07.02.13

Tod auf dem Alex

Friedrich kann mutmaßlichen Schläger nicht zurückholen

Die Türkei wird den mutmaßlichen Schläger vom Alex, Onur P., keinesfalls ausliefern. Ein Gespräch des Bundesinnenministers blieb erfolglos.

Foto: Reto Klar

Seit dem Tod eines 20-Jährigen schaut die Welt auf den Platz in der Mitte Berlins: tagsüber belebt, ängstigend leer in der Nacht.

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Am 14. Oktober starb der 20 Jahre alte Jonny K. auf dem Alexanderplatz. Junge Schläger prügelten ihn tot, vermutlich waren es sechs junge Männer. Der 19 Jahre alte Onur U. ist der Hauptverdächtige, doch er hat sich in die Türkei abgesetzt. Dort hat die deutsche Justiz nun weiter keinen Zugriff auf Onur U. Ein Gespräch von Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) mit seinem türkischen Amtskollegen über den Kriminalfall blieb in Ankara ohne Ergebnis. Friedrichs Sprecher Jens Teschke sagte, da die Tat auf Ebene der Justizministerien behandelt werde, habe Friedrich vom türkischen Innenminister Muammer Güler keine konkreten Zusagen zu einem Prozess oder einer möglichen Auslieferung erhalten.

Die türkische Justiz hat ein sogenanntes Rechtshilfeersuchen gestellt, um die deutschen Ermittlungsunterlagen zu dem geflüchteten 19-Jährigen mit türkischer Abstammung einzusehen. Bei der Berliner Staatsanwaltschaft ging das Ersuchen laut einem Sprecher am Mittwoch ein und wird nun geprüft. Die türkische Justiz argumentiere, dass der Mann die türkische Staatsbürgerschaft habe, hieß es. Eine Auslieferung nach Deutschland steht damit außer Frage. Damit bestätigte er Informationen der Berliner Morgenpost aus Ermittlerkreisen, denen zufolge Onur U. türkischer Staatsbürger ist.

Neben Onur P. ist ein weiterer Verdächtiger auf der Flucht

Unklar ist, ob der Verdächtige kurzfristig die türkische Staatsbürgerschaft zusätzlich zur deutschen angenommen hat, um einer Auslieferung und der Untersuchungshaft in Berlin zu entgehen. Möglich ist auch, dass er bereits seit längerem beide Nationalitäten hat. In Deutschland sind doppelte Staatsbürgerschaften befristet möglich.

Friedrich lehnt weiter die Möglichkeit doppelter Staatsbürgerschaften ab. Der aktuelle Fall bestärke ihn in seiner Haltung, sagte er. Er sei dagegen, dass jemand sich aussuchen könne, welche Staatsbürgerschaft ihm gerade passe.

Die Polizei hat bislang vier der mutmaßlichen Täter vom Alexanderplatz gefasst, drei von ihnen sitzen in Untersuchungshaft. Neben Onur P. ist ein weiterer Verdächtiger ebenfalls flüchtig.

Quelle: dpa/sh
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