Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erweitern in diesem Jahr ihre Leistungen auf 39 Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Linien. In der Regel werden Taktzeiten verkürzt, also mehr Fahrten pro Stunde angeboten. Dies gilt insbesondere für den Berufsverkehr: Auf etlichen Linien wird die dichtere Taktfolge morgens beziehungsweise in den frühen Abend hinein ausgeweitet. Von den beschlossenen Verbesserungen würden täglich 250.000 Fahrgäste profitieren, so die BVG.

Möglich wurde die Erweiterung des Angebots durch einen Beschluss des Abgeordnetenhauses im Dezember 2013. Danach erhält die BVG in diesem Jahr vier Millionen Euro zusätzlich vom Land Berlin, im kommenden Jahr sind es sogar 7,5 Millionen Euro. Das bedeutet: Keine der Neuerungen muss an anderer Stelle durch eine Reduzierung der Fahrleistungen ausgeglichen werden.

Den ersten Teil des Reformpakets setzt die BVG mit Ende der Osterferien am 27. April um. Die nächsten Verbesserungen greifen ab 1. Juni, weitere treten im August, Oktober und Dezember in Kraft. Im April betreffen sie 23 Buslinien sowie die Tramlinien M2 (Heinersdorf–Alexanderplatz) und 62 (Wendenschloß–Mahlsdorf Süd), im Juni die beiden Buslinien zum Flughafen Tegel, TXL (ab Alexanderplatz) und X9 (ab Zoo), sowie die Straßenbahnlinie 61 (Adlershof–Rahnsdorf). Von August an profitieren U-Bahn-Nutzer. Dann werden etwa auf den U-Bahn-Linien U1, U2, U5 und U8 Züge bis in die Abendstunden hinein öfter fahren, auf der U7 wird der Vier-Minuten-Takt länger angeboten.

Starker Anstieg der Nachfrage in Bus und Bahn

Weil die Bevölkerung in Berlin in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sei, habe die BVG auch einen starken Nachfrageanstieg in Bussen und Bahnen festgestellt, sagte Klaus Emmerich, Bereichsleiter Angebotsplanung bei der BVG. Dieses Wachstum sei nicht gleichmäßig, sondern in Regionen oder Ortsteilen unterschiedlich ausgeprägt. „Wir haben uns genau angeschaut, wo wir mit dem zusätzlichen Geld die größten Verbesserungen erreichen können.“ In fast allen Fällen handele es sich um Strecken, auf denen die Nachfrage in den vergangenen Jahren besonders stark gestiegen sei. Diese habe vor allem im Berufsverkehr und den daran angrenzenden Zeiten zugenommen. Allerdings sei in der Rushhour am Morgen und Nachmittag bereits das Maximum der Fahrzeuge im Einsatz.

Um die Verbesserungen umsetzen zu können, hat die BVG 15 gebrauchte Busse in Amsterdam gekauft. Sie sollen im Schienenersatzverkehr eingesetzt werden, damit die bislang dort verkehrenden BVG-Fahrzeuge im normalen Betrieb fahren können. Zudem wurden 50 neue Arbeitsplätze geschaffen, fast ausschließlich für Busfahrer und -fahrerinnen. Alle seien sozialversicherungspflichtig mit Vollzeitstellen im BVG-Konzern angestellt und würden nach demselben Tarifvertrag entlohnt, betonte BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Ganztagsschüler und Einkäufer sorgen für Bedarf

Um aus den Millionen so viel wie möglich herauszuholen und gleichzeitig den „logistischen Kraftakt“ zu bewerkstelligen, musste die BVG harte Prioritäten setzen. Dazu wertete sie Fahrgastzahl-Erhebungen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) sowie eigene Messungen aus, berücksichtigte aber auch Informationen ihrer Mitarbeiter und Hinweise – meist Beschwerden – der Fahrgäste. So sollte gewährleistet werden, dass zusätzliche Angebote dort installiert werden, wo sie, auch je nach Uhrzeit, am nötigsten sind. Das kommt zum einen Berufstätigen zu Gute. Erhebungen seit 2007 haben zum Beispiel gezeigt, dass vor allem zwischen 7.30 und 9.30 Uhr die Nachfrage stark gestiegen ist, ebenso nachmittags und am frühen Abend bis etwa 19 Uhr.

Während das Plus in den späteren Morgenstunden fast ausschließlich auf veränderte Arbeitszeiten zurückzuführen ist, sorgen am Nachmittag auch Ganztagsschüler und am frühen Abend Einkäufer für zusätzlichen Bedarf. Am Sonnabend weitet die BVG ihr Angebot aber ebenfalls aus und reagiert damit auf ein gewandeltes Freizeitverhalten. Die Metro-Tramlinie M2 zum Beispiel verkehrt in Mitte und Pankow in den Nächten von Freitag auf Sonnabend und von Sonnabend auf Sonntag ab 27. April zwischen 0.30 Uhr und 1.30 Uhr alle 15 Minuten und nicht mehr nur alle halbe Stunde. Die Metro-Buslinie M 41 fährt künftig sonnabends bis 20 Uhr im Fünf-Minuten-Takt. Bislang endet dieses Angebot schon um 18 Uhr.

BVG hat jährlich 947 Millionen Fahrgäste

Laut Verkehrsvertrag bekommt die BVG vom Land Berlin 280 Millionen Euro pro Jahr. Mittlerweile zählt die BVG 947 Millionen Fahrgastfahrten pro Jahr. Das ist ein Plus gegenüber 2007 von fünf Prozent. 493 Millionen Fahrten werden in der U-Bahn jährlich registriert, 410 Millionen in Bussen und 175 Millionen in der Straßenbahn. Dass diese drei Zahlen addiert mehr Fahrten ergeben als die Gesamtzahl, liegt daran, dass viele Fahrgäste pro Tour mehrere Verkehrsmittel nutzen.

Allerdings machte Emmerich auch deutlich, dass die Angebote selbst bei vorhandenen Finanzmitteln nicht immer allein nach dem Fahrgastaufkommen ausgeweitet werden können. In einigen Straßen etwa kann die BVG keine Gelenkbusse einsetzen, weil die Wege dafür zu schmal sind. Auch die Stellkapazitäten an den Endhaltestellen begrenzen manche Möglichkeiten. Vor allem sorgen Staustellen dafür, dass manche Verbesserungen nicht eingeführt werden können, obwohl sie notwendig wären. Klaus Emmerich nannte hier als Beispiel die Metrobuslinie M 41(Sonnenallee–Hallesches Tor). Es wäre sinnlos, so der Experte, nachmittags weitere Busse auf die Straße zu schicken, sie würden nur im Stau steckenbleiben. Die BVG fährt aber auf der Linie künftig von Montag bis Freitag morgens von 7 Uhr bis 9.30 Uhr im Fünf- statt im Zehn-Minutentakt.

Ein weiteres Beispiel ist der Busknoten am Rathaus Spandau. Dort gibt es 200 An- und Abfahrten von Bussen in einer Stunde,. Das heißt: Alle 18 Sekunden kommt ein Bus oder fährt ab. Mehr lässt der Platz dort nicht zu.