Schon bevor die Boni für die VW-Vorstände für das Geschäftsjahr 2026 feststehen, sorgen sie für reichlich Spekulationen. Auslöser ist ein Bericht des „Spiegel“, in dem es heißt, Volkswagen habe die Schwelle für den Erhalt der vollen Boni deutlich gesenkt. Diese Feststellung birgt enorme Sprengkraft angesichts der Tatsache, dass der Autobauer mit aller Macht die Kosten senken will und Zehntausende von Arbeitsplätzen abbaut. Werden also Klischees bedient: An den Kleinen spart man, und die Großen stopfen sich die Taschen voll? Ganz so einfach ist es wohl nicht.
Boni der VW-Vorstände bestehen aus verschiedenen Bausteinen
Zunächst einmal gilt: Es gibt für die Mitglieder des Vorstands nicht den einen Bonus. Die Bezüge setzen sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, aus einer Festvergütung und verschiedenen Boni. Die Boni teilen sich wiederum auf in Langzeit- und Jahresbonus.
Beim Langzeitbonus spielen der Gewinn und die Entwicklung des Aktienkurses über mehrere Jahre eine Rolle. Beim Jahresbonus die Umsatzsatzrendite sowie der Netto-Cashflow. Dafür werden Ziele gesetzt. Je nach Umfang, wie diese Ziele erreicht werden, variieren die Bonus-Bausteine.
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Bonus für VW-Vorstände ist gestaffelt
Bleiben wir beim Bonus, der abhängig ist von der Entwicklung der Umsatzrendite: Für das Geschäftsjahr 2026 wurde eine Umsatzrendite von 3,8 Prozent festgelegt, um den vollen Bonus zu erreichen. Würden 5,8 Prozent erreicht, würde der Bonus auf 175 Prozent klettern. Wären es nur 2,8 Prozent, würde er auf 50 Prozent sinken. Fakt ist: Die Schwelle für das Erreichen der 100-Prozent-Zahlung wurde gegenüber dem Vorjahr von 5,8 Prozent auf nun 3,8 Prozent gesenkt.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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Zu den Gründen und weiteren Überlegungen rund um das Thema Boni äußert sich das Unternehmen auf Nachfrage nicht. „Kein Kommentar“, lautet die kurze Antwort. Drängt sich damit die Mutmaßung auf, ein eher unangenehmes Thema soll wegen möglicher Empörung verschleiert werden? Die Rückmeldungen, die unsere Zeitung dazu aus unterschiedlichen Richtungen beim Autobauer erhielt, waren eher entspannt-nüchtern.
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Kein Aufschrei aus dem Arbeitnehmerlager bei VW
Es sei nur folgerichtig, dass der Schwellenwert für den Bezug des vollen Bonus gesenkt werde, wenn auch die Prognose für den Verlauf des Geschäftsjahres mager ausfällt, war zu vernehmen. Nach dem Motto: Die Hürde wächst und schrumpft analog zur Jahresprognose. Trotz des derzeit sehr angespannten Verhältnisses zwischen Vorstand und Betriebsrat blieb zu diesem Thema der Aufschrei aus dem Arbeitnehmerlager aus.
Genährt werden könnte ein Misstrauen gegenüber dem Absenken des Wertes für den vollen Bonus, weil der Autobauer in seiner am vergangenen Donnerstag veröffentlichten 9-Monats-Bilanz exakt eine Umsatzrendite von 3,8 Prozent ausweist. Punktlandung!? Im Prinzip ja, aber. . .
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Sondereffekte spielen für die Bonus-Bemessung bei VW wichtige Rolle
Denn die 3,8 Prozent Umsatzrendite berücksichtigen nicht sogenannte Sondereffekte. Werden die in die Betrachtung einbezogen, gab es gar keine Umsatzrendite. Der VW-Konzern wies für die ersten neun Monate rund 2,7 Milliarden Euro Verlust aus, für das dritte Quartal sogar 5,8 Milliarden Euro.
Sondereffekte gab es zuletzt reichlich. Allein Abschreibungen auf die VW-Tochter Porsche summierten sich auf 6,4 Milliarden Euro. Die resultieren aus der Neubewertung des Firmenwerts von Porsche. Dabei spielten Annahmen zum Geschäftsvolumen, mittel- und langfristige Ziele für die Umsatzrendite sowie Parameter wie Zinssätze und Risikoprämien eine Rolle. Nach Unternehmensangaben machen Faktoren wie Zinsen, die vom Unternehmen nicht beeinflusst werden können, die Hälfte der Bewertung aus.
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VW-Tochter Porsche musste Wert anpassen
Die gesamte Wertanpassung von Porsche läuft unter der Überschrift Goodwill-Anpassung. Soll heißen: Beim Porsche-Börsengang 2022 wurde ein Aufpreis mit in die Bücher genommen – genannt Goodwill –, in der Annahme auf nachhaltig gute Geschäfte. Allerdings ist der einstige Konzern-Margenkönig Porsche inzwischen zum Sorgenkind geworden.
Zurück zu den Vorstandsvergütungen und dem Grenzwert für das Erreichen der 100-Prozent-Boni, wenn es um die Umsatzrendite geht. Für das Bemessen der Boni werden nach Informationen unserer Zeitung die genannten Sondereffekte sehr wohl berücksichtigt. Soll heißen: Dieser Bonus-Baustein wird für das Jahr 2026 mit großer Wahrscheinlichkeit komplett oder sehr gering ausfallen, denn die erforderlichen 3,8 Prozent liegen in sehr weiter Ferne. Für das Gesamtjahr 2026 peilt der Konzern eine Rendite von lediglich bis zu einem Prozent an, wie er im September in einer Ad-hoc-Mitteilung ankündigte.
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2024er Tarifverträge sieht Verzicht der VW-Chefs vor
Anders könnte es hingegen beim Jahresbonus-Baustein aussehen, der sich auf den Netto-Cashflow bezieht. Der entwickelt sich vergleichsweise gut und könnte zum Jahresende, wenn Lagerbestände aufgelöst werden, noch besser werden. Beim Langfrist-Bonus wiederum wird es vermutlich Abschläge geben, weil die Krise seit Jahren das Ergebnis und den Aktienkurs drückt. Konkretes wird das Unternehmen erst im nächsten Frühjahr veröffentlichen.
Ganz unabhängig davon wird die Gesamtjahresvergütung des Vorstands und auch des Managements schrittweise reduziert. Das ist ein Baustein des Ende 2024 geschlossenen Tarifvertrags. 2025 und 2026 verzichtete und verzichtet der Vorstand demnach auf 11 Prozent seiner Gesamtjahresvergütung. 2027 sind es dann 8,5 Prozent, für 2028 sind 6,5 Prozent vorgesehen und für 2029 weitere 5,5 Prozent.
Beim Management ist bei der Gesamtjahresvergütung ein Verzicht von jeweils 8 Prozent in den Jahren 2025 und 2026 vereinbart. 2027 sind weitere 6,5 Prozent vorgesehen, 2028 dann 4,5 Prozent und 3,5 Prozent im Jahr 2029.









