Immobilien

Das ist Berlins teuerste Mietwohnung

Wie viel Miete wollen Sie zahlen: Nur 120 oder doch 10.000 Euro im Monat? Und was bekommt man dafür? Morgenpost Online hat die aktuellen Berliner Mietangebote verglichen – und die billigste und die teuerste Bleibe besucht.

Friedrichsfelde, 1 Zi., 24,7 m², Blk, 123,50 Euro + 95,91 € Nk.

Ein Raum mit Flur, Bad und Küche. Dass Berlins billigste Wohnung kein Palast sein würde, war zu erwarten. Doch was für ein Loch würde das wohl sein, das die Wohnungsbaugenossenschaft DPF für nur 123 Euro kalt vermietet? Eines mit Kohleofen, Camping-Dusche und Kakerlaken als dauerhungrigen Mitbewohnern?

Weit gefehlt. Die günstigste Wohnung, die gerade auf dem Markt angeboten wird und für die der Pädagogikstudent Sebastian Peschel einen Nachmieter sucht, wirkt sehr adrett. Fast schon luxuriös, wenn man das große Fenster und den kapp drei Quadratmeter großen Balkon mit Blick ins Grüne über den Tierpark entdeckt. Trotzdem ist es in der Plattenbau-Bude im 15. Stock natürlich sehr eng. Vor allem im Flur, der quasi als zweites Zimmer dienen muss. Jede Ecke ist vollgestopft: Jacken, Mützen, Rucksäcke stapeln sich über dem Staubsauger und einem Kühlschrank, der dann doch nicht mehr in die Küche gepasst hat. Die ist nämlich gerade mal so groß wie eine Abstellkammer mit Spüle.

Das Bad daneben ist kaum größer: weiße Kacheln, natürlich keine Badewanne und kein Fenster. Wer duschen will, muss erst mal halb über die Toilette steigen. Und die Tür schließt man besser, bevor man sich die Zähne putzt, weil sonst am Waschbecken so wenig Platz ist. Aber wer will hier einen schon beobachten? Platz ist sowieso nur für eine Person.

Riesig wirkt in der Wohnung eigentlich nur der Wandschrank. In ihm steckt das, was nicht im Weg stehen soll – also fast alles. Doch zum Glück war Peschels Habe ohnehin nicht sehr umfangreich. Ein paar Kartons, ein Bett, zwei kleine Sessel, ein Couch- und ein Schreibtisch, Fernseher, Regale, ein kleiner Nachttisch. Peschels Möbel haben natürlich alle diese abgerundeten Ecken, die vermeiden sollen, dass man sich stößt und Blutergüsse an den Oberschenkeln sammelt. Sind allerdings zwecklos, denn bei dieser Platznot bleibt das schmerzhafte Rammen der Kanten nicht aus. Auch die Wände haben ihre Narben, überall Macken und Kratzer.

Peschel hat zuletzt bei seinem Einzug vor sechs Jahren renoviert. Neu tapezieren? Ein Albtraum. Dafür hätte er die Wohnung erst komplett leer räumen müssen, um überhaupt einen Tapeziertisch aufstellen zu können.

Trotzdem würde Peschel in der Wohnung bleiben, wenn er jetzt nicht den Studienplatz in Marburg bekommen hätte. "Ich habe immer mal wieder überlegt, ob ich nach Friedrichshain ziehen soll. Aber der Preis bleibt einfach unschlagbar", sagt der 26-Jährige. Die Freiheit, auch mal einen Monat nicht arbeiten gehen zu müssen für die Miete, wollte er sich nicht nehmen lassen. Jedes WG-Zimmer wäre teurer gewesen.

Der Plattenbau habe zwar auch seine hässlichen Seiten, weil man sehr viel vom Leben der Nachbarn mitbekäme. "Schön kann man es sich aber überall machen", sagt Peschel und erzählt, wie er in der Wohnung Partys gefeiert hat. Einmal hätten sich sogar 40 Leute reingedrängt. Aber das ging nur, weil sich seine Gäste in Dreierreihen auf dem Bett hockten.

Mitte, 7 Zi., 10.357,12 € kalt + 1617,3 € Nk, 647,32 m², Kamin, Lift, 2 Terr., Garten, Fußbd-Hz., 2 Bd. + 2 Gäste-WC.

