24.01.2013, 21:51

"Krawallmacher" Thilo Sarrazin löst mit Auftritt in Hannover Tumulte aus


Thilo Sarrazin bei der Präsentation seines zweiten Buches „Europa braucht den Euro nicht“ in Berlin

Foto: Carsten Koall / Getty Images

Thilo Sarrazin bei der Präsentation seines zweiten Buches „Europa braucht den Euro nicht“ in Berlin Foto: Carsten Koall / Getty Images

Bei einem Auftritt ist der Buchautor und ehemalige Berliner Finanzsenator wüst beschimpft worden. Auch Kotbeutel sollen geflogen sein.

Ein Auftritt des umstrittenen Buchautors und SPD-Politikers Thilo Sarrazin hat bereits am Mittwochabend in Hannover Tumulte ausgelöst. Bei einer Podiumsdiskussion im Niedersächsischen Landesmuseum mit der scheidenden niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) entrollten Gegner seiner Thesen ein Transparent mit dem Slogan "Rassismus ist ein Verbrechen". Als andere Zuhörer der Gruppe das Spruchband entreißen wollten, kam es zu einem Handgemenge. Mehrfach schritten uniformierte Polizisten ein und verwiesen Protestierende des Saals.

Sarrazin bezeichnete es als "Armutszeugnis", dass die Veranstalter "Krawallmacher" zugelassen hätten. Bei keiner der rund 100 Diskussionsrunden, an denen er bisher teilgenommen habe, sei es zu Störungen dieses Ausmaßes gekommen. Begleitet von weiteren Protesten verteidigte Sarrazin seine umstrittenen Thesen zur Integration. Sein Buch "Deutschland schafft sich ab" analysiere im sachlichen Tonfall lediglich Fakten und Trends, hob er hervor.

Wie die "Bild" berichtete, sollen einige der Randalierer auch Beutel mit Kot auf den Boden geworfen und Fläschchen mit Backaroma zerbrochen haben.

Beifall und Pfiffe bei Sarrazins Rede

"Ich habe ein Bild von Deutschland und seinen Problemen gezeichnet, dass vielen ans Herz geht", sagte der frühere Berliner Finanzsenator und Bundesbank-Vorstand. Während einige der rund 200 Zuschauer seine Beiträge mit langem Beifall quittierten, reagierten andere immer wieder mit Zwischenrufen und Pfiffen.

Özkan erwiderte, Sarrazins Analyse erschöpfe sich in pauschalen Aussagen. Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach der verlorenen Landtagswahl warf sie Sarrazin vor, Ängste zu schüren. "Das ist reiner Rassismus", urteilte die in Deutschland geborene Tochter türkischer Einwanderer und bekennende Muslimin. "Sie diskreditieren damit das Ansehen Deutschlands in der Welt."

Das Landesmuseum hatte Sarrazin für eine Begleitveranstaltung zu seiner aktuellen Ausstellung "Tabu" eingeladen. Sie stand unter dem Motto "Tabubruch".

Dem Bericht zufolge beschwerte sich Sarrazin nach der Veranstaltung: "Die Veranstalter hatten den Abend nicht im Griff!" Katja Lemke, Direktorin des Landesmuseums, wies das demnach zurück: "An keiner Stelle haben wir die Kontrolle verloren", sagte sie der Zeitung.

(epd/alu)
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