FDP-Politiker Tören

Song von Bushido & Shindy - „Dieses Video ist ein Aufruf zum Mord“

In einem gemeinsamen Lied mit Rapper Shindy droht Bushido Politikern mit Gewalt und Tod. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft das Video. Einer der Bedrohten, Serkan Tören, will Strafantrag stellen.

Foto: ERSGUTERJUNGE

Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft ein gemeinsames Lied der Rapper Shindy und Bushido, das Politikern den Tod wünscht und mit Gewalt droht. „Das Video ist uns bekannt. Die Staatsanwaltschaft ist in die rechtliche Prüfung eingetreten“, sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Thomas Fels, am Freitag.

Nach Angaben von Fels sind bislang keine Strafanzeigen bei der Berliner Behörde eingegangen. In Bushidos Teil des Songs „Stress ohne Grund“ werden die Namen von Comedian Oliver Pocher, der Grünen-Politikerin Claudia Roth, des FDP-Politikers Serkan Tören und des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), genannt.

"Das Video ist voller Hass“

"Das Video ist voller Hass, ich verstehe es so, dass es zu einem Mord aufruft. Zusammen mit den Bildern ergibt sich da ein klares Bild. Es bestätigt sich nur, dass Bushido zu keiner Zeit den Bambi für Integration verdient hat. Ich werde nächste Woche einen Strafantrag stellen“, sagt Serkan Tören, integrationspolitischer Sprecher der FDP im Bundestag der Berliner Morgenpost.

In einer ersten Stellungnahmen sagte der Sprecher von Claudia Roth, Jens Althoff, am Freitag, das habe nichts mehr mit Rap und Kunst zu tun. „Bushido pöbelt nur noch herum, hetzt menschenverachtend gegen Homosexuelle und Frauen und droht jetzt auch noch Politikerinnen und Politikern offen mit Gewalt.“ Das sei unterirdisch. „Sonst fällt ihm nichts mehr ein, um irgendwie noch Kasse zu machen.“

Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Jörg van Essen, sagte: „Wir Liberale im Deutschen Bundestag stehen für freie Meinungsäußerung. Wir stehen für die freie Entfaltung von Kunst und Kultur. Hier ist aber jede Grenze absolut überschritten.“ Die gesamte Fraktion verurteilte den Angriff auf Serkan Tören auf das Schärfste.

Cleveres Marketing

Kaum ein deutscher Musiker vermarktet sich gut wie der Berliner Bushido. Das Video „Stress ohne Grund“ erschien auf YouTube pünktlich zum Verkaufsstart des neuen Albums seines Rap-Kollegen Shindys. Der Name des Songs ist Programm. Zusammen mit Shindy beleidigt der Berliner, der mit Vollbart und großflächigen Tattoo am Hals zu sehen ist, alles und jeden: „Halt’ Fresse, f*** die Presse, du Bastard bist jetzt vogelfrei“, gehört noch zu den harmloseren Zeilen.

Richtig legen Bushido und sein Partner Shindy dann gegen die Politiker Serkan Tören (FDP) und Claudia Roth (Grüne) los. Über die beiden heißt es: „Ich mach’ Schlagzeilen, f*** deine Partei und ich will das Serkan Tören jetzt ins Gras beißt. Was für Vollmacht, du Schwuchtel wirst gefoltert. Ich schieß’ auf Claudia Roth und sie hat Löcher wie ein Golfplatz.“ Auch über Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Comedian Oliver Pocher und indirekt über Cindy aus Marzahn zieht er her. Im Textteil zu Tören hört man im Hintergrund Bassklänge, die an drei Schüsse erinnern.

Fans reagieren genervt

Am Freitagabend wurde das Video auf Youtube bereits rund 416.000 Mal aufgerufen. Fast 6000 Kommentare fanden sich unter dem Video. Einigen Fans scheint es aber langsam zu reichen. Einer der Kommentatoren gab Bushido einen gut gemeinten Rat: „Mann, werd’ erwachsen, du bist kein Teenie mehr.“ Allerdings standen nur rund 2200 „Dislikes“ (gesenkter Daumen für „Nichtgefallen“) mehr als 8800 „Likes“ (gehobener Daumen für „Gefallen“) gegenüber.

Dabei gab es auch andere Zeiten im Leben des selbst ernannten „Skandalrappers“: Im Jahr 2012 machte Anis Mohamed Youssef Ferchichi (Bushido ist ein Künstlername) medienwirksam ein Praktikum bei einem CDU-Bundestagabgeordneten, er kündigte zudem an, in die Politik wechseln und sogar eine eigene Partei gründen zu wollen.

Zuletzt sorgte ein Bericht des „Stern“ für Aufsehen, in dem über Bushidos Kontakte zu einer arabisch-stämmigen Großfamilie aus Neukölln berichtet wurde, aus der einige Mitglieder in kriminelle Geschäfte verwickelt sein sollen.

Unter anderem ging es darum, dass der Musiker einem Geschäftspartner aus der weit verzweigten Familie eine Generalvollmacht ausgestellt hatte. Später stellte sich heraus, dass der Rapper von seinem Partner im Gegenzug eine ähnliche Vollmacht bekommen hat.

Bushido polarisiert, und das schon seit Jahren. Dass er im Jahr 2011 vom Burda-Verlag den Medienpreis „Bambi“ für seine Integrationsleistung bekam, wurde damals heftig kritisiert – unter anderem von Claudia Roth. „Bushido ist sicher kein Beispiel für gelungene Integration, sondern eine äußerst erfolgreiche Kunstfigur, die auf dem Rücken von Minderheiten große Kasse macht”, sagte die Grünen-Vorsitzende damals.