Der Herbst dringt in die deutschen Wohnzimmer vor, und immer häufiger wird zusätzlich zur Kuscheldecke die Heizung hochgedreht. Doch für Haushalte mit Gasheizung könnte es im kommenden Jahr teurer werden: Die Netzentgelte dürften 2027 steigen. Wer seine Kosten senken will, sollte deshalb den eigenen Tarif prüfen. Ein Wechsel noch vor dem Jahresende kann sich lohnen – allerdings nicht für jeden Haushalt.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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„Grundsätzlich sollten Verbraucher nicht auf irgendeinen Zeitpunkt achten, sondern eher auf die Vertragslaufzeit“, sagt Hasibe Dündar von der Verbraucherzentrale Berlin. Besonders bei älteren Verträgen oder in der Grundversorgung lohne sich ein Blick auf die Konditionen.

Auch eine Preisgarantie schützt nicht immer vor höheren Gaskosten. Sie deckt häufig nur die Beschaffungskosten ab, während steigende Netzentgelte, Steuern, Umlagen oder Abgaben ausgenommen sein können. In solchen Fällen können Versorger die Mehrkosten trotz laufender Preisgarantie weitergeben. Auch in der Grundversorgung sind Preiserhöhungen unter bestimmten Voraussetzungen möglich. „Davor ist man nicht geschützt“, sagt Dündar.

Gaspreise 2027: Netzentgelte für Gas steigen vermutlich an

Für das kommende Jahr gibt es erste Anzeichen für steigende Netzentgelte. Das Dienstleistungsunternehmen Ene‘t hat die vorläufigen Preisblätter von 46 Gasverteilnetzbetreibern analysiert. Diese decken 42 Prozent der gasversorgten Fläche Deutschlands ab. Bei einem Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden kommt das Unternehmen auf ein Netto-Netzentgelt von 603,47 Euro für das Jahr 2027. Im Vergleich zu diesem Jahr ist das ein Anstieg von 7,25 Euro beziehungsweise 1,2 Prozent. Das Vergleichsportal Verivox kommt in einer aktuellen Berechnung auf einen Anstieg von 3 Prozent im Bundesdurchschnitt.

Wenn sich Netzentgelte, Steuern, Umlagen oder Abgaben ändern, gibt der Versorger diese weiter. Davor ist man nicht geschützt.

Hasibe Dündar,, Verbraucherschutz Berlin

Allerdings sind die regionalen Unterschiede groß. Das höchste Entgelt fällt im Netz der brandenburgischen E.dis an, dort zahlt der Musterhaushalt 977,68 Euro im Jahr 2027, das sind 1,8 Prozent mehr als im laufenden Jahr. Das niedrigste Entgelt bieten die Stadtwerke Greven mit 301,51 Euro pro Jahr an. Zwischen den beiden Netzgebieten liegen damit mehr als 676 Euro Unterschied im Jahr. Jedoch steigen auch in Greven die Kosten: 2027 zahlt der Musterhaushalt dort 4,8 Prozent mehr, was 13,70 Euro entspricht.

Doch es gibt auch rückläufige Entwicklungen: Die baden-württembergische Enerregio etwa senkt die Netzentgelte für den Musterhaushalt um 42,40 Euro im Jahr (8 Prozent) – der Musterhaushalt zahlt dort 489,60 Euro im kommenden Jahr.

Gaspreis-Prognose für 2027: Experte warnt vor steigenden Kosten

Die steigenden Netzentgelte werden voraussichtlich auf die Verbraucher umgelagert. Doch sie sind nicht der einzige Faktor, der den Gaspreis bestimmt: Die Weltlage und die Gasspeicherfüllung spielen laut Dündar dabei ebenfalls eine Rolle.

Die deutschen Gasspeicher sind laut Bundesnetzagentur zu 60 Prozent gefüllt. Zielvorgabe für den 1. November ist laut Gasspeicherfüllstandsverordnung ein Füllstand von 80 Prozent. Letztes Jahr betrug der Füllstand um diese Jahreszeit 76 Prozent. Ob der Füllstand starke Auswirkungen auf den Preis hat, hängt vor allem von der Härte des Winters ab. Denn: Fällt der Winter kalt aus und steigt die Nachfrage, kann das die Preise am Großhandelsmarkt nach oben treiben. Ob und wann sich das auf die Tarife der Haushalte auswirkt, hängt auch vom jeweiligen Vertrag ab.

Zudem sorgen aber auch die seit Beginn des Iran-Kriegs stark gestiegenen Großhandelspreise für Preisdruck. Sie sind seit Februar 2025 Verivox zufolge um rund 5 Cent (netto) pro Kilowattstunde in die Höhe geschossen. Das entspricht einem Preisanstieg von rund 140 Prozent. „Wir erwarten zum Jahreswechsel flächendeckende Preiserhöhungen, in denen die Gasversorger die höheren Beschaffungskosten an ihre Kunden weitergeben“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. „Sie werden sich je nach aktuellem Tarif zwischen 10 und 20 Prozent bewegen. Wer ein Einfamilienhaus beheizt, muss mit Mehrkosten von bis zu 500 Euro rechnen.“

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Gaspreise: Wie wirkt sich der CO₂‑Preis aus?

