In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt gewandelt. Während damals noch Programme für Jugendliche ins Leben gerufen werden mussten, die keinen Arbeitsplatz bekommen haben, suchen heute die Arbeitgeber nach Auszubildenden. Neue Herausforderungen erfordern innovative Ideen. Deshalb wurde im vergangenen Jahr erstmals das Gütesiegel „Berlins beste Arbeitgeber“ verliehen. Am 22. Februar war es wieder so weit: Zehn Unternehmen sind im Hotel Courtyard by Marriott in Mitte mit dem begehrten Preis ausgezeichnet worden. Schirmherr der Veranstaltung war die Handwerkskammer Berlin.

Sich abheben von der Masse

Ziel der Auszeichnung ist es, sich positiv von anderen Unternehmen abzuheben und so größere Erfolge bei der Personalrekrutierung nachweisen zu können. Die Idee wurde vor vier Jahren in Hamburg geboren. „Wir hatten festgestellt, dass es bisher nur nationale Arbeitgeber-Wettbewerbe gab, an denen sich nur die ganz großen Unternehmen und Ketten beteiligten.

Für den Mittelstand, der in erster Linie regional agiert, gab es nichts“, sagt Jörg Forthmann, geschäftsführender Gesellschafter von Faktenkontor, einer Beratungsgesellschaft für Unternehmenskommunikation in Hamburg und Initiator des Wettbewerbs. Nach den ersten Wettbewerben in Hamburg, wurden die Gütesiegel auch für Berlin, München und das Rhein-Main-Gebiet etabliert. 24 Firmen beteiligten sich 2012 an dem Wettstreit um Berlins besten Arbeitgeber. Die Berliner Morgenpost ist Medienpartner. Im vergangenen Jahr waren es 21.

Den Spitzenplatz erreichte in diesem Jahr die Firma Optivo, europäischer Marktführer für professionelles und innovatives E-Mail-Marketing. Damit konnte sich das Unternehmen, das 2011 auf dem vierten Platz landete, deutlich steigern. Ebenfalls fünf Sterne erreichten die Unternehmensgruppe Dr. Eckert, die GRG Services Group und der Hersteller von Fleisch-Snacks, Jack Link's. Außerdem wurden je drei Mal drei Sterne und vier Sterne verliehen (siehe Kasten). Die Preisträger gehören dabei den unterschiedlichsten Branchen an.

Die Anzahl der Sterne hängt von einem wissenschaftlichen Bewertungsmodell nach Prof. Werner Sarges ab, einem der bedeutendsten Personaldiagnostiker Deutschlands. Befragt werden Führungskräfte und Mitarbeiter. Ziel ist es zu ergründen, welche Eigenschaften einen guten Arbeitgeber auszeichnen, welche Unternehmen durch ihre gute Personalarbeit aus der Unternehmerschaft heraustreten und vor allem die Meinung der Beschäftigten zu ihren Arbeitgebern auszuloten. Je höher der Deckungsgrad in den Antworten von Führungsebene und Mitarbeitern ist, desto besser steht die Firma da. Der Wettbewerb bewertet, wie die Unternehmen heute in der Personalarbeit aufgestellt sind und wie der Betrieb personell für die zukünftige Entwicklung gerüstet ist.

„Sie können sich alle ganz entspannt zurücklehnen, denn Sie gehören ohnehin zu den Guten“, sagte Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin bei der Preisverleihung. Er wies darauf hin, dass es in Zeiten von Twitter und sozialen Netzwerken immer wichtiger werde, ein guter Arbeitgeber zu sein. „Der Markt wird immer transparenter, die Unternehmen gläserner“, so Wittke. Unter diesem Aspekt seien solche Auszeichnungen immens wichtig. Denn nur gute Unternehmen würden auch gute Mitarbeiter bekommen und das sei in den vergangenen fünf Jahren immer schwieriger geworden. Die Fachkräftesicherung in Zeiten des demografischen Wandels ist deshalb das Hauptthema für die nächsten Jahre.

Gute Mitarbeiter gesucht

Die Zahl offener Stellen ist 2011 auch in Berlin hoch gewesen. Der Personalmangel geht quer durch alle Branchen und Unternehmensgrößen. Es fehlt nicht nur an Akademikern sondern an Fachkräften aller Qualifikationsniveaus. Immer häufiger klagen Unternehmen über mangelnde Bewerber und ein niedriges Qualitätsniveau. Nach der Fachkräftestudie Berlin-Brandenburg können 2015 mehr als 270000 Stellen nicht mehr besetzt werden. In 20 Jahren könnten es sogar 460000 sein. Besonders hoch sei der Bedarf bei IT-Dienstleistern, in der Gesundheitsbranche, im Luftverkehr und in der Chemieindustrie, so die Handwerkskammer. Etwa jeder zehnte Ausbildungsplatz bleibt unbesetzt. Immer mehr Firmen bereiten sich auf den wachsenden Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter vor, wollen sich als attraktive Arbeitgeber präsentieren. Das dabei beispielsweise das Siegel „Berlins bester Arbeitgeber“ hilft, davon zeugen zwei Beispiele: Ein IT-Unternehmen erzählte Faktenkontor, dass etwa 80 Prozent der Bewerber unaufgefordert auf das Gütesiegel zu sprechen kamen und eine Privatbank hatte nach der Auszeichnung plötzlich die doppelte Anzahl an Bewerbern.

„Wir wollen den Wettbewerb ausweiten und den Firmen eine Teilnahme erleichtern“, erklärt Forthmann. So soll die Befragung 2013 nicht mehr nur im vierten Quartal stattfinden. Man kann sich sofort nach der Anmeldung einen Termin aussuchen, der vielleicht eher in die auftragsschwächere Zeit fällt. Jeder Teilnehmer erhalte einen Berichtsband mit Anregungen zur weiteren Verbesserung.

„Letztlich melden sich auch nur die Firmen an, die selbstbewusst von sich sagen, wir sind gute Arbeitgeber“, sagt Jörg Forthmann von der durchführenden Agentur Faktenkontor. „Das Niveau ist bei den Teilnehmern in der Regel auch schon höher, als im sonstigen Berliner Durchschnitt.“