Skandal-Song

Wowereit stellt Strafanzeige – Bushido gibt Interview

Der Regierende Bürgermeister Wowereit (SPD) und der FDP-Politiker Serkan Tören haben wegen seines Skandalsongs Anzeige gegen Bushido gestellt. Der Rapper gab nun einem TV-Sender ein Interview.

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Sie haben Ernst gemacht: Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Serkan Tören, integrationspolitischer Sprecher der FDP im Bundestag, haben nach Informationen der Berliner Morgenpost wie angekündigt bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen den Rapper Bushido gestellt. Wowereit fühlt sich durch den von Bushido und Shindy gemeinsam in einem Video präsentierten Song „Stress ohne Grund“ bedroht.

Ebenso der FDP Politiker und Mitglied des Bundestages Serkan Tören, der auch in dem Song von Bushido namentlich genannt wird. Er hat seine Strafanzeige gegen Bushido aus dem Ausland per Fax bei der Staatsanwaltschaft gestellt.

Bushido-Song „ist voller Hass“

In dem Song heißt es unter anderem: „Ich will, dass Serkan Tören ins Gras beißt.“ Auch die Namen von Comedian Oliver Pocher, der Grünen-Politikerin Claudia Roth und des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit (SPD) werden genannt.

Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) schaltete sich am Montag in die Debatte ein: „Dieses Video überschreitet alle Grenzen. Das ist jetzt ein Fall für die Justiz“, sagte der Politiker laut einer Mitteilung.

"Das Video ist voller Hass, ich verstehe es so, dass es zu einem Mord aufruft“, hatte Serkan Tören Ende vergangener Woche, nachdem das Video bei Youtube eingestellt worden war, gesagt. „Zusammen mit den Bildern ergibt sich da ein klares Bild. Es bestätigt sich nur, dass Bushido zu keiner Zeit den Bambi für Integration verdient hat.“

Auch der Parlamentarische Geschäftsführer und menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, hatte den Verleger Hubert Burda aufgefordert, dem Rapper wegen des Lieds “Stress ohne Grund” den Integrations-Bambi abzuerkennen.

Bushido gibt Interview

Bushido gab indes dem TV-Sender N24 ein Interview. Er habe Aufregung erwartet, aber nicht in diesem Ausmaß, sagte er: „Ich find’ das jetzt eigentlich ein bisschen übertrieben, was da jetzt passiert.“

Die Kritik an seinem Song sei ihm „absolut unverständlich“, sagte der Rapper. Der Song sei „auf gar keinen Fall ein Aufruf zum Mord, kein Aufruf zu irgendeiner Form von Gewalt.“ Er sagte weiter: „Ich bin mir auch keiner Hetze gegen Schwule bewusst!“

Claudia Roth und Serkan Tören hätten ihn in der Vergangenheit unter anderem als Antisemiten und homophob bezeichnet, warf Bushido den Politikern vor. Der Song sei seine Art, sich zu wehren, „das Mittel, was mir als Gangsterrapper zur Verfügung steht. Wenn ich jetzt beispielsweise ne Frau wäre“, so Bushido weiter, „dann hätte ich mich wahrscheinlich nackt ausgezogen und wäre irgendwie vor den FDP-Dingsbums da hingerannt und hätte irgendwie da meine Brüste gezeigt, so wie man das ja in der Vergangenheit öfters gesehen hat, bei Putin und bei Merkel.“

„Schwuchtel“ als „alltägliche Betitelung“

Klaus Wowereit habe er nicht persönlich nicht beleidigen wollen, sagte Bushido. Die Zeile, in der Wowereit vorkomme, greife einen anderen Rap-Kollegen auf. „Das einzige, was vielleicht halb-klug war, oder überhaupt auch halb-klug ist, ist die Tatsache, dass ich halt auch ‚Schwuchtel’ benutze“, sagte Bushido. Aber dieses Wort sei auch auf den anderen Rapper bezogen und sei im Hip-Hop-Jargon und Gangster-Rap eine „alltägliche Betitelung“.

Die Anzeige mache ihm keine Sorge, sagte Bushido: „Was soll passieren?“, fragte er. „Gebe ich ihm ne Summe X, dann ist die Sache gegessen.“ Würde eine Entschuldigung oder Erklärung gefordert, würde er das jedoch verstehen: „Man hätte auch irgendwie das Gespräch suchen müssen.“ Bushdio sagte, er wäre weiterhin bereit, sich mit den Menschen, die ihn kritisierten an einen Tisch zu setzen.

Bushido räumte ein, dass ihn die Aufmerksamkeit, die er und der Song nun bekomme, durchaus freue, und er finde nicht „dass ich das auf dem Rücken von Randgruppierungen mache“.

Doch nicht nur die beiden Politiker setzen sich gegen die menschenverachtenden und gewaltverherrlichenden Passagen in Bushidos neuestem Lied zur Wehr. Auch die Indizierungsstelle in Bonn ist jetzt aktiv geworden. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien untersucht, ob Rapper Bushidos neues Lied „Stress ohne Grund“ auf den Index gesetzt wird. „Einen entsprechenden Antrag hat das Bundesministerium für Familie und Jugend eingereicht und ersucht, die CD und das im Internet noch einsehbare Video zu verbieten“, sagt Elke Monssen-Engberding, Vorsitzende der Indizierungsstelle. Die Entscheidung durch das Gremium, ob der Titel auf den Index kommt oder nicht Bedarf der Anhörung der Beschuldigten.

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