Die eigenen Finanzen? Schaue ich mir an, wenn ich mehr Zeit habe. Bestimmt. Nur: Mehr Zeit ist nie da. Und plötzlich feiert man den 50. oder 60. Geburtstag. Also ist man arm dran – und nichts mehr zu machen? Ganz im Gegenteil. Davon ist Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Geldratgebers Finanztip, überzeugt.

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„Zwischen 50 und 65 ist die Zeit“, sagt er, „in der man das Leben genießen und zugleich für später vorsorgen kann.“ Tenhagen hat dazu das 320-seitige Buch „Finanzen ab 50. Es ist nicht zu spät“ geschrieben. Er hat Statistiken durchforstet, Bankangebote durchleuchtet und Rentenfragen durchdacht. Die wichtigsten Tipps zur finanziellen Vorsorge ab 50 gibt er hier.
Finanzen ab 50: Welche Maßnahmen sich besonders lohnen
Zwischen 30 und 50 fehle eigentlich immer Geld, meint Tenhagen: „Da schlägt das Leben besonders zu. Haushalt gründen, Kinder bekommen, der Kerl passt nicht mehr, der Job geht.“ Jenseits der 50 sei das Haus dagegen oft schon abbezahlt oder der Mietvertrag alt und günstig, die Kinder aus dem Haus. Und im Beruf seien bereits „einige Schritte“ gemacht, sodass das Einkommen „meist über dem Schnitt liegt“.
Zur besser verdienenden Hälfte der Bevölkerung gehöre laut Tenhagen ein Single mit monatlich gut 2300 Euro netto, ein Paar mit 4500 Euro und eine Familie mit Kindern mit knapp 5700 Euro. Vor allem sei „60 das neue 40“, so Tenhagen. Statistisch gesehen hätten Menschen zwischen 60 und 65 Jahren in Deutschland noch etwa 18 bis 25 Jahre vor sich. Es bleibt also Zeit, Geld anzulegen.
Spar-Anfänger im Alter: Das sind die ersten Schritte
„Machen Sie den Kassensturz“, rät Tenhagen, „gucken Sie, was Sie wirklich haben. Wie hoch ist Ihr Nettoeinkommen? Bekommen Sie Geld vom Staat? Was geben Sie monatlich aus?“ Anders gesagt: Führen Sie ein Haushaltsbuch. Listen Sie alle regelmäßigen monatlichen Zahlungen auf, etwa für Miete, Energie, Telekommunikation, Streamingdienste und Mitgliedsbeiträge. Auch Ausgaben, die nur einmal im Jahr anfallen, etwa die Kfz-Steuer, sollten Sie auf den Monat umrechnen.
Darüber hinaus notieren Sie, wie viel Sie für Lebensmittel, Kleidung, Kneipenbesuche und andere alltägliche Dinge ausgeben. Auch jede Kugel Eis, jeder Cappuccino? „Ja“, sagt Tenhagen, „das machen Sie zwei oder drei Monate lang, dann haben Sie den Überblick.“ Am Ende ziehen Sie Bilanz, wissen, was unter dem Strich im Monat bleibt.
Ich habe 100 Euro im Monat übrig. Wie wird mehr daraus?
Spiele ich noch Fußball, warum zahle ich noch den Vereinsbeitrag? Habe ich womöglich drei und nicht nur eine Auslandskrankenversicherung? Brauche ich wirklich vier Streamingdienste? Es lohne, alle Verträge zu prüfen, sagt Tenhagen, und Preise zu vergleichen. Manche Girokonten seien kostenlos, für andere fielen Gebühren an.
Beim Wechsel der Kfz-Versicherung seien schon mal „200 bis 300 Euro drin im Jahr“. Und die ein oder andere Versicherung werde gänzlich hinfällig: „Die Berufsunfähigkeitsversicherung brauchen Sie im Ruhestand nicht, auf die Risikolebensversicherung können Sie auch verzichten.“ Tenhagens Trick: „Sie nehmen sich jede Woche einen Vertrag vor, verbessern oder kündigen ihn, danach belohnen Sie sich, etwa mit einem guten Essen.“ So würden aus den 100 Euro am Ende mehr. Doch damit allein sei es nicht getan. Auch die Geldanlage spiele eine Rolle.
Mein ganzes Geld liegt auf dem Girokonto. Wie sortiere ich meine Finanzen?
„Sie brauchen vier Geldtöpfe“, rät der Experte. Erstens: Ein Girokonto für die alltäglichen Geschäfte. Auch – zweitens – eine Kreditkarte, mit der sich zum Beispiel eine hohe Rechnung bezahlen oder im Ausland ein Auto mieten lässt. Drittens: Ein Tagesgeldkonto für den Notfall, auf dem am besten drei Monatsnettoeinkommen geparkt werden, wenn etwa mal das Auto und der Kühlschrank gleichzeitig kaputtgehen. Zu guter Letzt empfiehlt Tenhagen ein Depot. Es dient der langfristigen Geldanlage und dem Vermögensaufbau.
Ich kenne mich mit Geldanlagen nicht aus. Müssen es Aktien sein?
Einzelaktien empfiehlt Tenhagen nur Liebhabern, „die Lust haben, sich reinzuknien, auch kein Risiko scheuen“. Sein Tipp für alle anderen: „Investieren Sie in einen weltweit angelegten, breit gestreuten Aktien-Indexfonds, üblicherweise ETF genannt.“ Sie bilden etwa den Weltaktienindex MSCI World ab. Der Vorteil: Dahinter stecken tausende Aktien, die Risikostreuung ist größer. „In der Vergangenheit hat es im Schnitt ein Plus von etwa 8 Prozent im Jahr gegeben“, meint Tenhagen, „mit 6 Prozent im Schnitt lässt sich auch in den kommenden Jahren rechnen.“
Eigentlich bin ich sparsam – wie viel Geld ist überhaupt nötig?
Dahinter stehe die „Wie will ich später leben?“-Frage, so Tenhagen. Gehe ich früher in Rente, gleiche die dafür fälligen Abschläge aus, arbeite aber nebenbei, sei das „lukrativ“: „Seit Anfang 2023 gibt es keine Grenze mehr für den Hinzuverdienst von Frührentnern.“ Will ich im Alter in derselben Wohnung bleiben, steht womöglich ein altersgerechter Umbau an – etwa mit einem Schlafzimmer im Erdgeschoss und einem Bad in der Nähe. Oder doch ein Umzug in die Senioren-WG? Mit allem sei zu rechnen, am Ende auch mit einem Pflegeheim. „Das kostet Sie aktuell dann jeden Monat im Schnitt 3.600 Euro. Die übrigen 2.500 Euro zahlt die Pflegeversicherung.“ Tenhagen empfiehlt den Finanztip-Ruhestandsrechner, um zu wissen, wann das Geld reicht.
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Bleibt am Ende eine Frage: Wann bin ich wirklich reich? Tenhagen sagt: „Wirklich reich sind Sie dann, wenn Sie sich über Geld keine Sorgen mehr machen müssen. Da hilft ein Plan.“
Das Buch „Finanzen ab 50: Es ist nicht zu spät“ erscheint am 2. November 2026 im Verlag Droemer TB, Taschenbuch: 15,00 Euro, E-Book 12,99 Euro.










