06.01.13

Flüchtlinge

Zahl der Asylbewerber in Berlin um 50 Prozent gestiegen

Mehr als 8200 Menschen suchten im Jahr 2012 in Berlin Asyl. Die Integrationsbeauftragte des Landes will das Arbeitsverbot aufheben.

Von Christina Brüning
Foto: dpa

Die Residenzpflicht, die die Bewegungsfreiheit der Flüchtlinge einschränkt, sei „in den meisten Fällen nicht zumutbar“, sagte Berlins Integrationsbeauftragte Monika Lüke der Berliner Morgenpost
Die Residenzpflicht, die die Bewegungsfreiheit der Flüchtlinge einschränkt, sei "in den meisten Fällen nicht zumutbar", sagte Berlins Integrationsbeauftragte Monika Lüke der Berliner Morgenpost

Im vergangenen Jahr haben 8226 Menschen in Berlin um Asyl gebeten. Das ist eine Steigerung von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als 5413 Menschen in der Hauptstadt vorsprachen, um hier aufgenommen zu werden. Das geht aus aktuellen Daten des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegen.

In ganz Deutschland wurden 2012 demnach mehr Asylsuchende verzeichnet als im Jahr zuvor. 63.055 Flüchtlinge kamen in den verschiedenen Bundesländern an, 2011 waren es noch 44.608. Fast jeder siebte Flüchtling in Deutschland traf also in Berlin ein. Besonders im Herbst war der Andrang groß. Ein Grund seien Konflikte in Nordafrika und in der ehemaligen Sowjetunion, hieß es von der Sozialverwaltung. Außerdem sei der Anteil an Wirtschaftsflüchtlingen gestiegen.

Geblieben sind die Asylsuchenden, die bei den Berliner Behörden vorgesprochen haben, jedoch nicht alle in der Hauptstadt. Sie werden nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel auf die einzelnen Bundesländer verteilt. Über die Menschen, die in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Moabit eintreffen, entscheidet der Verteilschlüssel, ob sie in Berlin Platz finden oder in ein anderes Bundesland geschickt werden müssen.

Weniger Asylsuchende als erwartet blieben in Berlin

Nur 2588 der mehr als 8200 Asylsuchenden, die in Berlin vorsprachen, blieben. Weitere 620 wurden aus anderen Ländern nach Berlin verteilt, sodass insgesamt gut 3200 Asylbewerber im vergangenen Jahr in Berlin aufgenommen wurden – weit weniger als noch vergangenes Jahr prognostiziert. In der Folge wird geprüft, ob ihnen Asyl gewährt wird, sie eine Duldung erhalten oder in ihr Heimatland zurückgeschickt werden.

Die Flüchtlinge, die in Berlin aufgenommen werden, kommen wie in den Vorjahren überwiegend aus der Russischen Föderation, aus Serbien sowie aus Bosnien und Herzegowina. Auf Platz drei der Herkunftsländer liegt Vietnam – allerdings ist die Zahl der Asyl suchenden Vietnamesen gegenüber den Vorjahren wieder deutlich gesunken. Auch aus den Krisenregionen Syrien, Afghanistan und dem Iran suchen Hunderte Menschen Zuflucht in Berlin.

In Berlin hatte der Ansturm im Herbst dazu geführt, dass vorhandene Gemeinschaftsunterkünfte der Asylbewerber überfüllt waren und Notunterkünfte geschaffen werden mussten. Nach einem drängenden Aufruf der Sozialverwaltung an die Bezirke, Abhilfe zu schaffen, habe sich die Lage wieder etwas entspannt, heißt es jetzt von Sprecherin Regina Kneiding.

Fast alle Berliner Plätze sind belegt

Aktuell existieren nach neuen Daten des Lageso berlinweit 5146 Plätze für Asylbewerber, die fast alle belegt sind. Rund ein Viertel der Plätze sind Notunterkünfte, die im Frühjahr wieder aufgelöst werden sollen. "Die Aufforderung an die Bezirke besteht deshalb fort, Plätze zu schaffen", sagte Kneiding. "Wir brauchen nicht nur Notunterkünfte, sondern auch ordentliche Gemeinschaftsunterkünfte."

Zuletzt hatte die Situation von Flüchtlingen in Deutschland für Debatten gesorgt, als eine Gruppe Flüchtlinge und Aktivisten vor dem Brandenburger Tor ein Protestcamp aufschlug, um gegen ihre Lebensumstände zu demonstrieren. Ihre Anliegen will Berlins neue Integrationsbeauftragte Monika Lüke nun gemeinsam mit Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) weiter verfolgen.

Die Residenzpflicht, die die Bewegungsfreiheit der Flüchtlinge einschränkt, sei "in den meisten Fällen nicht zumutbar", sagte Lüke der Berliner Morgenpost. "Auch dass Flüchtlinge nicht arbeiten dürfen, ist unzumutbar", so die Politikerin weiter. Entsprechende Forderungen, die darauf abzielen, die Residenzpflicht und das Arbeitsverbot zu reformieren, sollen laut Lüke vonseiten Berlins bereits auf der nächsten Integrationsministerkonferenz gestellt werden.

Lüke warnte in diesem Zusammenhang auch davor, die wachsenden Zahlen von Asylbewerbern in Deutschland zu dramatisieren. "Wir sind weit entfernt von den Werten der 90er-Jahre, wo das Zehnfache an Menschen kam", betonte Lüke. Ihre Überzeugung ist: "Die Politik sollte keine Ängste schüren, sondern gemeinsam überlegen, wie wir mit diesen Menschen umgehen wollen."

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