Eis und Schnee

So rüstet sich die Deutsche Bahn für den Winter

Mit moderner Technik will der Konzern ein weiteres Schneechaos verhindern. Auch die Berliner S-Bahn soll zuverlässiger fahren. Trotzdem wird die Pünktlichkeit wohl unter dem Wetter leiden.

Den letzten Winter hat Jens Homeyer eigentlich in guter Erinnerung. Der war zwar kalt und lang, aber nicht ganz so schnee- und eisreich wie die Winter in den Jahren zuvor. Gerade einmal drei ICE-Züge musste Homeyer in dem von ihm geleiteten Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn auftauen lassen. Ein Grund dafür, dass zumindest in Berlin der Fernverkehr einigermaßen stabil und ohne größere Ausfälle lief.

Anderswo sah dies längst nicht so gut aus. Zeitweise jeder vierte Zug ist nach Bahn-Statistiken im vergangenen Winter unpünktlich gefahren. Viele Reisende klagten zudem über oft unzureichende Informationen und Hilfeleistungen der Bahn in solchen Extremsituationen. Im bevorstehenden Winter will die Bahn nicht alles anders, aber vieles besser machen als in den Jahren zuvor.

„Eine Pünktlichkeit von 85 Prozent“, diese Zielvorgabe gab am Dienstag der Bevollmächtigte des Bahnkonzerns für Berlin, Ingulf Leuschel, für den Fernverkehr aus. Doch auch die Züge im Regional- und S-Bahn-Verkehr sollen zuverlässiger als in den Vorjahren im Winter fahren. „Die 85 Prozent werden wir nicht immer erreichen können. Die jüngsten Herbststürme haben gerade gezeigt, welche Macht die Natur hat“, sagte Leuschel einschränkend. Das Orkantief Christian hatte Ende Oktober den Bahnverkehr vor allem in Norddeutschland durch umgestürzte Bäume und abgerissene Stromleitungen über Tage hinweg lahmgelegt.

Erneuter „Notfahrplan“ soll dieses Mal vermieden werden

Insgesamt sieht sich die Deutsche Bahn gut auf Eis und Schnee vorbereitet. Mit Hilfe einer besseren Personaleinsatzplanung und moderner Technik will sie chaotische Zustände wie etwa zum Jahresbeginn 2011 verhindern, als wegen zahlreicher technischer Probleme die Berliner S-Bahn nur noch nach einem „Notfahrplan“ fuhr. So stehen allein in Berlin 680 Mitarbeiter – größtenteils von privaten Dienstleistern – bereit, die das Schienennetz bei Bedarf von Eis und Schnee freihalten sollen.

Laut Leuschel hat die Bahn Konsequenzen aus den Wintern 2010 und 2011 gezogen, als zwar fast ebenso viele Räumkräfte verpflichtet worden waren, diese jedoch beim ersten Schneefall oft nicht am Einsatzort erschienen, weil sie von den Räumfirmen gleich mehrfach verplant waren. Man habe sich von „einigen schwarzen Schafen“ getrennt, so ein Bahn-Sprecher. Neben den Mitarbeitern stehen zudem vier Pflüge, zwei Schleudern und zwei Mehrzweck-Fahrzeuge mit Fräsen und Besen bereit, um die Gleise bei Bedarf schneefrei zu halten.

ICE-Werk Rummelsburg kann nun kompletten Zug enteisen

Wichtigste technische Neuerung im ICE-Werk Rummelsburg ist die Außenreinigungsanlage für Züge, die so vergrößert wurde, dass dort ein kompletter ICE-2-Zug mit einem feinen Nebel aus warmen Wasser enteist werden kann. Die Kapazität reiche nun aus, um innerhalb von 24 Stunden sechs ICE von Eis und Schnee zu befreien, so Leuschel. Dadurch verringere sich die Zeit, die die Züge zur Wartung und für Reparaturen ungenutzt in der Werkstatt verbringen. Ein vorbeugender Einsatz des Frostschutzmittels Glykol, wie es erstmals von der Bahn in Frankfurt am Main getestet wird, ist für Berlin aber nicht vorgesehen. „Berlin liegt im Wasserschutzgebiet, da können wir nicht einfach so Glykol einsetzen“, sagte der ICE-Werkleiter Jens Homeyer.

Investiert hat das bundeseigene Unternehmen auch in die Umrüstung der winteranfälligen Weichen. Insgesamt 5600 Weichen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern seien inzwischen mit Heizungen versehen, die Funktionsstörungen verhindern sollen. Zudem haben in der Region 792 Weichen – insbesondere an den ICE-Strecken nach Hannover und Hamburg – Verschlussfachabdeckungen erhalten. Gerade dort besteht die Gefahr, dass durch die schnell fahrenden Züge Eisbrocken aufgewirbelt werden, die die sensible Mechanik der Weichen beschädigen könnten.

Die S-Bahn beheizt inzwischen ihre Gleise

Bei der Berliner S-Bahn, die auf eigenen Gleisen fährt, werden inzwischen 900 der insgesamt 1000 Weichen beheizt. Etwa 100 und damit doppelt so viele wie im Vorjahr hätten zudem eine Verschlussfachabdeckung erhalten. Auch die Fahrzeuge, die in den vergangenen Jahren bei Eis und Schnee immer wieder den Dienst versagten, sollen besser präpariert sein.

Als besonderes Sorgenkind gilt die noch für die DDR-Reichbahn entwickelte Baureihe 485. Die Züge, fielen im vergangenen Winter reihenweise vor allem wegen Türstörungen aus. Die S-Bahn erhofft sich von einer Modifizierung der Türlaufleisten, dass sich solche Ausfälle nicht mehr so oft wiederholen.

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