Die Deutsche Bahn soll Züge ausfallen lassen, um ihre Verspätungsstatistik zu schönen. Zahlreiche Mitarbeiter berichteten dem „Spiegel“, dies sei „mittlerweile geübte Praxis“.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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Das Magazin beschreibt einen konkreten Fall, der sich am vergangenen Dienstag zugetragen haben soll. Demnach sei der ICE 616 am Morgen von München nach Hamburg unterwegs gewesen. Schon in Köln habe der Zug etwa eine Stunde Verspätung angesammelt. Dort sei Passagieren und wartenden Fahrgästen dann gemeldet worden, dass der Zug ausfalle. Der offiziell angegebene Grund: ein „kurzfristiger Personalausfall“.
Tatsächlich aber sei aus der Verkehrsleitzentrale der Bahn gemeldet worden: „Zug fällt zur Verbesserung der Statistik ab Köln aus.“ Der Hintergrund: Fällt ein Zug aus, zählt er nicht in der Statistik.
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Als pünktlich geht ein Zug in die Statistik ein, wenn er einen Halt mit maximal 5:59 Minuten Verspätung erreicht. Im Vergleich etwa zur Schweiz ist das eine sehr laxe Pünktlichkeitsdefinition. Die Bahn dementiert, dass es eine solche Praxis gebe, um die Statistik aufzubessern. „Die DB schönt keine Statistiken“, schreibt das Unternehmen. Zugleich habe der Konzern gegenüber dem „Spiegel“ eingeräumt, in Einzelfällen Zugfahrten vorzeitig zu beenden. Nämlich dann, wenn es betrieblich sinnvoll sei.
Wie der „Spiegel“ schreibt, ist die Verspätungsstatistik für alle Manager der Bahn von zentraler Bedeutung. Sie wird bei den großen Bilanzpressekonferenzen, aber auch den Aufsichtsräten gezeigt. Ein Dashboard zu aktuellen Verspätungen sei auf Dienstgeräten einsehbar. Und genau in dieses Dashboard hatte das Nachrichtenmagazin Einblick. So konnte es für den erwähnten Dienstag erkennen, dass die Pünktlichkeit bei 49,2 Prozent gelegen habe.
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Im Vergleich zum Vormonat Juli konnte die Bahn ihre Pünktlichkeit im August zwar verbessern – doch noch immer erreichten die Fernverkehrszüge 40,4 Prozent der Halte zu spät. Im Juli waren es noch 43,9 Prozent. Wie die Bahn mitteilte, wirkten sich neben vielen Baustellen und Störungen beispielsweise auch die Brandanschläge bei Duisburg stark auf den Verkehr aus.
Das eigene Pünktlichkeitsziel konnte die Bahn somit auch im August nicht erreichen. Der scheidende Vorstandsvorsitzende Richard Lutz hat für das gesamte laufende Jahr eine Pünktlichkeitsquote von 65 bis 70 Prozent im Fernverkehr als Ziel ausgegeben. Gut fünf Prozentpunkte fehlen zu diesem Ziel noch.
Die Nachfolgerin oder der Nachfolger von Lutz könnte bereits am kommenden Montag (22. September) feststehen. Ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte in Berlin, man sei guter Dinge, dass am Montag „nicht nur“ Schnieder in der Bundespressekonferenz sitzen werde. Das hänge aber noch von vielen Dingen ab. Der Minister stellt am Montag Eckpunkte einer Reform der bundeseigenen Deutschen Bahn vor.
dw/dpa






