Bunte Vierecke flimmern auf digitalen Karten, permanent klingelt das Telefon. In der Transportleitung der Berliner S-Bahn herrscht reger Betrieb. Am Dienstagvormittag ist zu konstatieren: Lediglich die S46 ist in Verzug. Für die wegen Verspätungen oft kritisierte S-Bahn ein guter Start in den Tag.
Seit Dezember 2011 laufen in Schöneweide sämtliche Informationen über Zugverbindungen, Ausfälle und Verspätungen ein. Jetzt will das Unternehmen diese Daten mit seinen Fahrgästen teilen – in seiner neuen S-Bahn-Info-App. „Alle Daten, die von der Betriebszentrale, der Transportleitung und der Kundenbetreuung zur Verfügung gestellt werden, finden sich unter einem Dach wieder“, sagte Annekatrin Westphal, Leiterin Fahrgastmarketing, bei der Präsentation am Dienstag.
Als besonderes Merkmal führt die S-Bahn den Live-Modus an: Gibt es Störungen im Betriebsablauf, werden diese direkt nach der Erfassung in der Transportleitung in der App angezeigt – in Form einer gelben Box.
Ein Jahr dauerte die Entwicklung der kostenlosen App, die ganz im Zeichen der „mobilen Informationsoffensive“ steht. Anfang des Jahres antwortete S-Bahn-Chef Peter Buchner im Morgenpost-Interview auf die Frage, wie den Fahrgästen bei Verspätungen begegnet werden wolle, dass man die Kundeninformation verbessern könnte. Gesagt, getan? „Wir hoffen, dass unsere App mehr zu bieten hat als die der Berliner Verkehrsbetriebe und des Verkehrsbund Berlin-Brandenburg“, sagte Westphal.
Klarer Nachteil: Kein Ticketverkauf
Bei den Echtzeitdaten hat die S-Bahn im Vergleich zur BVG vorgelegt. Dort sollen sie in Kürze aber ebenfalls zur Verfügung stehen. Der VBB hingegen speist die Live-Daten der S-Bahn bereits in seine App ein. Die S-Bahn-App liefert darüber hinaus alle geplanten Baumaßnahmen sowie Hintergrundinformationen zu den Gründen der Störung. Eine psychologisch möglicherweise sinnvolle Methode, um verärgerte Kunden zu beschwichtigen.
Dazu kommen sinnvolle Informationen zu den Bahnhöfen: Fahrradstellplätze und Park-and-Ride-Möglichkeiten, außerdem eine Übersicht der gestörten Aufzüge und Fahrtreppen. Besonders stolz ist man auf die WC-Suche: Diese sei wohl einzigartig. Westphal: „Es gibt an den S-Bahnhöfen mehr WCs als man denkt. Man muss nur wissen, wo sie zu finden sind.“
In den Kernfunktionen unterscheidet sich die App unwesentlich von denen der Konkurrenz, allen voran der VBB-App. Zu den bekannten Optionen wie Routenplanung, Liniennetz, Fußwegsuche und Standortbestimmung versucht die S-Bahn zusätzlich mit Extras wie Tipps für Events und Ausflüge zu punkten. Ein klarer Nachteil gegenüber BVG und VBB ist der fehlende Ticketverkauf. Die S-Bahn habe sich entschieden, darauf zu verzichten, weil ohnehin die meisten Kunden eine Zeitkarte hätten, sagte ein Sprecher. Die Rubrik „Tickets“ gibt es trotzdem: Dort sind alle Verkaufsstellen aufgelistet sowie eine Beschreibung, wie man die Ticketautomaten auf den Bahnhöfen am besten finden kann. Und eine Grafik, die sämtliche Funktionen des Automaten erläutert.





