Mitte vergangenen Jahres vom BVK gemeldeten Wagniskapital-Strömen. In den ersten sechs Monaten 2012 waren danach allein 370 Millionen Euro nach Berlin geflossen oder zugesagt. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor.

Die 2012 insgesamt in deutsche IT-Start-ups investierte Summe von 240,8 Millionen Euro ist im internationalen Vergleich weiterhin niedrig. Zum Vergleich: In den US-Notizdienst Evernote hatten im November Wangnisfinanzierer 85 Millionen Dollar investiert, der Tickethändler Eventbrite erhielt vergangene Woche 60 Millionen Dollar. Größter Nutznießer in Berlin dürfte der Musikdienst Soundcloud gewesen sein, der Anfang 2012 von Investoren knapp 50 Millionen Dollar zugesagt bekam.

Die insgesamt in Deutschland investierte Summe liegt unter der des Vorjahres (255,5 Millionen Euro). „Die Wagniskapital-Finanzierungen hierzulande liegen im internationalen Vergleich immer noch spürbar zurück und erreichen nicht das volkswirtschaftlich wünschenswerte Potential“, sagte BVK-Vorstandsmitglied Wolfgang Seibold. „Vor allem die Gründer innovativer Technologieunternehmen sind auf eine funktionierende Finanzierungsinfrastruktur angewiesen, um ihre Produkte und Dienstleistungen in den globalen Märkten erfolgreich zu platzieren.“

Die Verbände fordern daher, dass die nächste Bundesregierung die Rahmenbedingungen für privates Wagniskapital deutlich verbessern soll. Das betrifft sowohl die Regeln für die Kapitalgeber als auch die für die finanzierten Start-ups. Zugleich müssten die wenigen Vorteile des deutschen Steuerrechts in diesem Bereich, besonders die Steuerbefreiung von Gewinnen aus der Veräußerung von Gesellschaftsanteilen, unbedingt erhalten bleiben.

„Derzeit fehlt es vor allem an privatem Kapital. Um mehr privates Kapital zu mobilisieren, müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital verbessert werden“, sagte Seibold. „Das betrifft nicht nur die steuerliche Behandlung von Wagniskapitalfonds. Auch die belastenden Regelungen zur steuerlichen Behandlung von Verlustvorträgen junger Unternehmen und das Fehlen einer steuerlichen Forschungsförderung für innovative Unternehmen sind ein Standortnachteil.“

gri