07.12.12

Fluggesellschaft

Air Berlin verschärft Sparkurs - 500 Jobs in Gefahr

Weniger Flugzeuge, weniger Personal: Air Berlin will sich kräftig verschlanken. Mitarbeiter stellen sich auf harte Auseinandersetzungen ein.

Foto: dapd

Mehdorn stimmt Mitarbeiter auf schmerzlichen Sparkurs ein
Mehdorn stimmt Mitarbeiter auf schmerzlichen Sparkurs ein

Air Berlin verschärft seinen Sparkurs und wird dabei auch erstmals Stellen streichen müssen. Im kommenden Jahr will die Fluggesellschaft dazu die Flotte um 20 auf 138 Flugzeuge schrumpfen und die Geschäftsabläufe straffen. Das geht aus einem internen Brief von Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn an die Mitarbeiter des Konzerns hervor, welcher der Berliner Morgenpost vorliegt. Danach sind mindestens 500 Vollzeit-Arbeitsplätze gefährdet. Insgesamt beschäftigt Air Berlin rund 9300 Mitarbeiter. Auch am Boden sollen die Geschäftsprozesse im Rahmen des Sparprogramms "Turbine 13" weiter gestrafft werden, wie es heißt. "Ziel ist ein Kostenabbau von 15 Prozent über die nächsten zwei Jahre", schreibt Mehdorn in dem Brief.

Ende September war die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft nach der Lufthansa nach eigenen Angaben noch mit 158 Flugzeugen unterwegs. Und laut Gesetz müssen pro 50 Fluggäste ein Flugbegleiter an Bord sein, plus Pilot und Kopilot. Air Berlin fliegt vor allem Boeing 737 und Maschinen der Airbus-A320-Familie, die mit 144 bis maximal 210 Sitzen ausgestattet sind. Dazu kommen 14 A330, die mit bis zu 387 Sitzen ausgestattet sind. Intern rechnen Airlines beim Personalbedarf zum Betrieb eines Flugzeugs die Anzahl der gesetzlich vorgeschriebenen Crew mal fünf.

Sorge vor der Konkurrenz

Bereits bei der Vorstellung der Zahlen für die ersten neun Monate dieses Jahres hatte Mehdorn gesagt, dass sich das Management der Fluggesellschaft mit "Turbine 2013" voll auf "unsere Kernkompetenzen" konzentrieren wolle. "Nur damit wird es uns aufgrund des negativen Umfelds gelingen, unsere operative Performance weiter zu verbessern und ab dem kommenden Jahr nachhaltig schwarze Zahlen zu erreichen", sagte Mehdorn. Im laufenden Jahr wird wie auch 2011 ein Verlust anfallen.

In dem Brief an die Mitarbeiter konkretisiert Mehdorn diese Aussagen nun. Air Berlin habe seinen Kernmarkt im Kurz- und Mittelstreckensegment – das sind innerdeutsche und innereuropäische Flüge. "Hier befördern wir 95 Prozent unserer Fluggäste und erzielen 85 Prozent unserer Erlöse", schreibt Mehdorn. Und das wird für die Berliner zunehmend zum Problem. Denn auf den Deutschland- und Europa-Strecken steigt der Wettbewerb und damit auch der Druck, Geld zu sparen.

Mehdorn will gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

So hat Lufthansa am Donnerstag erste Einzelheiten über die Angebote der neuen, größeren Billigflugtochter Germanwings bekannt gegeben, die speziell auf zahlungskräftige Geschäftskunden abzielen. Und Mehdorn rechnet offenbar damit, dass andere dem Vorbild der Lufthansa folgen werden. "Etablierte Carrier gründen Low-Cost-Tochtergesellschaften und entwickeln Produktionsmodelle, mit denen sie ihre Services zu deutlich niedrigeren Kosten anbieten werden." Übersetzt heißt das: Die Konkurrenz fliegt im Zweifel mit neuen Tochterfirmen auch auf den Strecken von Air Berlin, möglicherweise mit gehobenem Standard, auf jeden Fall aber günstiger und mit entsprechend billigeren Tickets. Es wird also für Air Berlin künftig noch schwerer werden, zahlungskräftige Kundschaft zu halten oder gar neue dazuzugewinnen.

Mehdorn kündigte deshalb an, dass Air Berlin künftig, aufbauend auf den Kernattributen der Marke "Value for Money, Charme und Innovation", ein attraktives, "smartes" Produkt anbieten will, das sich mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis gegenüber Billigangeboten auszeichnen soll. "Hierbei bauen wir auf Lösungen, die zu unserem schlanken Produktionsmodell passen und einen Mehrwert für unsere Kunden darstellen", schreibt der Konzernchef an die Mitarbeiter.

Kleinere Maschinen

Konkret hat der Vorstand bereits einen ersten, neuen Netzwerkplan entwickelt, der "die Komplexität der Flotte reduziert". Auf den Strecken in die Drehkreuze wie Düsseldorf, Mallorca und zum Teil auch Berlin-Tegel sollen mehr kleinere Flugzeuge eingesetzt werden, die dann eher ausgelastet sind als die großen Maschinen. Dies wird Mehdorn zufolge "zu Anpassungen bei der Stationierung unserer Flugzeuge, Crews und Technikbeschäftigen führen". Gegenwärtig überprüfe das Management "die Zahl der heute bestehenden Stationen" und damit verbundenen Kosten. Mehdorn kündigte zudem an, dass die Prozesse vor und nach dem Flug weiter automatisiert werden, "um schneller zu werden und administrativen Aufwand zu verringern". Dies gelte auch für Catering und Logistik.

Schneller werden sollen auch die sogenannten Turnaround-Zeiten der Flugzeuge. Gemeint ist die Zeit, die benötigte wird, um ein Flugzeug nach dem Abflug einer Strecke wieder in die Luft zu bringen. Wenn diese Zeiten kurz sind, können die Fluggesellschaften oftmals mit ihren Flugzeugen pro Tag eine Strecke mehr bedienen und die Crew am Abend wieder an ihrem Startpunkt landen. Damit entfallen Übernachtungskosten für die Crew.

Mitarbeiter stellen sich auf harte Auseinandersetzungen ein

Neu aufgestellt werden soll 2013 Mehdorn zufolge auch der Vertrieb, die Kundenorientierung gestärkt und "unser Marktauftritt" neu gestaltet werden. Dazu sollen Bereiche zusammengelegt werden, und es werden "weitergehende Möglichkeiten" geprüft. Ab 2013 sollen die Standardfunktionen in Verwaltung und Service verschlankt und Doppelfunktionen abgebaut werden, heißt es in dem Brief an die Mitarbeiter.

In Berlin rüsten sich die Mitarbeiter für harte Auseinandersetzungen. Am kommenden Montag wird auf einer Betriebsversammlung der Wahlvorstand für eine Betriebsratswahl bestimmt.

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