Im Mai 2008 kommt Manfred Gresens nach 20 Jahren nach Berlin zurück. Das Taxi hält in der Neuköllner Britzkestraße, wo er sich eine Wohnung ansehen will. Er öffnete die Autotür und landet mit dem Schuh direkt in einem Hundehaufen. Die Wohnung kann er damit nicht mehr betreten, peinlich berührt lässt er die Schuhe vor der Tür stehen.

Er bekommt dennoch den Mietvertrag, aber das erste Erlebnis in seiner Heimatstadt ist der Auslöser für einen langen Kampf. Es ist ein Kampf gegen den Schmutz in der Stadt, wild geklebte Plakate, herrenlose Sperrmüllhaufen, überquellende Mülleimer, Graffiti und Schmuddelecken in Wartehäuschen, kurz für ein schönes Berlin, der ihn jetzt verzweifeln lässt. In den vergangenen fünf Jahren sei er immer wieder auf „das Versagen und die Ablehnung der Politiker und untätige Ordnungsämter“ gestoßen, sagt der 79-Jährige. Er habe alle Abgeordneten angeschrieben, die Bezirksbürgermeister, den Regierenden Bürgermeister, und 80 Vorschläge gemacht, wie Berlin sauberer werden kann. Ohne große Resonanz. Keiner habe eine Veranlassung gesehen, „gegen diese Verwahrlosung“ etwas zu unternehmen.

Bürgerinitative weist auf Verschmutzung hin

Deshalb geht er nun in die Offensive. Mit seiner Bürgerinitiative „Aktion Clean Berlin“ will er noch mehr auf die Situation aufmerksam machen (www.aktion-clean-berlin.de). Fast täglich stellt er neue Fotos von Dreckecken auf die Internetseite. „Es hilft nicht, punktuell etwas zu unternehmen“, sagt der Rentner.

Gern öffnet Manfred Gresens sein elektronisches Archiv, in dem er bereits 16.000 Bilder gespeichert hat. Sie sind sortiert in Dateien, die Namen wie „beklebte Kästen und Flächen“, „verwahrloste Fahrräder“ und „verdreckte Baumscheiben“ tragen. „Den Fotoapparat habe ich jeden Tag bei mir, genau wie meinen Schlüssel“, sagt Manfred Gresens.

Sperrmüll bleibt liegen

Die Stadt, die er vor mehr als 20 Jahren verlassen habe, habe er bei der Rückkehr nicht wiedererkannt, erzählt er. 1988 hat er seinen Job als Elektromechaniker in Berlin verloren und ist nach Düsseldorf gegangen. Gresens kann sich noch gut an die Sperrmüllaktionen erinnern, als Sofas und alte Regale auf die Straße gestellt und eingesammelt wurden.

Jetzt bliebe der Sperrmüll liegen, genau wie die meisten Hundehaufen, sagt der Neuköllner. Dabei sei die Lösung ganz einfach. Jeder Hund, so sein Vorschlag, sollte eine große sichtbare Steuernummer am Leinenende tragen. So käme man nicht nur angemeldeten Hunden auf die Spur sondern auch Herrchen, die Hundehaufen liegen lassen.

Zwei Mülleimer sorgen für sauberen Platz

Einen Erfolg kann Manfred Gresens doch verbuchen. Ein Mülleimer in der Juliusstraße direkt neben einer Kita quoll immer wieder über. Der 79-Jährige schrieb die Chefin der BSR persönlich an, mit dem Vorschlag, einfach einen zweiten Behälter an dem Pfosten anzubringen. So würde der eine Behälter entlastet werden. Es dauerte immerhin zweieinhalb Jahre. Jetzt gibt es in Berlin den ersten Platz, an dem zwei Müllbehälter angebracht worden sind. „Mit einem hervorragenden Ergebnis“, sagt Gresens. Der Platz sei immer sauber.