01.02.13

Tödliche Attacke

Fall Jonny K. - Mutmaßlicher Anstifter bleibt in der Türkei

Der 19-jährige Onur U. soll neuerdings die türkische Staatsbürgerschaft haben. Deutsche Ermittler können ihn nicht nach Berlin zurückholen.

Foto: dapd

In einem Pavillon am Alexanderplatz wird des zu Tode geprügelten Jonny K. gedacht. Der Prozess könnte ohne die mutmaßlichen Haupttäter stattfinden
In einem Pavillon am Alexanderplatz wird des zu Tode geprügelten Jonny K. gedacht. Der Prozess könnte ohne die mutmaßlichen Haupttäter stattfinden

Kurz vor Erhebung der Anklage im Fall der tödlichen Prügelattacke gegen Jonny K., 20, hat sich einer der Beschuldigten offenbar endgültig den Zugriffsmöglichkeiten deutscher Ermittlungsbehörden entzogen.

Wie aus Ermittlerkreisen zu erfahren ist, spricht einiges dafür, dass der 19 Jahre alte Hauptverdächtige Onur U. inzwischen die türkische Staatsbürgerschaft angenommen hat. Da die Türkei genauso wie Deutschland keine eigenen Staatsbürger ausliefert, hätte das zur Folge, dass U. nicht in Berlin der Prozess gemacht werden kann.

Seit Oktober in die Türkei abgesetzt

Der 19-Jährige hatte sich nach der Tat am 14. Oktober vergangenen Jahres in die Türkei abgesetzt. Seitdem hatten sich die deutschen Behörden vergeblich um die Auslieferung des ursprünglich deutschen Staatsangehörigen bemüht.

Zwar gibt es noch keine offizielle Bestätigung dafür, dass Onur U. die Staatsangehörigkeit gewechselt hat. Jedoch hat die türkische Justiz um die Ermittlungsakten zu dem Fall gebeten. Das aber ergibt nur Sinn, wenn die dortigen Behörden für die Strafverfolgung des 19-Jährigen zuständig sind.

"Wir haben vorab die Informationen erhalten, dass die Türkei im Wege der Rechtshilfe um Dokumente aus dem Ermittlungsverfahren bittet", sagte Martin Steltner von der Staatsanwaltschaft. Das offizielle Rechtshilfeersuchen sei jedoch noch nicht eingegangen. Deshalb will sich Steltner zu dem Vorfall auch nicht weiter äußern.

Was Onur U. bewogen haben könnte, die türkische Staatsangehörigkeit anzunehmen, ist unterdessen unklar. Sollte er in der Türkei zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden, dürften die Haftbedingungen schlechter sein als in Deutschland.

Tödliche Prügelattacke provoziert

Onur U. und der ebenfalls flüchtige Bilal K., 24, gelten als treibende Kräfte der tödlichen Prügelattacke, die im vergangenen Jahr weit über Berlin hinaus Bestürzung ausgelöst hatte.

Vor einigen Wochen war allerdings bekannt geworden, dass Onur U. die Tat zwar provoziert, dann aber gar nicht auf Jonny K., sondern auf dessen Freund eingeschlagen haben soll.

Demnach soll vor allem Bilal K. den 20-jährigen Jonny K. attackiert haben. Das Opfer hatte in jener Nacht mit Freunden eine Diskothek am Alexanderplatz besucht und war an der Rathausstraße auf Onur U., Bilal K. und vier weitere junge Männer getroffen. Es kam zum Streit, der darin eskalierte, dass vor allem Jonny K. geschlagen und bereits am Boden liegend getreten wurde. Am Ende war der 20-Jährige tot.

Von den Verdächtigen sitzen drei in Untersuchungshaft. Ein 19-Jähriger wurde festgenommen, dann aber mangels Haftgrund wieder freigelassen. Nach Angaben von Martin Steltner stehen die Ermittlungen kurz vor dem Abschluss. Die Anklage soll innerhalb der nächsten Wochen erhoben werden.

Quelle: ur
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