Einkaufszettel

Wie das Start-up 6Wunderkinder Geld verdienen will

Wunderlist2 ist der Einkaufszettel aus der Internet-Cloud. Jetzt strebt das Start-up 6Wunderkinder mit einer Profiversion in den Business-Markt, will die Nützlichkeit der App monetarisieren.

Foto: 6wunderkinder

Einkaufslisten auf Zetteln aus Papier sind ziemlich unpraktisch – erst recht dann, wenn mehrere Personen im Haushalt leben oder gar mehrere Hausstände versorgt sein wollen. Für solche Zwecke ist Wunderlist2, die App des Berliner Start-up 6Wunderkinder, ein praktisches Werkzeug, denn das Smartphone hat man stets dabei.

Und auf dem Smartphone ist die App installiert. Man tippt den Kaufzettel in die App und kann von jedem Smartphone, Tablet oder Computer überall darauf zugreifen.

Für knapp vier Millionen Nutzer – 30 Prozent davon in den USA – ist Wunderlist2 bereits zum täglichen Begleiter geworden und hat sich als eine Marke etabliert. Jetzt strebt das Berliner Start-up in den Business-Markt, will die Nützlichkeit der App monetarisieren und wird dazu in den nächsten zwei Monaten ein kostenpflichtiges Professional-Tool ausrollen.

Wunderlist2 ist ein Multiplattform-Produktivitäts-App aus Berlin. Nutzer haben die Möglichkeit, mit dem Programm Aufgaben zu organisieren, die erledigt werden müssen: Man trägt die Projekte ein, ordnet sie einer Liste zu (zum Beispiel: Arbeit) und wenn sie erledigt sind, löscht man sie aus der Liste. Die Aufgaben können in Unteraufgaben gegliedert und mit anderen Nutzern geteilt werden.

Mit Browser-Plug-ins Links speichern

Neue Browser-Erweiterungen erlauben es den Nutzern zudem, Links in Wunderlist2 zu speichern, damit man sie nicht vergisst. Sie können über die Plattform mit anderen Nutzern geteilt werden – Videoclips zum Beispiel. Diese Programme stehen für die Browser Chrome, Firefox und Safari zur Verfügung.

Mit dieser Funktionalität dringen die 6Wunderkinder ins Geschäftsfeld von Linksammel-Maschinen wie Evernote oder Memonic vor. „Wir wollen keine Konkurrenz zu Evernote werden, deren Fokus das digitale Gedächtnis ist“, sagt Wunderlist-Marketingchef Benedikt Lehnert. „Wir sind ein Reader für Aufgaben. Doch es gibt eine größer werdende Schnittmenge.“

„Immer mehr Freiberufler und Studenten organisieren mit Wunderlist2 ihre Arbeit“, sagt Lehnert. Nun gehe es darum, die Funktionalitäten des Programms zu erweitern und die Nützlichkeit zu monetarisieren. Lehnert hat dabei vor allem Kunden im Blick, die an Projekten arbeiten und diese in Gruppen organisieren müssen. Dazu soll es eine professionelle Variante des Programms mit einer unbegrenzten Zahl von Listen geben sowie der Möglichkeit, Teilaufgaben an Gruppen zu delegieren.

Profi-Versionen gibt es nur im Monats-Abo

Die Pro-Version soll in spätestens zwei Monaten auf den Markt kommen und in Monats-Abos verkauft werden. Preise wollte Lehnert nicht nennen. Die in Blogs kursierenden Angaben über Monatsgebühren zwischen drei und zehn Euro dementierte er aber auch nicht. Die Basisversion für Privatkunden solle aber auf jeden Fall kostenfrei bleiben.

Chad Fowler, der neue Chief Technology Officer (CTO) des Start-up, soll das Wunderlist2-Projekt schneller voranbringen. Der langjährige Programmierer war vor seinem Wechsel von Washington DC nach Berlin Vizepräsident der Plattform Living Social und soll nun die Realisierung Bezahlstrategie des Unternehmens beschleunigen.

Schon 39 Wunderkinder beschäftigt

Das Start-up 6Wunderkinder wurde vor zweieinhalb Jahren gegründet und ist inzwischen auf eine Größe von 39 Wunderkindern angewachsen. Atomico, das Wagniskapitalunternehmen von Skype-Gründer Niklas Zennström, gehört zu den Investoren. Er steckte Ende 2011 einen Betrag von 4,2 Millionen Dollar (3,3 Millionen Euro) in das Unternehmen.

Ferner hat das Venture-Capital-Unternehmen Earlybird in 6Wunderkinder investiert und den früheren Anteil des Hightech-Gründerfonds übernommen. Weitere Investoren sind T-Ventures, der Wagniskapitalableger der Deutschen Telekom, und das Beteiligungsunternehmen e42. „Damit sind wir bis Ende 2013 finanziert“, sagte Lehnert.