Ein weiterer Kostenfaktor ist der CO₂‑Preis. Für die beim Verbrennen von Erdgas entstehenden Emissionen müssen die Unternehmen, die das Gas auf den Markt bringen, Emissionszertifikate erwerben. Die Kosten geben sie in der Regel an ihre Kunden weiter. Je höher der CO₂-Preis ausfällt, desto teurer wird damit auch das Heizen mit Gas. 2027 soll der CO₂-Preis in Deutschland nach den derzeitigen Plänen wie bereits in diesem Jahr zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne liegen.

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Heizkosten sind für viele Mieter ein wichtiger Kostenfaktor. Die Gaspreise könnten zum Jahresanfang stark ansteigen. (Symbolbild)© picture alliance / imageBROKER | Lilly

Hintergrund ist, dass der ursprünglich für 2027 vorgesehene Start des europäischen Emissionshandels für Gebäude und Verkehr (ETS 2) auf 2028 verschoben wurde. Anders als beim bisherigen deutschen System wird der CO₂-Preis dann stärker über den Handel mit Emissionszertifikaten bestimmt. Wie sich die CO₂-Kosten danach entwickeln, ist noch offen. Selbst wenn die Großhandelspreise wieder sinken, könnten steigende CO₂-Preise das Heizen mit Gas langfristig verteuern.

Preisvergleich bei Gas: Expertin erklärt, worauf Sie achten sollten

Wie stark sich steigende Kosten auf die eigene Gasrechnung auswirken, hängt auch vom bestehenden Vertrag ab. Wer eine Preisgarantie hat, ist je nach deren Umfang vor bestimmten Preiserhöhungen geschützt. Läuft sie aus oder endet der Vertrag bald, kann sich ein Wechsel lohnen. Ob ein anderer Anbieter tatsächlich günstiger ist, zeigt ein Tarifvergleich. Dündar rät dazu, Vergleichsportale zu nutzen. „Verbraucher und Verbraucherinnen können durchschnittlich zwischen mehr als 100 Gasanbietern wählen. Da ist ein individueller Vergleich aufwendig“, sagt die Expertin.

Wichtig für Verbraucher: Die Grundlage für einen belastbaren Vergleich sind der Jahresverbrauch sowie Arbeits- und Grundpreis. Dafür wird der Verbrauch in Kilowattstunden mit dem Arbeitspreis je Kilowattstunde multipliziert und der jährliche Grundpreis hinzugezählt. Erst diese Jahreskosten zeigen, welches Angebot günstiger ist. Die Höhe des monatlichen Abschlags sagt darüber wenig aus: Niedrige Vorauszahlungen können zunächst attraktiv wirken, später aber zu einer hohen Nachzahlung führen. Dündar rät zudem, die letzte Jahresabrechnung genau anzusehen.

Vergleichsportale erleichtern die Suche nach einem passenden Angebot, zeigen allerdings nicht sämtliche Versorger und Tarife, weshalb hier der Blick auf mehrere Portale hilft. Bei der Suche sollten Bonuszahlungen zunächst ausgeblendet werden, empfiehlt Dündar. So werden die regulären Kosten sichtbar. Anschließend lässt sich prüfen, ob ein Bonus tatsächlich einen Vorteil bringt, welche Bedingungen daran geknüpft sind und welche Kosten nach dem ersten Vertragsjahr entstehen.

Ebenso wichtig sind die Vertragsbedingungen und Erfahrungen anderer Kunden. Wiederkehrende Beschwerden über Abrechnungen, nicht ausgezahlte Boni oder ein schwer erreichbarer Kundenservice können Warnsignale sein.

Expertin rät: Laufzeit und Preisgarantie genau prüfen

Neben dem Preis entscheidet die Laufzeit darüber, ob ein Tarif passend ist. Dündar empfiehlt in der Regel zwölf Monate Vertragslaufzeit, um auf neue Angebote reagieren zu können. Eine Preisgarantie kann Planungssicherheit schaffen, schützt aber nicht zwangsläufig vor jeder Erhöhung. Bei eingeschränkten Garantien können etwa Steuern, Abgaben oder Netzentgelte ausgenommen sein; maßgeblich ist der exakte Wortlaut der Bedingungen.

Ein regulärer Wechsel ist zum vertraglich vorgesehenen Termin möglich, nicht automatisch zum Jahresende. Kündigt der Versorger eine Preiserhöhung an, besteht grundsätzlich ein Sonderkündigungsrecht – unabhängig vom Umfang der Erhöhung. Die dafür geltenden Fristen sollten dem Ankündigungsschreiben entnommen werden. In der Grundversorgung gilt eine reguläre Kündigungsfrist von zwei Wochen.

Vorsicht vor Haustürgeschäften: Angebote immer genau prüfen

Zur Vorsicht mahnt Dündar bei Angeboten am Telefon oder an der Haustür. Zeitdruck, vermeintlich besonders niedrige Abschläge und Unterschriften, die angeblich nur einen Besuch bestätigen sollen, sind Gründe, Unterlagen zunächst in Ruhe zu prüfen.

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„Schlafen Sie lieber noch eine Nacht über ein gutes Angebot. Sollte dies dann angeblich nicht mehr existieren, ist das Angebot grundsätzlich sehr kritisch zu betrachten“, so Dündar. Die Befürchtung, bei einem gescheiterten Wechsel ohne Gas dazustehen, ist dagegen unbegründet: Haushaltskunden werden über die Grundversorgung immer weiter beliefert.