Mit der Suche nach Spitzenpersonal hat Wolfram Tröger reichlich Erfahrung. Als Personalberater vermittelt er Vorstände oder Geschäftsführer in neue Positionen. Bei der Suche nach einem neuen Bahnchef oder einer Bahnchefin mischt er zwar nicht mit. Doch für den krisengeschüttelten Konzern sei diese keine einfache Aufgabe. „Wahrscheinlich gibt es nur eine Handvoll Leute, die für den Job infrage kommen“, schätzt Tröger.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

Abonnieren Sie kostenlos den Wirtschafts-Newsletter der Berliner Morgenpost

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Denn für die Deutsche Bahn reicht es nicht, einen großen Konzern leiten oder sanieren zu können. Da sind weitere Fähigkeiten gefragt. So steht der Vorstand ständig im Blickfeld der Öffentlichkeit und muss mit deren Kritik umgehen. Auch mischen sich Regierung und Politiker ständig in Entscheidungen ein. Zudem muss das Management auf einen neuen Kurs eingestimmt und mitgenommen werden. Wie genau die künftige Ausrichtung der Bahn aussehen wird, wissen nur wenige Eingeweihte im Bundesverkehrsministerium. Die Grundzüge stehen, doch erst am 22. September will Minister Patrick Schnieder (CDU) die neue Eigentümerstrategie vorstellen. Dann will er auch der Nachfolger des bisherigen Vorstandschefs Richard Lutz präsentieren.

Deutsche Bahn: Headhunter sagt, wer als Bahnchef jetzt infrage kommt

„Der Zeitplan ist ambitioniert“, dämpft Tröger die Erwartungen an eine schnelle Nachfolgeregelung. Denn auch finanziell ist der Spitzenjob im Bahntower nicht erste Klasse. Mit zuletzt gut zwei Millionen Euro im Jahr liegt die Vergütung deutlich unter dem Niveau etwa der Unternehmen im Dax. Deren Vorstandschefs kassieren mit durchschnittlich über sechs Millionen Euro drei Mal so viel. Daher dürfte es schwer fallen, einen Manager oder eine Managerin aus einem anderen Großunternehmen abzuwerben.

Auch interessant

Daher hält Tröger auch eine eher überraschende Personalie für möglich: „Hier muss man auch nach Kandidaten und Kandidatinnen schauen, die ein großes Potenzial versprechen, aber noch eine Liga tiefer spielen.“ Eine gewisse Gier nach Erfolg könnte so der Antrieb für das geforderte außergewöhnliche Engagement sein. Die Motivation müsse groß sein, Deutschlands „Manager des Jahres“ zu werden, glaubt der Headhunter.

Deutsche Bahn: Wie man vorgeht, um den richtigen Kandidaten zu finden

Angeblich hat der Bahn-Aufsichtsrat bereits Personalberater beauftragt. Deren Geschäft läuft naturgemäß gut verborgen hinter den Kulissen. Die auf Spitzenmanager spezialisierten Vermittler haben den Markt ständig im Blick. Sie wissen, wessen Verträge wie lange laufen und wo die Stärken und Schwächen der potenziellen Kandidaten liegen. Anhand der Aufgabenbeschreibung des Aufsichtsrats sondieren sie dann, wer infrage kommen könnte.

203213_1325_203213_cover.jpg
#13 Volker Wissing über Heldentum, Verrat und Christian Lindner
Meine schwerste Entscheidung
 

Aus einer zunächst längeren Liste mit Namen wird schließlich eine ziemlich kurze. „Man muss extrem vorsichtig agieren“, erläutert Tröger, „um keine weitere Unruhe im Markt zu verbreiten.“ Denn wenn jemand mitbekommt, dass vor ihm oder ihr bereits eine Reihe von Managern abgewunken haben, stellt sich schnell das Gefühl ein, nur zweite oder dritte Wahl zu sein. Im Erfolgsfall wird können sich Headhunter über eine hohe Vergütung freuen. Ein Drittel des Jahresgehalts der betreffenden Position sei die Regel, heißt es aus der Branche. Doch zuvor müssen die Anwärter das suchende Unternehmen noch in Gesprächen von ihren Qualitäten überzeugen. Bei der Bahn bereitet der Personalausschuss des Aufsichtsrates für die Berufungen vor. In dem Gremium sind auch Gewerkschafter vertreten.

Deutsche Bahn: Neuer Bahnchef darf ruhig „Stallgeruch“ haben

Minister Schnieder rechnet mit ausreichend vielen Interessenten für den Job. Namen werden derzeit reichlich gehandelt. Das Feld dürfte sich bei jenen schnell lüften, die mit dem Transportwesen noch keine Erfahrungen vorweisen können. „Der Bahnchef muss logistische Expertise im Güter- und Personenverkehr haben“, verlangt etwa Peter Westenberger vom Verband der privaten Güterbahnen. Kenntnisse über Infrastrukturunternehmen hält auch Tröger für wichtig. Eine Besetzung aus der Bahn selbst wäre eine denkbare Lösung. „Stallgeruch muss nicht schädlich sein“, sagt der Experte.

Auch interessant

Ob die bisher genannten Managerinnen und Manager am Ende in das Profil passen, lässt sich angesichts der noch fehlenden Bahnstrategie des Bundes nicht einschätzen. Genannt wird hier beispielsweise der Vorstandschef der Siemens Mobility, Michael Peter. Der 59-jährige kennt die Branche und verfügt über die notwendige Expertise. „Ein höheres Alter ist kein Hindernis“, glaubt Tröger.

Deutsche Bahn: Nicht nur der Chefsessel ist vakant

Auch zwei Frauen werden in den Medien als aussichtsreiche Kandidatinnen angesehen. Bisher eher unbekannt ist Anna-Theresa Korbutt, die den Hamburger Verkehrsverbund leitet. Für sie spricht sich der Fahrgastverband Pro Bahn aus. Sollte der Posten aus den Reihen des bisherigen Bahnvorstands rund um Richard Lutz besetzt werden, gilt die Chefin des Regionalverkehrs, Evelyn Palla, als Favoritin. Wer am Ende das Rennen macht, ist dennoch ungewiss. Schließlich lehrt die Erfahrung, dass die erstgenannten Anwärter am Ende häufig leer ausgehen.

Bei der Bahn wird nicht nur der Chefsessel neu besetzt. Auch ein neuer Finanzvorstand muss berufen werden, nachdem der bisherige, Levin Holle, zu Friedrich Merz ins Kanzleramt gegangen ist. Die Koalition hat schon angekündigt, dass es im Aufsichtsrat Veränderungen geben wird. Dort sei mehr Fachexpertise notwendig, heißt es im Koalitionsvertrag. Auch ist grundsätzlich von einer Verkleinerung des mit acht Managern ausgestatteten Konzernvorstands die Rede.