Nahverkehr

BVG kauft 156 neue Busse im „Schweden-Design“

Die Berliner Verkehrsbetriebe haben beim schwedischen Fahrzeugbauer Scania 156 Gelenkbusse bestellt. Diese werden ab 2014 geliefert und kosten 50 Millionen Euro. Interessant sind vor allem die Kameras.

Auf Berlins Straßen wird künftig mehr skandinavisches Design zu sehen sein. Wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bestätigten, hat der schwedische Hersteller Scania einen Großauftrag für die Lieferung der nächsten Generation moderner Stadtbusse von ihnen erhalten. Er sieht vor, dass Scania von 2014 bis 2017 bis zu 156 Niederflur-Gelenkbusse vom Typ Citywide nach Berlin liefert. Ursprünglich wollte die BVG nur 140 neue „Schlenkis“ bestellen. Angesichts stetig steigender Fahrgastzahlen auf den Metro-Linien sowie eines guten Ausschreibungsergebnisses wurde die Zahl nun noch einmal aufgestockt.

Der Auftrag hat laut BVG ein Gesamtvolumen von 50,7 Millionen Euro, die das Unternehmen aus eigenen Mitteln aufbringen will. Die Kosten für die derzeitige Auslieferung neuer Flexity-Straßenbahnen hatte noch der Senat übernommen, damit die Bilanz des mit mehr als 800 Millionen Euro hoch verschuldeten landeseigenen Unternehmens nicht zusätzlich belastet wird.

Die Scania AB mit Sitz in Södertälje ist ein börsennotierter Hersteller von Nutzfahrzeugen, Bussen, Schiffs- und Industriemotoren. Hauptaktionär ist inzwischen der Volkswagen-Konzern. Bekannt sind von Scania vor allem die im Schwerlastverkehr eingesetzten Lkw. Als Buslieferant ist Scania – zumindest in Deutschland – bislang kaum präsent.

BVG entscheidet sich für Scandia-Busse

Entsprechend positiv fielen die Reaktionen auf den prestigeträchtigen Großauftrag der BVG aus. Das schwedische Traditionsunternehmen setzte sich bei der Ausschreibung dem Vernehmen nach unter anderem gegen den Daimler-Konzern (Mercedes Benz) und den polnischen Hersteller Solaris durch, die in den Jahren 2003 bis 2005 den Großteil der aktuell bei der BVG im Einsatz befindlichen Gelenkbusse geliefert hatten. „Unsere Niederflur-Gelenkbusse überzeugen durch ihr Gesamtkonzept, bei dem die planbaren Wartungskosten und die gute Kraftstoffwirtschaftlichkeit im Mittelpunkt stehen“, sagte Frank Koschatzky, Verkaufsdirektor von Scania Deutschland. Das Traditionsunternehmen beschäftigt weltweit rund 38.600 Mitarbeiter. Die neuen Busse für die BVG will Scania im nordpolnischen Słupsk (Stolp) montieren lassen, einige Komponenten werden aus Schweden zugeliefert.

Bei der von Scania gewonnenen EU-weiten Ausschreibung hatte die BVG erstmals auf detaillierte, vorab festgelegte Baudetails verzichtet und stattdessen stärker auf funktionale Zielvorgaben gesetzt. So wurde zum Beispiel nicht mehr ein Tank mit einem konkreter Größe in die Bestellung geschrieben, sondern eine verlässliche Tages-Reichweite gefordert. Mit den Skandinaviern sind zudem die Wartungskosten und verbindliche Wartungspläne für die Dauer von zwölf Jahren fest vereinbart. Das soll, so hofft die BVG, mittelfristig Kosten sparen.

Bessere Kameraüberwachung in neuen Bussen

Die 18 Meter langen Gelenkbusse, von Berlinern gern auch als „Schlenkis“ bezeichnet, gelten wegen ihrer hohen Platzkapazität als die „Lastesel“ der BVG-Bussparte. Anders als die Doppeldecker, deren Einsatzradius durch die jeweiligen Durchfahrtshöhen der Brücken eingeschränkt wird, können sie fast im gesamten Stadtgebiet ungehindert fahren. So setzt die BVG auch auf den stark frequentierten TXL-Linien zum Flughafen Tegel vornehmlich Gelenkbusse ein.

Die neuen, voll klimatisierten Scania-Gelenkbusse, von denen die ersten Fahrzeuge im Sommer 2014 an die BVG ausgeliefert werden sollen, werden mit 45 Sitzplätze (plus sechs Klappsitze) etwas weniger als einige ihrer Vorgänger verfügen. „Dafür bieten sie zwei Multifunktionsabteile, wodurch sich der Komfort für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste erhöht“, sagte BVG-Sprecherin Reetz. Im gesamten Fahrzeuginneren soll es zudem kaum noch störende Podeste geben. Aus diesem Grund wird es beim Scania Citywide auch nur noch eine Klapprampe statt der bislang zwei Rampen geben, die Rollstuhlfahrern oder Eltern mit Kinderwagen den Einstieg in den Bus erleichtern.

In Sachen Sicherheit setzt die BVG auf eine moderne Innenraumüberwachung. Die eingebauten Videokameras übertragen im Alarmfall in Echtzeit Bilder in die BVG-Sicherheitszentrale und ermöglichen so ein schnelleres Eingreifen. Bei den Vorgängermodellen wurden die Kamerabilder meist nur aufgezeichnet und konnten bei Zwischenfällen nur nachträglich ausgewertet werden. Eingebaut ist auch die Kneeling-Funktion, die Busse an Haltestellen automatisch „in die Knie“ gehen lässt und damit Rollstuhlfahrern und Eltern mit Kinderwagen das Einsteigen erleichtert.

BVG setzt in Zukunft auf kleinere Doppeldecker-Busse

Auch bei den „Großen Gelben“ könnte es bald eine größere Typenvielfalt geben. Um Kosten bei der Anschaffung und der Wartung zu sparen, will die BVG künftig wieder kleinere und leichtere Doppeldecker bestellen. Die neuen Fahrzeuge würden wie in früheren Zeiten nur noch zwei statt drei Achsen und möglicherweise nur noch eine Treppe zum Oberdeck haben. Sie böten damit allerdings auch weniger Platz als die aktuell in Berliner eingesetzten MAN-Doppelstockbusse. Derzeit läuft bei der BVG eine Markterkundung. Frühestens 2014 sollen Prototypen in Berlin einem Praxistest unterzogen werden.

Der Berliner Fahrgastverband befürchtet indes, dass kürzere Doppeldecker angesichts weiter steigender Kundenzahlen nicht ausreichend Kapazitäten bieten werden. Zudem könnten sich die Stoppzeiten an den Bus-Haltestellen noch weiter verlängern, weil sich in einem Bus mit nur einer Treppe zum Oberdeck die ein- und aussteigenden Fahrgäste gegenseitig behindern. Die Folge wäre, dass sich die ohnehin geringe Durchschnittsgeschwindigkeit auf vielen Buslinien noch weiter verringert.

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