In dem teuersten Mietobjekt, das in Wohnungsanzeigen zu finden ist, hallt es, als ob man in einem leeren Schwimmbecken alleine spazieren geht. Absätze klackern über das Parkett durch den leeren, tiefen Raum mit den jungfräulich weißen Wänden. Es riecht nach frischem Putz, Farbe und Sägespänen. Das Townhouse ist so neu wie das gesamte Viertel von Friedrichswerder, gerade einmal 250 Meter von "Unter den Linden" entfernt. Deshalb wird auch noch ein Mieter gesucht.

Maklerin Tatjana Schemmel, 31, von "Engel & Völkers" geht sehr langsam durch die erste von sieben Ebenen. Sie lässt ihren Gästen Zeit, sich genau umzusehen, führt von einem architektonischen Detail zum nächsten. Wie in einer Galerie. Sie weist auf den ausgeklügelten Schacht neben der Treppe hin, der dafür sorgt, dass bis in den Keller Tageslicht fällt. Sie erklärt, dass die Anschlusskabel für Halogenstrahler nur deshalb noch aus der Decke hängen, weil die sich der neue Mieter natürlich aussuchen darf, bevor er einzieht. Und sie beschreibt, wie wegen der schrägen Außenwände länger die Sonne in die Räume scheint.

Schließlich schließt sie die Glastür zum Garten auf und reicht ein sorgsam gebundenes Dossier mit Farbfotos. Der Rasen ist akkurat geschnitten, es gibt ein Beet mit Blümchen. Der neue Mieter hätte fast 55 Quadratmeter Grün für sich allein. Und das in Berlin-Mitte. Früher stand auf dem Grundstück die Deutsche Reichsbank. Bei den Bauarbeiten wurden alte Mauerreste des Gebäudes entdeckt. Der Eigentümer ließ die Trümmer als Skulptur aufstellen, zur Erinnerung an die Geschichte des Ortes.

Dann geht es weiter nach oben, Etage um Etage, von Badezimmer zu Badezimmer mit dem sandfarbenen Fliesen und Designerarmaturen hinter Schiebewänden, die leise aufhuschen. Die Geschosse sind zwar über eine Art Treppenhaus verbunden, aber man kann natürlich auch den Aufzug nehmen – etwa von der Küche direkt in den Bibliotheksraum, oder doch lieber ins Kaminzimmer? Oder rauf aufs Dach?

Dort bietet sich ein Blick weit über den Gendarmenmarkt und den Alexanderplatz. Es gibt natürlich nicht nur eine Terrasse bei diesem Townhouse, sondern gleich zwei. Und damit nicht nur Platz für zwei Liegestühle, um darin mit einem guten Schluck Rotwein den Sonnenuntergang zu genießen. Vermutlich könnte man gleich die gesamte Kollegenschaft aus dem Büro noch mit einladen. Oder sich sein eigenes, kleines Spa einrichten. Einige Nachbarn hätten sich tatsächlich auf ihren Terrassen einen Whirlpool setzen lassen, erklärt die Maklerin, oder eine Sauna, oder beides. Das stünde dem Mieter von Haus Nummer 10 natürlich auch frei.

Trotz der 10.000 Euro Miete im Monat wirkt alles überraschend schlicht, wo doch der Preis eher auf goldene Wasserhähne, Stuck und Marmor schließen ließe. Der Eigentümer jedoch setzt auf luxuriöses Understatement. Wer hier einzieht, der möchte in einem Kunstwerk leben, das die Architektin Johanne Nalbach schuf. Dabei geht es nicht darum, dass das Haus zum Mieter passt, sondern eher andersherum. Gesucht werde für die Nummer 10 am besten jemand, der in den unteren Etagen sein Büro einrichtet und die oberen Etagen bewohnt. Zum Beispiel ein künstlerischer Freigeist, der klare Strukturen liebt, der die Architektur wirken lassen will, der es mag, wenn Farbe und Form miteinander harmonieren. Und wenn er Ablenkung braucht, dann muss er nur durch eines der bodentiefen Fenster sehen, die es in jedem Raum gibt. Wie auf überdimensionalen Bildschirmen schaut man den Passanten von oben zu, wie sie zur U-Bahnstation, die direkt vor der Tür liegt, laufen.

"Bei diesem Haus haben wir ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis", meint Frau Schemmel dann noch beim Hinausgehen. Denn umgerechnet auf den Quadratmeterpreis sei der Pariser Platz noch viel teurer. Aber dort bekäme man natürlich selten so etwas Großes angeboten. Und auch nicht mit Garten.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.