Forum Museumsinsel

Hier entsteht Berlins größtes privates Bauprojekt

Die Fläche zwischen Monbijou-, Tucholsky-, Oranienburger Straße und Spree liegt vergessen in Berlins historischer Mitte. Unternehmer Ernst Freiberger will das ändern – bis 2014 soll ein exklusives neues Stadtviertel entstehen.

Foto: Massimo Rodari

Vor dem Bodemuseum an der Spitze der Museumsinsel stehen Berliner und Touristen Schlange, um sich die "Gesichter der Renaissance" anzuschauen. 300 Meter weiter an der Oranienburger Straße sorgen Sehenswürdigkeiten wie die Neue Synagoge, das "Tacheles" oder die C/O Galerie im prächtigen Postfuhramt neben vielen Bars, Restaurants und Cafés für quirliges Leben. Und dazwischen? Das riesige Geviert zwischen Monbijou- und Tucholskystraße, zwischen Oranienburger Straße und Spree, eines der zentralsten Quartiere in der historischen Mitte Berlins, liegt völlig ausgestorben und vergessen im Abseits. Das soll sich jetzt ändern.

Der Unternehmer Ernst Freiberger, der das Gelände zwischen 2001 und 2007 zusammengekauft hat, will dort bis 2014 auf rund 110.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche hochwertige Wohnungen mit Dachterrassen und Büros, ein Vier-Sterne-Hotel sowie eine Markt- und Ausstellungshalle, Einzelhandel und Gastronomiebetriebe errichten. Außerdem wird die Telekom Räume für eine internationale Akademie anmieten. Gesamtes Investitionsvolumen: rund 300 Millionen Euro. Es ist das größte private Bauvorhaben der Stadt.

Zum Forum Museumsinsel zählen kunsthistorisch bedeutsame Gebäude aus drei Jahrhunderten. Darunter sind das älteste Logenhaus Berlins (1789–1791), die von Martin Gropius entworfene Charité-Frauenklinik (1879–1883) im Stil der Neorenaissance, das neobarocke Haupttelegrafenamt (1910–1916) sowie die ebenfalls einst zur Charité gehörenden Häuser Monbijou (1902–1906) und Ida Simon (1908–1910). Die Architektur des 20. Jahrhunderts ergänzen zudem das Fernsprechamt (1925–1927), das im Stil des monumentalen Art-deco-Expressionismus gebaut wurde, sowie die im strengen Bauhaus-Stil errichtete neue Charité-Frauenklinik (1929–1932).

Mit der Umsetzung des Projekts hat Freiberger zwei international renommierte Architekten beauftragt. Sir David Chipperfield, der auf der benachbarten Museumsinsel dem Neuen Museum durch seinen mehrfach preisgekrönten Um- und Ausbau neues Leben eingehaucht hat, ist für das Gropius-Ensemble, in das bereits im Herbst kommenden Jahres die "Telekom School of Transformation" einziehen wird, verantwortlich. Das Baudenkmal soll unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes erneuert und durch ein modernes Gebäude direkt an der Spree vervollständigt werden. Zudem wird Chipperfield auch die von Walter Wolff errichtete neue Frauenklinik umbauen. In dem "Das Bauhaus" genannten Gebäude an der Ziegelstraße sollen zehn zweigeschossige Stadtwohnungen entstehen.

Das Berliner Architektenbüro Patzschke & Partner (Hotel "Adlon"), ist zuständig für die Neugestaltung des Simon-Palais und der Residenz Monbijou, in der im Erdgeschoss ein Literaturcafé entstehen soll sowie in den oberen Etagen rund 20 repräsentative Wohnungen. Freiberger will die Wohnungen nicht verkaufen, sondern vermieten – zu einem marktüblichen Preis, wie er betont. Der liegt in dieser Gegend bei vergleichbaren Objekten bei etwa 20 Euro pro Quadratmeter.

Zudem wird das Büro Patzschke den Umbau des imposanten Haupttelegrafenamtes in einen Büro- und Hotelkomplex verantworten. Das Hotel, das die Freiberger-Gruppe selbst betreiben will, soll 200 Zimmer in der Vier-Sterne-Kategorie erhalten, zudem einen Wellness- und Konferenzbereich. Ferner soll es Geschäfte, Restaurants und einen Biergarten geben.

"Wir wollen zwar viel verändern – dabei werden wir jedoch mit den Baudenkmalen äußerst verantwortungsvoll und behutsam umgehen", versprach der Investor Ernst Freiberger. Entsprechend habe man auch die Architekten ausgewählt, die "im Umgang mit historischer Bausubstanz ausgewiesene Experten sind".

Architektonisches Wahrzeichen

Im Herzen des neuen Stadtquartiers, auf dem eigentlichen "Forum Museumsinsel", das mit seinen 8000 Quadratmetern ungefähr so groß ist wie der Bebelplatz, will Freiberger sich jedoch selbst ein architektonisches Denkmal setzen. Der 61-Jährige plant dort den Bau einer kombinierten Markt- und Ausstellungshalle auf einer Grundfläche von rund 2500 Quadratmetern. Während die Pläne für das Erdgeschoss schon recht konkret sind – der Münchner Feinkosthändler Käfer will den Betrieb übernehmen und dort neben mediterranen Spezialitäten vor allem Produkte aus der Region anbieten –, ist noch völlig offen, wie die Kunsthalle im Obergeschoss aussehen soll. Nichts weniger als ein "architektonisches Wahrzeichen des 21. Jahrhunderts" schwebt Freiberger, der einst mit Tiefkühlpizzas sein Vermögen begründete, vor. Gezeigt werden soll dort ein Ausstellungsprojekt mit dem Arbeitstitel "Mobile Zeiten". Den Architekten für dieses Wahrzeichen sucht der Unternehmer, der in Berlin in den 90er-Jahren den Spreebogen auf dem Gelände der alten Bolle-Meierei errichtete und an das Innenministerium vermietete, allerdings noch (siehe Interview). Konkret wiederum sind jedoch die Pläne für den öffentlichen Platz, der vor dem neuen Museum entstehen soll. Durch die Öffnung des ehemaligen Innenhofs zur Ziegelstraße entsteht eine Eventfläche, die nach den Vorstellungen Freibergers je nach Jahreszeit als Weihnachtsmarkt, Eislauffläche, für Freiluftkonzerte oder andere Großveranstaltungen genutzt werden soll.

"Es passiert vielleicht alle 100 Jahre einmal, dass mitten im Zentrum einer Stadt ein so großes Projekt beginnen kann", hob der frühere Berliner Senator, nun Präsident der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar und Berater des Projekts, Christoph Stölzl (CDU), die Bedeutung des Bauvorhabens für Berlin als Stadt hervor. Vergleichbar hätten nur das Rockefeller Center in New York oder das Centre Pompidou in Paris zu der kompletten Neuausrichtung eines Viertels beigetragen. Mit seinen Geschäften, Restaurants und Cafés werde das neue Quartier eine Schnittstelle von Kultur und Szene bilden, so Stölzl.

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