"Die Narzissen, meine Damen, das ist Iris“, sagt Markus Otto Graf mit seinem unverkennbaren badischen Charme. Dem folgt ein verschmitztes „Jetzt haben Sie mich leer gekauft.“ Ku’damm-nah, an der Giesebrechtstraße, betreibt Markus Otto Graf die florale Boutique „Graf’s Kontor, eine mit einer feinen Glaswaren-Kollektion, hochwertigen Schokoladen, Champagner und noch mehr Edlem in Flaschen.
Vorne ist der Verkaufsraum, ein Blumenmeer in Rosa- und Rottönen, mit der „Sarah Bernhardt“, der Diva unter den Pfingstrosen, deren Saison jetzt beginnt, oder mit Flieder und Ranunkeln wie „Clooney“ oder „Butterfly“. Hinten befindet sich sein Büro, sein Kontor für die Agentur für Kultur- und Hotelprojekte.
Blumen werden an der Giesebrechtstraße Nummer Zehn schon lange verkauft. Mehr als 20 Jahre befand sich hier mit dem „Fiorissimo“ eine sehr geschätzte Adresse in der City-West, die auch das Fünf-Sterne-Hotel „Brandenburger Hof“ belieferte. „Nach meiner Zeit als dortiger Direktor habe ich die Geschichte des Ladens nicht weiter verfolgt“, erinnert sich Graf. Bis er eines Tages dort Blumen für seine Frau kaufen wollte. Es verschlug ihn wieder ins „Fiorissimo“. Er wünschte sich einen schönen Strauß, doch Inhaberin Christiane Scholtz präsentierte ihm sogleich eine Geschäftsidee: „Sie sagte, nein, Markus, was du brauchst ist ein Blumenladen“, so der gelernte Koch und studierte Hotelbetriebswirt, der bis dahin nur in der Hotellerie gearbeitet hat. Gerade ein Jahr zuvor gründete er zudem seine Agentur. Zwei Wochen später, Anfang April 2015, war er denn schon Blumenladen-Betreiber.
Es soll auch ein Kiezladen sein, der Schönes und Edles anbietet
Und eigentlich ist es kein anderes Metier. Beide, sagt er, seien wunderbare Dienstleister mit sehr viel Kundenkontakt in einem ausgesucht schönen Umfeld. Ahnung von Blumen oder Blumenbinden? Eher nicht. „Durch die Arbeit mit Floristen und Interieurdesignern für und in Luxus- und Boutique-Hotels habe ich aber über die Jahre viel gelernt und meine Augen schulen können“, sagt der 56 Jahre alte Charlottenburger.
Die floristische Facharbeit in „Graf’s Kontor“ überlässt er den Profis. Neben seiner Meisterfloristin Aya Miyake arbeiten noch drei weitere Fachkräfte an dem Konzept von großen Sträußen und üppiger Pracht, die jedoch in Farbfamilien zusammengebunden sind. Den Einkauf übernimmt er selbst in ausgewählten Gärtnereien, um die Qualität zu gewährleisten.
Einen Kiezladen nennt er sein Geschäft, traditionell, aber weltoffen. Indem er mehr anbietet als Blumen und Vasen. „Es muss ein Zusammenspiel sein, und Blumen müssen auch in den Raum passen. Sie können sich ihm auch unterwerfen oder herausstechen, aber es muss eine Beziehung geben“, so Graf, für den seine Arbeit und die seiner Floristinnen weit über das Blumenbinden hinausgeht.
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Seine Kunden kaufen aus Leidenschaft
Einen Blumenstrauß zu verschenken, ist, so „Herr Graf“, wie die Kundschaft ihn gerne persönlich anredet, für viele häufig eine Verpflichtung. Selten, so findet er, stecke Leidenschaft dahinter. Nicht so bei seinem Publikum, das kaufe ausschließlich aus Passion. Wie die Franzosen, sagt er, müssen die Blüten in den Sträußen schon voll aufgegangen sein, um dem oder der Beschenkten sofort die Schönheit der Blumen zu zeigen. Welche, die erst noch aufgehen (müssen) und dafür länger halten, kommen für den Mann nicht infrage.
Rund 30 Prozent seiner Sträuße werden per Fahrradkurier geliefert. Weiter entfernt, Potsdam inklusive, bringt der Chef meist auch selbst den Strauß vorbei, um die Kundenkontakte zu pflegen. So klein die Fläche von „Graf’s Kontor“ mit rund 50 Quadratmetern wirkt, so beengt ist sie, wenn zudem das Souterrain für die Lagerung der Ware und Vorbereitungsarbeiten genutzt wird. Daher sind Graf und sein Team um so glücklicher, dass der benachbarte Laden, wo es bislang handgefertigte Designerschuhe des italienischen Labels „Unützer“ gab, frei wurde und sich die Ladenfläche dadurch verdoppelte.
Auch Schokoladen soll es bald geben
Es soll eine Einheit aus Blumenhandwerkskammer und dem neuen „Wohnzimmer“ für Interieur, Keramik- und Glaskunst geschaffen werden. Dort, sagt der Chef, werde es auch eine vergrößerte Auswahl bester Schokoladen geben, seine „kleine Pâtisserie“. Zudem kommt es mit der bekannten Keramikkünstlerin Wiebke Lehmann, die auch für die renommierte Berliner Manufaktur „Hering“ arbeitete, zu einer Kooperation. „Sie wird das Wohnzimmer auch als ihren Showroom nutzen“, zeigt sich Kontor-Gastgeber Mark Otto Graf begeistert.
Ende Juni sollen die Renovierungsarbeiten im neuen Trakt abgeschlossen sein, dann wird mit einem Soft-Opening gestartet. Spätestens Mitte August wird sich die gewachsene Blumen-Interieur-Welt als Einheit präsentieren, so wie sie jetzt schon längst im Kopf des kreativen „Herrn Graf“ existiert.
Graf’s Kontor Giesebrechtstr. 10, Charlottenburg, Mo.–Fr. 9–18 Uhr, Sbd. 10–18 Uhr, Tel. 883 61 63, www.grafs-kontor.de


