Das wissenschaftliche Konzept des Wettbewerbs „Beste Arbeitgeber“ wurde von Werner Sarges, Experte für Personal-Diagnostik an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg, ausgearbeitet. Er analysiert die teilnehmenden Firmen mit Hilfe einer wissenschaftlich fundierten Methode.

Morgenpost online: Sie haben vor vier Jahren den Wettbewerb „Beste Arbeitgeber“ zum ersten Mal in Hamburg geleitet, nun zum zweiten Mal in Berlin. Haben Sie an der Untersuchungsmethode in den Jahren etwas geändert?

Prof. Werner Sarges: Das wissenschaftliche Konzept hat sich in den letzten Jahren bewährt. Wir hatten zwar immer wieder Ideen, die Fragen zu ergänzen und die Erhebung somit um weitere Facetten zu erweitern, sind jedoch zu der Überzeugung gelangt, eine durchgängige Konstanz bei der Erhebung vorzuziehen. Da mittlerweile viele Firmen jedes Jahr wieder teilnehmen, bieten wir ihnen mit dem Untersuchungsbericht ein zuverlässiges Benchmark, ob sich die eigene Arbeitgeberqualität verbessert hat. Dies zeigt sich übrigens auch im diesjährigen Ranking in Berlin, wo der Sieger Optivo, aber auch die Unternehmensgruppe Dr. Eckert erneut am Wettbewerb teilgenommen und sich gesteigert haben. In Hamburg gibt es, bei deutlich mehr Teilnehmern, noch mehr Wiederholer.

Morgenpost online: Welches sind die Kernthesen, auf die Sie die Untersuchung stützen?

Prof. Werner Sarges: Die Untersuchung geht davon aus, dass sich die Attraktivität eines Arbeitgebers durch einen guten Umgang miteinander steigern lässt. Ein weiterer wichtiger Bewertungspunkt ist der, dass die Mehrheit der Beschäftigten im Unternehmen eine ähnliche Auffassung davon hat, wie die Zusammenarbeit verstanden wird und geregelt ist. Um das zuverlässig einschätzen zu können, dienen uns drei Ansätze: Wir bewerten maßgebliche Grundsätze der Unternehmenskultur und ergänzen die hier gewonnenen Eindrücke durch klassische Faktoren, wie sie auch aus dem EFQM-Modell (European Foundation of Quality Management) bekannt sind. Darüber hinaus erfassen wir die symbolisch wahrgenommene Unternehmenspersönlichkeit und benennen deren Stärken und Entwicklungsfelder.

Morgenpost online: Was bedeutet die Teilnahme für die Firmen?

Prof. Werner Sarges: Eine erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb erhöht die Aufmerksamkeitsstärke einer Firma, was insbesondere für sonst vielleicht nur wenig bekannte Firmen wichtig ist. Bewerbungen sind sehr unterschiedlich verteilt. Es gibt immer wieder Firmen, an die potenzielle Bewerber eher denken als an andere. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen haben es da nicht leicht, sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren, weil man über sie kaum etwas weiß oder ihnen noch kein Ruf vorauseilt. Solche Firmen profitieren immens von einer Auszeichnung als „Bester Arbeitgeber“.

Morgenpost online: Welchen Wert hat ein Preis für die Gewinner?

Prof. Werner Sarges: Folgt man der Schilderung von Firmen, die entsprechende Platzierungen in den vergangenen Jahren erreicht haben, gibt es im Wesentlichen drei Aspekte: Die Zahl der Bewerbungen steigt deutlich, teilweise auf das Doppelte. Die Qualität der Bewerbungen steigt, weil sich nun auch mehr qualifizierte Bewerber melden, die sich vorher eher bei anderen Firmen beworben haben. Zudem trägt der Stolz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spürbar zur Identifikation mit dem Unternehmen bei – was wiederum zu einer Leistungssteigerung führt.

Morgenpost online: In Hamburg haben in diesem Jahr 78 Firmen an dem Wettbewerb teilgenommen. In Berlin erst 24. Wie wollen Sie den Wettbewerb in Berlin stärker pushen?

Prof. Werner Sarges: Wir wollen ihn dadurch pushen, dass wir stärker mit der Handwerks- und Handelskammer zusammenarbeiten und gezielt auf Firmen zugehen, die Fachkräfte suchen. Außerdem hoffen wir auf Werbung durch die Unternehmen, die bereits mitgemacht haben. Kurz gesagt, Menschen ansprechen, die eine multiplizierende Wirkung haben. Berlin ist deutlich größer als Hamburg und im Kommen da sollte uns das gelingen.

Morgenpost online: Gibt es aus Ihrer Sicht Unterschiede zwischen Hamburg, Berlin, München oder dem Rhein-Main-Gebiet?

Prof. Werner Sarges: Das ist schwer zu vergleichen, weil die Branchen und die Unternehmen zu unterschiedlich sind. Berlin ist mindestens genauso attraktiv wie Hamburg, dort ist der Wettbewerb aber schon etablierter. Hamburg ist bereits im Kommen, Berlin erst allmählich. Und in Stuttgart machen zu wenige mit, dort haben wir den Wettbewerb wieder aufgegeben.

Morgenpost online: Im vergangenen Jahr wurden auch Sonderpreise verliehen. Warum in diesem Jahr nicht?

Prof. Werner Sarges: Es wurden diesmal keine so herausstechenden Merkmale gefunden, dass man sie mit einem Sonderpreis hätte ehren müssen. Sie konnten alle mit den Sternen aufgefangen werden, die erst im vergangenen Jahr eingeführt wurden. Vorher gab es nur ein Ranking. Mit den Sternen ist jetzt die Vergleichbarkeit besser geworden, ähnlich den Hotelsternen.