Start-up Berlin

6Wunderkinder wollen nicht mehr nur Hoffnungsträger sein

| Lesedauer: 3 Minuten
René Gribnitz

Foto: Reto Klar

Mit einer kostenpflichtigen Profi-Version der beliebten, aber kostenlosen Wunderlist will das Berliner Start-up 6Wunderkinder endlich Geld verdienen

Das Berliner Start-up 6Wunderkinder, Macher der Produktivitäts-App Wunderlist2, hat die zügige Einführung der kostenpflichtigen Profiversion Wunderlist Pro angekündigt. Es ist der Versuch der Wunderkinder, mit ihrem Produkt erstmals Geld zu verdienen. In der Ankündigung heißt es dann auch, die Einführung der Profiversion sei der „wichtigste Schritt seit Gründung des Unternehmens“ – zumal das Geld der Investoren noch bis Jahresende reicht. „Wir kommen unserem Ziel näher, ein nachhaltiges, dauerhaftes und hochprofitables Geschäftsmodell aufzubauen“, schreibt 6Wunderkinder-Gründer Christian Reber in seinem Blog.

Die erst im Dezember grundlegend überarbeitete Wunderlist2 ist eine interaktive Produktivitäts-App, die nach Unternehmensangaben vier Millionen Nutzer hat. Ein Drittel davon aus den USA. Kernstück ist eine persönliche To-Do-Liste, in die der Nutzer Projekte einträgt, die er alleine oder gemeinsam mit anderen erledigen muss: Termine und Aufträge beispielsweise.

Im Aktivitätencenter sieht der Anwender außer dieser Liste Antworten auf Einladungen, die er anderen Nutzern gesendet hat sowie Einladungen zu Projekten, die er von anderen Nutzern erhalten hat. Es gibt auch eine Erinnerungsfunktion, bei der man einstellen kann, wie man auf dem Laufenden gehalten werden will. Wunderlist2 ist kostenfrei – und es soll es auch nach dem Launch von Wunderlist Pro bleiben.

Die Profi-App, die weitere Features für die Zusammenarbeit von Teams beinhalten soll, wird dagegen als Abonnement vermarket. Die Nutzung von Wunderlist Pro soll monatlich 4,99 Dollar oder jährlich 44,99 Dollar kosten. Die App soll zuerst für die iOS-basierten Geräte von Apple erhältlich sein. Android- und Windows-Versionen sollen zügig folgen. Die App ist über alle Gerätetypen hinweg nutzbar.

Konzentration auf einfache Lösungen

„Mit der ersten Version von Wunderlist Pro zielen wir auf Menschen ab, die in kleinen Gruppen, Teams oder kleinen Unternehmen arbeiten. Unser Ziel ist es, ihnen ein essentielles Werkzeug für gemeinsames Arbeiten an verschiedenen Projekten an die Hand zu geben“, so Christian Reber. Details zu Wunderlist Pro gab er nicht bekannt, zog aber Vergleiche zu den „einfachen Lösungen“ von Evernote und Dropbox. „Die Nutzer wollen Dropbox zum Speichern, Evernote für Notizen und Wunderlist, um Ziele zu erreichen.“

Damit spielt Reber auf das Scheitern von Wunderkit an. Die ebenfalls auf Business-Kunden abzielende Projekt-Software wurde im September vergangenen Jahres nach nur sieben Monaten wieder eingestellt. „Wenn wir in den vergangenen zweieinhalb Jahren eines gelernt haben, dann dies: Wir können nur gut sein, wenn wir uns darauf konzentrieren, ein einzelnes Problem perfekt zu lösen.“

Wunderkinder wurde 2010 gegründet. An dem Unternehmen ist Skype-Gründer Niklas Zennström beteiligt. Sein Wagnisfinanzierer Atomico investierte 2011 mehr als 3,3 Millionen Euro in das Unternehmen. Darüber sind der Risikokapitalgeber Earlybird und die Deutsche Telekom über T-Ventures beteiligt. Das Unternehmen beschäftigt 39 Mitarbeiter.