Nachhaltigkeit

BVG nimmt neue umweltfreundliche Solar-Fähren in Betrieb

Jungfernfahrt: Die BVG nimmt vier neue Fähren auf den Gewässern Berlins in Betrieb. Statt mit lauten Dieselmotoren erhalten sie Energie durch Solarzellen und versprechen CO2-freien Personentransport.

Foto: Reto Klar

Statt mit dröhnendem Dieselmotor und von Rußwolken begleitet gleiten die neuen Berliner BVG-Fähren leise und ruhig über das Wasser. Auch Kapitän Bernd Stoewhase ist von der neuen emissionsfreien Technologie begeistert: „Die Schiffer hinter uns können durchatmen, wir haben Frischluft.“ Am Montag stellten BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta und Staatssekretär Christian Gaebler die neuen Solar-Fähren vor.

Es seien die ersten, die deutschlandweit im öffentlichen Nahverkehr im Einsatz seien. „Berlin ist sogar weltweiter Vorreiter für den CO2-freien Personentransport auf dem Wasser“, so die Berliner Verkehrsbetriebe. Angetrieben werden die Schiffe von Elektromotoren. Solarzellen auf dem Dach versorgen sie mit Energie. Bei ausreichend Sonne fahren die Schiffe allein mit Solarenergie. Auch bei trübem Wetter speisen die Solarzellen tagsüber die Batterien. Bei schlechtem Wetter sichern Batterien, die über Nacht zusätzlich per „Landstrom“ aufgeladen werden, die Einsatzbereitschaft.

Gebaut wurden die vier neuen Schiffe in Stralsund. Die Weiße Flotte Stralsund, ein Unternehmen der Förde Reederei Seetouristik (FRS), hatte sich mit dem umweltfreundlichen Konzept um den Betrieb der Fähren im Auftrag der BVG bei der Senatsverwaltung beworben und wegen der umweltfreundlichen, innovativen Technik den Zuschlag erhalten. Jan Kruse, Geschäftsführer der Reederei, hat die Schiffe bei der Stralsunder Werft Formstaal bauen lassen. Rund drei Millionen Euro hat die Reederei laut seiner Auskunft für die Entwicklung und den Bau der vier Solar-Schiffe investiert.

Umweltfreundlichkeit für Berlin

Bislang wurden die Fähren laut Staatssekretär Gaebler von der Stern und Kreisschiffahrt GmbH betrieben. Doch jetzt habe sich das bessere, weil umweltfreundlichere, Konzept durchgesetzt. „Zwischen Wannsee und Kladow verkehrt noch eine Dieselvariante, aber mit einem modernen Motor und immerhin einer Schadstoffreduktion“, sagte Gaebler. Die Barrierefreiheit der neuen Fähren habe auch das Berliner Abgeordnetenhaus als Auftrag erteilt. Weil die Ruderfähre in Rahnsdorf nicht barrierefrei sei, müsse dafür deshalb auch eine private Lösung gefunden werden. „Das können wir nicht zum ÖPNV-Tarif zusätzlich anbieten“, sagte Gaebler. Der Betrieb der Fähren, die Bestandteil des Nahverkehrsangebots seien, koste ohnehin jetzt mehr Geld als vorher.

Zwei der vier neuen Fähren verkehren bereits seit Jahresanfang, da sie das ganze Jahr über fahren. Es handelt sich um die Linien F 11 (Oberschöneweide/Wilhelmstrand–Baumschulenstraße) und F 12 (Wendenschloss, Müggelbergallee–Grünau, Wassersportallee). Die letzten beiden neuen Solarfähren legen zum ersten Mal mit Passagieren regulär zum Saisonstart am Sonnabend, 5. April, ab. Die F 21 (Krampenburg–Schmöckwitz, Zum Seeblick) fährt dann im 30-Minuten-Takt bis zum 2. November. Und die Linie 23 (Rahnsdorf, Müggelwerderweg–Rahnsdorf, Kruggasse) im Stundentakt.

Die Schiffe sind alle barrierefrei. Der Kapitän kann die breite Rampe zum Ein- und Ausstieg per Knopfdruck elektrisch herunterlassen. Auch das ist neu. Üblicherweise muss ein Steg per Hand aufgelegt werden. Neu auch ist der seitlich im Schiff eingebaute Elektromagnet, der das Anlegen an der ebenfalls mit einem Magneten ausgestatteten Brücke an Land erleichtert.

Allerdings sind noch nicht alle Wege zu den Fähren auch für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen stufenlos erreichbar. Bei der Linie 21 hat der Bezirk Treptow-Köpenick schon zusammen mit den Berliner Forsten nach Lösungen gesucht, um eine steile Hanglage auf der Müggelheimer Seite barrierefrei zu gestalten. „Wir planen einen serpentinenartigen Weg anzulegen. Für Rollstuhlfahrer soll er so wenig wie möglich Gefälle haben“, sagte Rainer Hölmer, Stadtrat für Bauen, Stadtentwicklung und Umwelt (SPD) im Bezirksamt Treptow-Köpenick.

Programm „barrierefreie Stadt“

Da es sich jedoch um eine Investition handele, die nächsten seien erst für 2016 wieder möglich, versuche er Fördergelder zu akquirieren, sagte Hölmer weiter. Am Bundesprogramm „barrierefreie Stadt“ beteilige sich Berlin nicht. „Deshalb werden wir jetzt versuchen, mit Staatssekretär Gaebler Geld über andere Programme zu erhalten oder eben doch über das Programm „barrierefreie Stadt“. Macht ja nichts, wenn wir mit unseren zwei Bauvorhaben die einzigen Teilnehmer in berlin wären“, sagte Hölmer am Montag. Beim Tiefbauamt seien die Wege jedenfalls in der Planung.

Ob sie in diesem Jahr noch umgesetzt werden können, weiß wegen der noch fehlenden Finanzierung auch Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) nicht. „Wir werden das Problem aber so schnell wie möglich beheben“, versicherte Igel, als er am Montag bei der Taufe der zwei neuen Solar-Fähren an der Anlegestelle vor der O2 World und der anschließenden Probetour der Solar-Fähren teilnahm. Treptow-Köpenick wolle eine ganze Reihe von Anlegestellen im Südosten auch für Wasserwanderer neu gestalten und habe deshalb sowieso Fördermittel beantragt.

Seit Montag sind die neuen Schiffe getauft. Sie heißen „Fähr Bär“ und sind durchnummeriert. Taufpatin war Gabriele Senftleben. Als BVG-Fan und Mitglied im „Netzwerk behinderter Frauen Berlin“ engagiert sich die Rollstuhlfahrerin für Barrierefreiheit. Im Innern der Fähre hat sie gut Platz. Zwei Rollstühle und bis zu zehn Fahrräder passen auf jedes der Schiffe. Bis zu 50 Fahrgäste können transportiert werden.

Wie ihre ganzjährig verkehrenden Schwesterschiffe der Linien F11 und F12 heißen auch die Schiffe der Linien F21 und F23 jetzt offiziell „Fähr Bär“. Fahren werden die vier neuen BVG-Fähren im Südosten Berlins. Die „Stern und Kreisschiffahrt „betreibt weiterhin die Fähre zwischen Wannsee und Kladow. Von den fünf Fähren, die mit einem BVG-Ticket genutzt werden können, laufen zwei im Saisonbetrieb. Auf der Wannseelinie F 10 hat die Reederei Stern und Kreis seit Januar ebenfalls ein neues Schiff im Einsatz. Laut BVG erfüllt der moderne Dieselantrieb alle aktuellen und derzeit absehbaren Umweltstandards.

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