Gas- und Ölheizungen in Wohngebäuden müssen bald mit einem kleinen, aber zunehmenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe versorgt werden. Wie soll das funktionieren, und was bedeutet das für die Besitzerinnen und Besitzer von Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern?

Heizen mit Gas und Öl: Was ist geplant?

Unternehmen, die Heizgas und -öl verkaufen, sollen ab 2028 klimaneutrale oder kohlenstoffarme Brennstoffe beimischen. Erdgas würde dann beispielsweise einen geringen Anteil Biogas aus der Landwirtschaft enthalten. Das Bundeswirtschaftsministerium nennt das „Grüngas/Grünheizölquote“. 2028 soll der Anteil ein Prozent betragen, 2030 fünf Prozent, 2035 dann 20 Prozent, 2040 schon 50 Prozent. Danach sind schnelle Steigerungen auf 100 Prozent vorgesehen. Wie das alles genau umgesetzt wird, ist noch unklar. Bisher gibt es nur ein zweiseitiges Eckpunkte-Papier aus dem Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU).

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Die Quote ist ein Teil der Neuregelung, mit der die Union-SPD-Regierung das frühere Gebäudeenergiegesetz der vorhergehenden SPD-Grüne-FDP-Koalition ersetzt. Darin stand: Alte Gas- und Ölheizungen dürfen höchstens 30 Jahre laufen. Danach sind moderne Heizungen einzubauen, welche zu 65 Prozent mit erneuerbarer Energie arbeiten. Das hatte zu einem Aufschrei geführt.

Mit dem jetzt neuen Gebäudemodernisierungsgesetz dürfen alte Gas- und Ölheizungen drinbleiben und auch neue eingebaut werden. Trotzdem gilt aber weiterhin das Ziel der Klimaneutralität bis 2045. Bis dahin sollen auch Gas- und Ölheizungen im Prinzip kein klimaschädliches Kohlendioxid mehr ausstoßen. Die Grüngasquote betrifft den Brennstoff für alle Heizungen in Wohngebäuden, egal ob sie alt oder neu sind.

Die Wärmebildkamera zeigt Temperaturunterschiede an einem Wohnhaus. Beim Heizen mit Gas sollen bald neue Regeln gelten.
Die Wärmebildkamera zeigt Temperaturunterschiede an einem Wohnhaus. Beim Heizen mit Gas sollen bald neue Regeln gelten.© Shutterstock | Ivan Smuk

Klimafreundlich Heizen: Was ist die „Biotreppe“?

Für neue Gas- und Öl-Heizungen gibt es eine zusätzliche Regelung. Die heißt „Biotreppe“. Die Hausbesitzer müssen Verträge mit ihren Gas- und Öllieferanten abschließen, durch die der fossile Brennstoff ab 2029 zunächst zehn Prozent klimafreundliche Beimischung enthält. Bis 2040 steigt dieser Anteil auf 60 Prozent. Aber warum die Parallelität von Quote und Treppe? Die Regierung will sowohl die Verbraucher als auch die Gas- und Ölkonzerne anhalten, ihren Teil beizutragen. Dabei gilt die Biotreppe für Wohn- und Gewerbegebäude. Sie betrifft also auch die Heizungen von Bäckereien, Werkstätten und anderen Firmen.

Gasheizung bald noch teurer? Für wen die Quote gilt

Im Gegensatz zur Biotreppe soll aber die neue Grüngas- und Grünölquote nur für Wohngebäude gelten. „Die Verbrauchsmengen von Industrie und Gewerbe (…) werden von der Quotenverpflichtung ausgenommen“, heißt es in den Eckpunkten des Wirtschaftsministeriums. Eine Sprecherin schreibt zur Erklärung: „Industrie und Gewerbe stehen unter Kostendruck, besonders, wenn sie im internationalen Wettbewerb tätig sind.“ Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung bringt es auf diesen Punkt: „Offenbar sollen Unternehmen vor zusätzlichen Energiekosten geschützt werden.“

Was bedeutet das für Privathaushalte?

Sie würden die Kosten der Biogas-Ökonomie wohl alleine tragen. Und dass diese steigen, vermuten die meisten Fachleute. Denn damit Rohbiogas aus der Landwirtschaft in Gebäudeheizungen verfeuert werden kann, braucht es zusätzliche Anschlüsse an das Gasnetz und neue Aufbereitungsanlagen. Die Brennstoffpreise bei Biomethan-Beimischung könnten „bis 2030 real um 25 Prozent und bis 2040 um 130 Prozent gegenüber heutigen Erdgaspreisen steigen“, sagt Kemfert. Auch der Verband der Gas- und Wasserstoffwirtschaft geht von höheren Kosten durch wachsende Grüngas-Anteile aus, allerdings geringeren als Kemfert.

Warum setzt die Regierung auf Gas?

Während vor allem die Grünen in der Ampel-Regierung auf erneuerbaren Strom aus Wind- und Solarkraftwerken setzten, spielen nun Erdgas und Biogas eine größere Rolle. Den Verband der Gasunternehmen freut das. Das mögliche ökonomische Kalkül dahinter beschreibt Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner so: Die neue Grüngasquote „dient auch dazu, die Gasinfrastruktur am Laufen zu halten“. Mehr als 500.000 Kilometer Leitungen umfasst das hiesige Netz, Dutzende Milliarden Investitionen stecken darin. Damit möchten die Firmen noch möglichst lange Geld verdienen. Wobei selbst der Gasverband davon ausgeht, „dass sich der Gasbedarf im Wärmemarkt bis 2045 ungefähr halbiert“. Bis dahin werden wohl ökostrombetriebene Wärmepumpen einen großen Teil übernehmen, weil Elektrizität billiger ist als Gas.

Will die Regierung die Landwirtschaft fördern?

Biogasanlagen gehören oft landwirtschaftlichen Betrieben, sie bieten zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für Bauern. Diese Klientel liegt der Union besonders am Herzen.

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Ist das ein Weg zur Klimaneutralität?

Auf dem Papier ja. Es fällt aber auf, dass sowohl die Grüngas- und -ölquote als auch die Biotreppe in den kommenden zehn Jahren eher langsam ansteigen. Die größte Zunahme ist zwischen 2035 und 2045 geplant. Fraglich erscheint, ob das dann durchsetzbar ist. Merkwürdig ist auch, wie Gewerbeheizungen bis 2045 komplett klimaneutral werden sollen, wenn sie die Quote bis dahin nicht erfüllen müssen. Der Bundesverband Erneuerbare Energien empfiehlt deshalb, auch Industrie und Gewerbe schon früher einzubeziehen.