Bushido & Shindy

Skandal-Song von Bushido droht Indizierung im Eilverfahren

Bis Dienstagabend soll das Label des Berliner Rappers Bushido zum Skandalsong „Stress ohne Grund“ Stellung nehmen. Dieser droht im Eilverfahren auf den Index zukommen. Zudem prüft ihn der Staatsschutz.

Foto: Fredrik von Erichsen / picture alliance / dpa

Im Streit um den Skandal Song „Stress ohne Grund“ der Rapper Bushido und Shindy ist die Indizierungsstelle in Bonn aktiv geworden und drängt zur Eile.

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien untersucht, ob der Song „Stress ohne Grund“ auf den Index gesetzt wird. „Einen entsprechenden Antrag hat das Bundesministerium für Familie und Jugend eingereicht und ersucht, die CD und das im Internet noch einsehbare Video zu verbieten“, sagt Elke Monssen-Engberding, Vorsitzende der Indizierungsstelle. Bevor die Bundesprüfstelle entscheidet, ob der Titel auf den Index kommt muss sie die Beschuldigten anhören. „Auf Grund der Brisanz und der Annahme, dass der Vertrieb der CD bereits in vollem Umfang geschieht, haben wir ein beschleunigtes Verfahren eingeleitet“, sagt die Chefin der Behörde.

Per Fax sei das Musik-Label, das Bushido gehört, sowie die Vertriebsfirma für die CD und das Video aufgefordert worden, bis Dienstagabend zu dem Antrag der Bundesbehörde Stellung zu nehmen. Anschließend wird das Gremium tagen und eine Entscheidung darüber treffen, ob der Titel auf den Index gesetzt wird. Rechtswirksam wird das erst mit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger. Der erscheint am 22. Juli.

Gesperrt werden beispielsweise Lieder, die zu Gewaltverbrechen aufrufen oder Menschen wegen ihres Geschlechts oder der sexuellen Neigung diskriminieren. Käme die Platte auf den Index, dürfte sie nicht mehr beworben und nicht an Kunden unter 18 Jahren verkauft werden.

Wowereit und Tören stellen Strafanzeige

In dem in die Kritik geratenen Song heißt es unter anderem: „Halt die Fresse, fick die Presse .... du wirst in Berlin in deinen Arsch gefickt wie Wowereit“ und weiter: „Ich schieß auf Claudia Roth und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz“. Über den FDP-Abgeordnete Tören wird getextet: „und ich will, dass Serkan Tören jetzt ins Gras beißt“.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) stellte am Montag bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den Berliner Bushido. Das bestätigte die Senatskanzlei auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Demnach fühlt sich der SPD-Politiker durch den Song „Stress ohne Grund“ bedroht, den die Rapper gemeinsam veröffentlicht haben. Ebenso hat der FDP-Politiker und Bundestagsabgeordnete Serkan Tören, der auch in dem Song genannt wird, aus dem Ausland per Fax bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Bushido erstattet, bestätigte sein Büro.

Die Zeilen haben eine heftige Debatte ausgelöst. So fordert der Schlagersänger Heino: „Der Mann muss in seiner kriminellen Energie dringend gestoppt werden. Bushidos Lieder sind in meinen Ohren menschenverachtend.“

Der Polizeiliche Staatsschutz prüft derzeit die strafrechtliche Seite der von Bushido verwendeten Texte auf der CD sowie dem Video. „Die Ermittlungen beziehen sich auf den möglichen Tatverdacht der Volksverhetzung, Beleidigung sowie der Aufforderung zu einer strafbaren Handlung“, sagte ein Polizei-Sprecher.

In dem Song heißt es unter anderem: „Ich will, dass Serkan Tören ins Gras beißt.“ Auch die Namen von Comedian Oliver Pocher, der Grünen-Politikerin Claudia Roth und des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit (SPD) werden genannt.

"Das Video ist voller Hass, ich verstehe es so, dass es zu einem Mord aufruft“, hatte Tören Ende vergangener Woche, nachdem das Video bei Youtube eingestellt worden war, gesagt. „Zusammen mit den Bildern ergibt sich da ein klares Bild. Es bestätigt sich nur, dass Bushido zu keiner Zeit den Bambi für Integration verdient hat.“

Auch der Parlamentarische Geschäftsführer und menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, hatte den Verleger Hubert Burda aufgefordert, dem Rapper wegen des Lieds “Stress ohne Grund” den Integrations-Bambi abzuerkennen.

Bushido gibt Interview

Bushido sagte dem TV-Sender N24, die Anzeige mache ihm keine Sorge: „Gebe ich ihm ne Summe X, dann ist die Sache gegessen.“ Würde eine Entschuldigung oder Erklärung gefordert, würde er das jedoch verstehen: „Man hätte auch irgendwie das Gespräch suchen müssen.“

Bushido räumte ein, dass ihn die Aufmerksamkeit, die er und der Song nun bekomme, durchaus freue. Die Kritik an seinem Song sei ihm „absolut unverständlich“, sagte der Rapper. Der Song sei „auf gar keinen Fall ein Aufruf zum Mord, kein Aufruf zu irgendeiner Form von Gewalt.“ Er sagte auch: „Ich bin mir auch keiner Hetze gegen Schwule bewusst!“

Klaus Wowereit habe er nicht persönlich nicht beleidigen wollen, sagte Bushido. Die Zeile, in der Wowereit vorkomme, greife einen anderen Rap-Kollegen auf. „Das einzige, was vielleicht halb-klug war, oder überhaupt auch halb-klug ist, ist die Tatsache, dass ich halt auch ‚Schwuchtel’ benutze“, sagte Bushido. Aber dieses Wort sei auch auf den anderen Rapper bezogen und sei im Hiphop-Jargon und Gangster-Rap eine „alltägliche Betitelung“.

Claudia Roth und Serkan Tören hätten ihn in der Vergangenheit unter anderem als Antisemiten und homophob bezeichnet, warf Bushido den Politikern vor. Der Song sei seine Art, sich zu wehren.