Start-up

Berliner Gründer erfinden das Google für Twitter

Bei Twitter den Überblick zu behalten, ist nicht leicht. Das Start-up tame.it hat eine Twitter-Suchmaschine erfunden und per Crowdfunding im Internet 250.000 Euro Startkapital eingesammelt.

Foto: Tame

Bei Twitter den Überblick zu behalten ist nicht leicht. Mehrere zehntausend Tweets werden bei Großereignissen pro Sekunde verschickt. Das Berliner Start-up tame.it hat jetzt eine Suchmaschine für den Kurznachrichtendienst erfunden, um Twitter zu einer zuverlässigen Nachrichtenquelle zu machen.

Tame.it strukturiert das Twitter-Chaos und macht den Kurznachrichtendienst dank eines intelligenten Algorithmus zu einem handlichen Recherchewerkzeug.

„Wir wollen das Echtzeitnetzwerk durchsuchbar machen, wie Google das mit dem Internet macht“, sagt der Gründer und Geschäftsführer von tame.it, Frederik Fischer. Der gelernte Journalist sieht in einer Suchmaschine in erster Linie ein Werkzeug für seine Berufsgruppe und andere Informationsarbeiter. Das Unternehmen ist eine Ausgründung der Berliner Humboldt-Universität.

Die Top Ten der Kurznachrichten-Suche

Tame.it verfügt über zwei Suchebenen. Zum einen kann das Programm das eigene Twitter-Netzwerk durchsuchen. Es eignet sich aber auch zur Suche im gesamten Twitter-Universum.

Wenn der angemeldete Nutzer die Web-App öffnet, sieht er zunächst die zehn häufigsten Twitter-Themen (Hashtags) aus seinem eigenen Netzwerk sowie die Zahl der Nutzer, die diesen Hashtag verwendet haben.

Extraspalte für die wichtigsten Links

Eine zweite Spalte zeigt die Rangliste der Profile (@nutzername) an, die im eigenen Nachrichtenstrom zitiert werden, und die Zahl dieser Zitate. Eine dritte Spalte gibt einen Überblick über die im eigenen Profil am häufigsten verwendeten Links.

Tame.it wertet den Twitter-Nachrichtenstrom maximal 24 Stunden aus. Mit einem Schieberegler lassen sich aber auch kleinere Zeiträume einstellen.

Suchfunktiuon für das komplette Twitter-Universum

Will ein Nutzer das gesamte Twitter-Netzwerk nach einem Stichwort durchsuchen, so gibt er einen Begriff in die Suchmaske ein – beispielsweise ein Ereignis.

Auch jetzt erscheinen wieder drei Listen: Die erste zeigt eine Rangliste der wichtigsten Themen (Hashtags) zum Suchwort – sortiert nach der Zahl der Twitter-Profile, in denen sie verwendet wurden.

Die zweite Spalte zeigt die zehn wichtigsten Nutzer, die in Kurznachrichten zum eingetragenen Stichwort erwähnt wurden – und die dritte die zehn am häufigsten verwendeten Link zum eingetragenen Suchwort an.

Zahlreiche Mitbewerber bereits auf dem Markt

Tame.it ist nicht das einzige Unternehmen, das sich mit Twitter-Suche beschäftigt: Auch Topsy und Kurrently bieten eine Suchfunktion für den Kurznachrichtendienst an. Allerdings fehlt dort die Möglichkeit, die Suchabfrage zu personalisieren. Pulse und Flipboard aggregieren Nachrichten aus sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und LinkedIn und bereiten sie zu magazinartigen Ansichten auf. Dabei greifen sie vor allem auf Nachrichten zurück, die Links enthalten.

Die Nutzung der Basisversion, die einen Account über längstens 24 Stunden beobachtet, ist kostenfrei. Später sollen kostenpflichtige Premium-Funktionen hinzukommen: Langzeit-Analysen, die für die Markenbeobachtung interessant sein können, die Beobachtung mehrerer Accounts sowie ein Editor, der dem Nutzer passende Hashtags und relevante Nutzer vorschlägt. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die eigenen Tweets gelesen werden. Ferner wird an gewerblichen Accounts (für Medienunternehmen) gearbeitet.

250.000 Euro per Crowdfunding gesammelt

Um ihr Projekt voranzutreiben, sammelten die Gründer über die Crowdfunding-Plattform Companisto 250.000 Euro Kapital ein. Ihre Investoren waren von der Idee des Start-ups so überzeugt, dass dieser Betrag in nur drei Wochen zusammen kam. Beim Start der Aktion hatte das Start-up einen Betrag von nur 25.000 Euro erhofft.

Nicht nur die Crowdfunder, sondern auch die Jury des German Silicon Valley Accelerator erkannte das Potenzial und entschied sich unter mehr als 60 Bewerbungen für tame.it. Der Preis ist ein mindestens dreimonatiger Aufenthalt im Technologie-Mekka Silicon Valley. In dieser Zeit werden die Tame-Gründer ein eigenes Büro beziehen, erfahren Coaching von erfahrenen Internet-Unternehmen in Kalifornien und können eine Strategie für den Markteintritt in den USA erarbeiten.

Twitter als effiziente Nachrichtenquelle

Tame.it ist ein 2012 in Berlin von Frederik Fischer, Arno Dirlam und Torsten Müller gegründetes Startup. Das aus Journalisten und Programmierern zusammengesetzte Team hat es sich zum Ziel gemacht, aus der Informationsflut der sozialen Medien eine zuverlässige und effiziente Quelle zu machen.