Die Idee scheint einfach und sinnvoll zu sein: Kameras, die die Berliner S-Bahn für die Zugabfertigung montiert, könnten auch zur Kriminalitätsbekämpfung genutzt werden und so das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste verbessern. Die Aufnahmen sollen für 48 Stunden gespeichert werden, die Polizei könnte sie nach Gewalttaten auf Bahnsteigen bei der Suche nach Tätern auswerten. Solch ein kombiniertes System nutzen die landeseigenen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) seit vielen Jahren – nach eigenen Aussagen mit wachsendem Erfolg.

Bei der S-Bahn Berlin, die zum bundeseigenen Bahnkonzern gehört, scheitert die Einführung der neuen Sicherheitstechnik bislang am Widerstand des Betriebsrats. Die Gewerkschafter befürchten eine Überlastung der Lokführer, vor allem aber einen Personalabbau. Denn die Kameras an den Bahnsteigen gehören zu einem neuen Zugabfertigungssystem – dem ZAT-FM (Zugabfertigung durch den Triebfahrzeugführer über Fahrzeugmonitor).

Bislang erfolgt bei rund der Hälfte der 166 S-Bahn-Stationen die Zugabfertigung noch durch einen Eisenbahner auf dem Bahnsteig. Per Signaltaste und Sprechfunkgerät übermittelt er dem Zugführer, ob alle Türen geschlossen sind und eine gefahrlose Abfahrt möglich ist. Diese Aufgabe soll nun moderne Technik übernehmen.

Betriebsrat fordert Sozialplan für Aufsichtspersonal

Die Kameras werden so montiert, dass der Lokführer auf einem Monitor den gesamten Bahnsteig gut überblicken und damit selber entscheiden kann, ob er gefahrlos weiterfahren kann oder nicht. Nachdem die S-Bahn ZAT-FM an fünf Test-Bahnhöfen monatelang erprobte, wurde das System im Sommer durch das Eisenbahn-Bundesbahn (EBA) zugelassen. An bis zu 80 weiteren Bahnhöfen sollten nun Kameras montiert werden.

Weil es bislang jedoch keine Einigung mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan für das dann nicht mehr benötigte Aufsichtspersonal gibt, hat die S-Bahn die Einführung von ZAT-FM auf den Herbst nächsten Jahres verschoben.

Ein Zugabfertigungsverfahren, für das keine Aufsichten nötig ist, wird von der S-Bahn Hamburg bereits seit 2005 erfolgreich praktiziert. 63 der insgesamt 68 S-Bahn-Stationen sind mit der entsprechenden Technik ausgerüstet. Lediglich im Hamburger Hauptbahnhof gibt es noch eine ständig besetzte Aufsicht. Die Videoaufnahmen werden sogar 72 Stunden lang gespeichert.

Bei Fahrgast-Sicherheit setzt Berliner S-Bahn auf mehr Personal

„Beschwerden darüber von unseren Triebfahrzeugführern gibt es nicht“, sagte Jan Schröder, Eisenbahnbetriebsleiter der S-Bahn Hamburg. Im Gegenteil: Obwohl sie die Bilder auf gleich drei kleinen Monitoren übereinander vor der Abfahrt kontrollieren müssten, würden viele Kollegen diese als echte Hilfe im Alltag ansehen. „Gerade wenn es zu Zwischenfällen kommt, können die Bildaufzeichnungen rasch Aufklärung bringen – sind doch die Wahrnehmungen des Lokführers und der Fahrgäste manchmal sehr unterschiedlich“, erklärte Schröder.

Zur Verbesserung der Fahrgast-Sicherheit setzt die Berliner S-Bahn nun auf mehr Personal. Speziell auf den Stadtbahn-Bahnhöfen würden 20 bis 30 zusätzliche Kräfte der Bahn-Tochter DB Sicherheit eingesetzt, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner. Ein Test, „zunächst begrenzt auf die dunkle Jahreszeit“. Buchner hofft, dass es wegen der Überwachungskameras rasch zu einer Einigung mit dem Betriebsrat kommt.