23.12.12

Exklusiv

Friedrich fordert von Kirchen Zurückhaltung in der Politik

In den Kirchen machten es sich "manche zu einfach, zum Beispiel bei Fragen um Krieg und Frieden", bemängelt der Bundesinnenminister.

Foto: dapd

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagt, er fühle sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet, das von der Prämisse ausgehe, dass jeder Mensch auch ein sündiger Mensch sei
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagt, er fühle sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet, das von der Prämisse ausgehe, dass jeder Mensch auch ein sündiger Mensch sei

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat zu Weihnachten an die Kirchen appelliert, sich neu auf ihre eigentlichen Aufgaben zu besinnen. Die Kirchen müssten den Menschen "immer wieder klarmachen, welche grundsätzlichen Maßstäbe für ihr Handeln sich aus dem Wort Jesu Christi ergeben", sagte Friedrich der Berliner Morgenpost.

"Das ist von ganz zentraler Bedeutung", bekräftigte Friedrich seine Forderung in einem gemeinsamen Interview mit der Generalsuperintendentin des Sprengels Berlin, Ulrike Trautwein. Es sei zwar hilfreich, wenn die Kirche politische Entscheidungsprozesse begleite und dabei Wertmaßstäbe formuliere. Doch sei er "nicht immer glücklich damit", wenn Kirchenvertreter "einseitige und als letztgültige Wahrheit proklamierte politische Botschaften" von der Kanzel verkündeten.

Friedrich gab zu bedenken, dass die Politik mit einer Vielzahl von immer neuen Konflikten umgehen müsse, deren Lösungen nicht immer einfach seien die am Ende auch mehrheitsfähig sein müssten. In den Kirchen machten es sich "manche zu einfach, zum Beispiel bei Fragen um Krieg und Frieden", bemängelte der Innenminister. So seien etwa die Forderungen aus der Kirche, sich aus dem Afghanistan-Konflikt herauszuhalten, "völlig falsch" gewesen.

Stattdessen wünsche er sich für die Zukunft von der Kirche, dass sie "die Botschaft Gottes in die Herzen der jungen Leute bringt, weil das sie davon abhält, extremistisch und fanatisch zu werden".

Seinen eigenen Glauben beschrieb der Protestant aus Franken so: "Ich habe ein grundsätzliches Gottvertrauen. Ich glaube, dass am Ende alles so sein wird, wie Gott es vorsieht. Das gibt mir die nötige Kraft und Gelassenheit, die man braucht, sei es im Büro, im Alltag oder im Berliner Politikbetrieb." Friedrich ergänzte, er fühle sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet, das von der Prämisse ausgehe, dass jeder Mensch auch ein sündiger Mensch sei. "Das habe ich bei politischen Handlungen immer im Hinterkopf", so der Minister. Grundsätzlich sei er davon überzeugt, "dass jeder Mensch seinem Gewissen folgen und sein Handeln vor Gott rechtfertigen können muss".

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