Berlin ist eine Hochburg der Ratten. Schätzungen von Experten zufolge leben hier bis zu sieben Millionen dieser Nagetiere. Meist hausen sie in der Kanalisation, aber zunehmend auch auf den Straßen und in Wohnhäusern. Doch das ist längst nicht alles. Forscher der Freien Universität (FU) haben unlängst herausgefunden, dass die Nager gefährliche Bakterien in sich tragen. Diese multiresistenten Darmkeime könnten sie auf Menschen übertragen.
Multiresistente Keime seien bei den Ratten etwa so stark vertreten wie bei Patienten in Krankenhäusern, warnen die Forscher. Fast jedes sechste Tier in der Hauptstadt sei betroffen, berichten die Veterinärmediziner der FU. Bislang ist eine Übertragung der Keime vom Tier auf den Menschen aber noch nicht nachgewiesen worden.
Gefährliche Keime besonders bei Kanalratten gefunden
Die gefährlichen Darmkeime sind vor allem bei Ratten aus der Kanalisation gefunden worden. Für die Forscher ist das ein Hinweis darauf, dass die Keime durch menschliche Fäkalien, etwa aus Kliniken, in die Tiere gelangt sind. Die Wissenschaftler befürchten nun, dass die Tiere die Keime über das Abwassersystem wieder in die Nähe der Menschen bringen können. Auch der Kontakt mit Rattenkot und -urin auf Spielplätzen oder Liegewiesen könnte Menschen gefährden, heißt es.
In Berlin ist vor allem die Wanderratte, Rattus norwegicus, unterwegs. Die hat einen großen Aktionsradius und entfernt sich schon mal mehrere Kilometer von ihrem Bau, um Futter zu suchen. Diese Eigenschaft erschwert die Arbeit der Kammerjäger erheblich. Treten Ratten irgendwo auf, müssen sie dort nicht zwingend zu Hause sein. Oft ist eine längere Suche nötig, um den jeweiligen Bau auszumachen.
Wohlstandsgesellschaft bedingt Ratten-Verbreitung
Die zunehmende Verbreitung der Ratten hat mit unserer Wohlstandsgesellschaft zu tun. Überall liegen Essensreste herum. Quelle des Übels ist in vielen Fällen ein im Garten angelegter Komposthaufen. Dort werden meist auch Essensreste entsorgt. Außerdem kippten viele Menschen eben diese Reste unbedacht ins Klo und füttern die Ratten auf diese Weise durch.
Sicherungsmängel wie undichte Fenster und Türen bieten zudem Einstiegsmöglichkeiten in Keller und Hausflure. Gerümpelecken tun ein Übriges. Auch das Füttern von Vögeln oder Tauben zieht die Nager an.
Eigenheimbesitzer dürfen kein Rattengift auslegen
Ratten sind meldepflichtig. Nach den Bestimmungen der Schädlingsbekämpfungsverordnung von 1997 müssen Haus- und Grundstücksbesitzer Fachleute einschalten und die Kosten für die Bekämpfung tragen.
Für Eigenheimbesitzer oder kleinere Hausverwaltungen nicht selten ein Grund, die Sache lieber selbst in die Hand zu nehmen. Dabei dürfen nach der Tierschutzverordnung nur professionelle Schädlingsbekämpfer Fallen aufstellen. Auch wer selbst Gift auslegt, verstößt gegen das Gesetz.





