In einer Woche beginnt das Wintersemester. Die Berliner Universitäten sind gefragt wie nie zuvor. Das ist die gute Nachricht. Finanziell liegt aber vieles im Argen. Die Hochschulverträge sorgen zwar für eine Grundfinanzierung, für dringend notwendige Sanierungsarbeiten ist aber nicht genug Geld da. Auch ist unklar, wie Forschungsprojekte, die im Rahmen der Exzellenzinitiative begonnen worden sind, langfristig weiter finanziert werden sollen. Regina Köhler sprach darüber mit dem Präsidenten der Freien Universität, Peter André Alt.

Berliner Morgenpost: Herr Alt, wie geht es Ihnen so kurz vor dem Start ins neue akademische Jahr?

Peter André Alt: Es ist immer sehr aufregend, wenn es wieder los geht. Und auch großer Stress. Die „Baustellen“ werden immer größer. Wir sind daran gewöhnt, unsere Leistungen ständig zu steigern. Die Berliner Universitäten haben in den vergangenen Jahren Großes geleistet. Jetzt kommen wir allerdings an die Grenze der Belastbarkeit. Ich denke dabei vor allem an die Auslastung, aber auch an den gewaltigen Sanierungsstau.

Die Freie Universität ist sehr gefragt. Sie haben auch in diesem Jahr wieder deutlich mehr Bewerber als Studienplätze. Ist das noch zu managen?

Die Organisation des Studienbeginns wird von Jahr zu Jahr komplizierter. Wir sind gerade dabei, auf Vorgabe der Senatsverwaltung ein neues Bewerbungsverfahren zu testen. Es handelt sich dabei um ein bundesweites Vergabeportal für Studienplätze, das die Angebote aller deutschen Universitäten enthalten soll. Dieses Verfahren ist gerade in der Erprobungsphase und funktioniert noch längst nicht richtig, weil es noch nicht in ausreichendem Maß auf die universitären Gegebenheiten und das Wahlverhalten der Studierenden abgestimmt ist. Problematisch ist auch, dass sich immer mehr junge Menschen für sehr viele verschiedene Fächer bewerben, weil sie nicht wirklich wissen, was sie machen sollen. Das bedeutet, dass wir sehr viele Bewerbungen bearbeiten müssen. Dieser Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ergebnis, da ein Teil der Bewerber sich am Ende dann doch anders entscheidet. Wir müssen die Plätze zu 60 Prozent überbuchen, um eine 100-prozentige Auslastung zu erreichen. Die brauchen wir aber, weil uns sonst die Landeszuschüsse gekürzt werden. Wir müssen deshalb die jungen Menschen besser informieren, damit sie sich gezielter bewerben können.

Der Senat muss sparen. Für das große Chemiegebäude der FU ist kein Geld da. Auch die Finanzierung des geplanten Gründerzentrums ist nicht geklärt. Wie ist Ihr Verhältnis zum Finanzsenator?

Ulrich Nußbaum ist der einzige Senator, den ich nicht persönlich kenne. Wir sollten ihn einladen und ihm zeigen, was die Freie Universität täglich leistet. Das Chemiegebäude ist in der Tat eines unserer großen Probleme. Wir wissen seit 20 Jahren, dass es astbestbelastet ist. Das ist für die dort Arbeitenden zwar nicht gefährlich, bedeutet aber, dass für die kleinsten Reparaturen ein enorm großer und kostspieliger Sicherheitsaufwand betrieben werden muss, damit kein Asbest in die Umwelt gelangt. Nach langem Aufschub sollte das Gebäude endlich vollständig saniert werden. Umso enttäuschter waren wir, als wir Ende Juni erfuhren, dass diese Maßnahme dann doch nicht in die Investitionsplanung des Landes aufgenommen wird. Das ist fatal, zumal unsere Chemiker die meisten Drittmittel einwerben und unsere Lebenswissenschaften in einem gerade erst veröffentlichten renommierten Hochschulranking unter den 100 besten weltweit gelistet werden. Wir fühlen uns vom Finanzsenator im Stich gelassen.

Wie steht es um das Gründerzentrum, dass die FU auf dem Gelände des ehemaligen American Hospitals an der Fabeckstraße aufmachen will?

Die Universität bemüht sich seit vier Jahren um die Einrichtung eines solchen Zentrums, in dem sich junge aber auch etablierte Unternehmen ansiedeln können. Jetzt stehen wir kurz vor dem Erfolg: Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf ist dafür, der Landesvorstand der CDU ebenfalls. Der Finanzsenator will allerdings, dass alles, was im Landesbesitz ist, meistbietend verkauft wird. Mit dem Objekt in der Fabeckstraße müssten mindestens acht Millionen Euro erzielt werden. Wir erwarten nun, dass der Finanzsenator in diesem Fall auf den Erlös verzichtet und das Grundstück dem Bezirk überschreibt. Das Gründerzentrum wird viel Geld einnehmen, bis zu zwölf Millionen Euro im Jahr. Davon profitiert dann auch das Land Berlin.

Der Finanzsenator hat sich auch bei der Einstein-Stiftung als Sparkommissar erwiesen. Statt wie bisher rund zehn Millionen Euro pro Jahr sollen die Universitäten 2014 und 2015 nur jeweils 2,5 Millionen Euro bekommen, um exzellente Forschungsvorhaben zu fördern. Haben Sie gekämpft?

Ja, das haben wir. Wir haben mit den Fraktionsspitzen von SPD und CDU geredet und einen Durchbruch erzielt, so scheint es. Es wird zwar nicht mehr zehn Millionen Euro pro Jahr geben, aber doch deutlich mehr als nur 2,5 Millionen Euro. Die Unis brauchen das Geld, um damit ihre Exzellenzprojekte weiter zu finanzieren, wenn die Zuschüsse des Bundes nach 2017 auslaufen. Die Mittel der Stiftung sind nötig, um das limitierte Grundbudget der Universitäten zu ergänzen.

Die Hochschulverträge sehen für 2014 bis 2017 Landeszuschüsse von knapp 1,2 Milliarden Euro vor, 122 Millionen Euro mehr als vor vier Jahren. Müsste das nicht ausreichen?

Wir erkennen die Bemühungen des Senats an, den Etat der Hochschulen trotz der schwierigen Haushaltslage aufzustocken. Aber das Geld reicht noch nicht mal aus, um in den kommenden vier Jahren den Status quo zu sichern. Die Universitäten haben bereits mit immensen Einschnitten in ihre Budgets zur Konsolidierung des Landeshaushaltes beigetragen. Bei einer wachsenden Zahl von Studierenden, zunehmendem internationalen Konkurrenzdruck und steigenden Kosten brauchen die Hochschulen aber eine ausreichende Grundfinanzierung. Und die ist nicht gegeben.

Was halten Sie von einem Exzellenzwettbewerb in der Lehre?

Die Lehre muss gestärkt werden. Ein Wettbewerb ist aber unnötig. Die Freie Universität erhält bis 2016 elf Millionen Euro aus dem „Qualitätspakt für die Lehre“, den der Bund und die Länder vereinbart haben. Wir nutzen das Geld unter anderem für ein Mentoring-Programm, mit dem Studienanfänger von älteren Studierenden unterstützt werden, für die Weiterentwicklung digitaler Lehr- und Lernmöglichkeiten und für eine bessere Qualifizierung der Dozenten. Wir haben 2013 auch erstmals einen zentralen Preis ausgeschrieben, mit dem wir die besten Lehrkonzepte an der FU auszeichnen. Daran können sich übrigens auch Studierende beteiligen.