25.01.13

Sexismus-Debatte

Deutschland diskutiert über Brüderles Anzüglichkeiten

Eine junge Journalistin wurde von Rainer Brüderle belästigt. Sie veröffentlichte die Geschichte. Darf man das? Zwei Meinungen.

Foto: dpa

Frauen protestieren beim sogenannten „Slutwalk“ (Schlampenspaziergang) in der Hamburger Innenstadt. Der Sexismus-Vorwurf gegen den FDP-Politiker Brüderle beschäftigt zur Zeit viele Menschen.
Frauen protestieren beim sogenannten "Slutwalk" (Schlampenspaziergang) in der Hamburger Innenstadt. Der Sexismus-Vorwurf gegen den FDP-Politiker Brüderle beschäftigt zur Zeit viele Menschen.

Die "Stern"-Journalistin Laura Himmelreich, 29, hat ein Porträt über Rainer Brüderle, 67, geschrieben. Der jetzige FDP-Spitzenkandidat Brüderle habe, so Himmelreich, am Abend vor dem Dreikönigstreffen der FDP im Januar 2012 in einer Hotelbar, in der auch andere Politiker und Journalisten anwesend waren, auf ihren Busen geguckt und gesagt: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen." Brüderle sagte demnach auch: "Politiker verfallen doch alle Journalistinnen."

Nach Mitternacht verabschiedete sich Brüderle von anderen Gästen der Hotelbar und "steuert mit seinem Gesicht sehr nah auf mein Gesicht zu", schildert Himmelreich. Brüderles Sprecherin habe ihn aus der Bar geführt und zu der Journalistin gesagt: "Das tut mir leid." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ über ihren Sprecher Steffen Seibert ausrichten, sie plädiere stets für einen professionellen und respektvollen Umgang miteinander, auch zwischen Politik und Medienvertretern.

Leutheusser-Schnarrenberger greift den "Stern" an

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) griff den "Stern" an. "Der Zeitpunkt der Veröffentlichung lässt nur einen Schluss zu: Dem ,Stern' geht es nur um seine Auflage", sagte sie "Spiegel online". "Wer online mit der Zeile titelt ,Der spitze Kandidat', der bedient sich einer sexistischen Sprache, die unterirdisch ist."

Diskussionen bei Twitter

Grünen-Chefin Claudia Roth warnte vor einer Verharmlosung sexistischen Verhaltens. "Sexismus ist herabwürdigend, verletzend, diskriminierend und in keiner Form oder Ausprägung in Ordnung", betonte sie. Auf Twitter kochen derweil die Emotionen weiter hoch und gehen weit über die Personalie Brüderles hinaus: Unter dem Hashtag #aufschrei etwa tauschen die Nutzer des Online-Dienstes ihre Erfahrungen mit alltäglichem Sexismus aus.

Der Begriff #aufschrei war deutschlandweit bereits am Freitagmorgen der meistgenannte Begriff. Im Sekundentakt gingen neue Tweets ein. Sogar weltweit erreichte der Begriff in den sogenannten Trending Topics einen Platz unter den ersten Zehn.

Zum ersten Mal tauchte #aufschrei in der Nacht zum Freitag auf. Eine Nutzerin kommentiert die Erlebnisse mit «wir sollten diese erfahrungen unter einem hashtag sammeln. ich schlage #aufschrei vor».

Diskriminierung, Sexismus, Übergriffe

Vor allen Frauen twitterten über erlebte Beleidigungen, Diskriminierungen und Übergriffe. Aber auch Männer beteiligten sich an der Diskussion. Unter den Trending Topics befand sich zudem der Begriff Sexismus.

Deutschland diskutiert: Darf eine Journalistin einen Politiker so bloßstellen, wie Laura Himmelreich es mit Rainer Brüderle gemacht hat? Es ist richtig und notwendig, findet Judith Luig. Das sieht nicht jeder so. Die Äußerungen Brüderles sind eine Geschmacklosigkeit und schlechtes Benehmen, meint Hajo Schumacher. Aber genau das ist in der Gesellschaft alltäglich und taugt nicht zum Skandal, schreibt er.

Quelle: BM/seg
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Ukraine Bundeskanzlerin verspricht 500 Millionen
Lufthansa Frührente oder Streik - Piloten drohen
Videospiel-Wettkampf E-Sportler träumen von der Zukunft
17 Meter lang Hier wird ein Wal zerlegt
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Hüllenlos

Schöne Strände für ungetrübten FKK-Genuss

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote