Studie

Corona steigert offenbar Risiko für Parkinson und Alzheimer

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Rebecca Baden
Demenz frühzeitig erkennen: Das sind die Symptome von Alzheimer und Co.

Demenz frühzeitig erkennen: Das sind die Symptome von Alzheimer und Co.

Vorstellung von Symptomen und Anzeichen, die auf Demenz hindeuten könnten.

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Covid-19 steigert laut Forschenden das Risiko mehrerer neurologischer Erkrankungen. Doch das tut auch eine viel geläufigere Krankheit.

Berlin. Über die langfristigen Folgen einer Corona-Infektion ist noch immer nicht viel bekannt. Ein dänisches Forschungsteam versuchte nun herauszufinden, ob Covid-19 das Risiko für neurologische Erkrankungen erhöht. Das Ergebnis: Gegenüber gesunden Menschen hatten Covid-Positive eine 3,5 Mal höhere Wahrscheinlichkeit an Alzheimer zu erkranken und eine 2,6 Mal höhere für Parkinson. Allerdings stieg dieses Risiko auch mit einer Atemwegserkrankung, die viel geläufiger ist als das Coronavirus.

Die Erkenntnisse aus der Studie des Forschungsteams von der Universität und dem Uni-Klinikum Kopenhagen sollen dabei vor allem einen Ausblick liefern: "Das Ziel der Studie war es, einen ersten schnellen Blick auf den Einfluss von Covid-19 bei neurologischen Erkrankungen zu geben", erklärten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in ihrem Forschungspapier.

Die Ergebnisse basieren auf den tatsächlichen Inzidenzen neurologischer Erkrankungen und auf statistischen Risiko-Berechnungen. Die Forschenden stellten sie vergangene Woche auf dem 8. Kongress der Europäischen Akademie für Neurologie (EAN) in Wien vor.

Corona: Höhere Wahrscheinlichkeit für neurologische Erkrankungen?

Dort zeigte das Team, dass Corona die Wahrscheinlichkeit einer neurologischen Erkrankung seinen Berechnungen zufolge tatsächlich erhöht: So sollen ehemalige Covid-Kranke im Vergleich zu gesunden Menschen nicht nur ein gesteigertes Alzheimer- und Parkinson-Risiko haben (3,5 bzw. 2,6 Mal höher), sondern auch eine 2,7 Mal höhere Chance auf einen ischämischen Schlaganfall (Hirninfarkt) und eine 4,8 Mal höhere auf eine Hirnblutung. Ein ischämischer Schlaganfall entsteht durch eine Unterbrechung des Blutflusses in einer Arterie.

Die Daten für ihre Studie hatten die Forschenden aus den elektronisch gespeicherten Gesundheitsinformationen von mehr als der Hälfte der dänischen Bevölkerung erhalten, also von fast 3 Millionen Menschen. Doch nicht alle nahmen an der Studie teil: Das Forschungsteam nutzte Daten von rund 920.000 Personen, die allesamt auf Covid-19 getestet worden waren.

Die Anzahl der positiv Getesteten lag am Ende bei rund 43.000, die Kranken waren in stationärer oder ambulanter Behandlung. Anschließend beobachteten die Forschenden, ob sich in den zwölf Monaten nach der Covid-Erkrankung neurologische Krankheiten bei dieser Gruppe entwickelt hatten.

Corona soll Alzheimer-Risiko erhöhen – aber das tut die Grippe auch

Doch die Forschenden machten eine weitere interessante Entdeckung, denn gleichzeitig führten sie diese Beobachtungen auch bei Menschen durch, die sich entweder mit einer bakteriellen Lungenentzündung (Pneumonie) oder der Grippe angesteckt hatten. So verglichen sie nicht nur das relative Risiko von neurologischen Erkrankungen bei Covid-Erkrankten im Vergleich zu negativ Getesteten, sondern auch im Vergleich zu anderen Atemwegserkrankungen.

Dabei fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heraus: Auch Influenza- und Pneumonie-Kranke hatten gegenüber gesunden Menschen ein höheres Risiko, eine neurologische Folgeerkrankung zu bekommen. Für die meisten der analysierten neurologischen Erkrankungen war das Risiko der Covid-Positiven ungefähr gleich hoch wie bei Grippe- und Pneumonie-Kranken.

Allein das relative Risiko eines ischämischen Schlaganfalls war bei Covid-Kranken 1,7 Mal höher als bei Grippe-Erkrankten und sogar 2,7 Mal höher als bei Pneumonie-Patienten und Patientinnen über 80. Die Wahrscheinlichkeit anderer neurodegenerativer Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Myasthenia gravis, dem Guillain-Barré-Syndrom oder Narkolepsie nahm bei keiner der Atemwegserkrankungen zu.

Corona greift langfristig vor allem die Gefäße an

Eine mögliche Erklärung für dieses Risiko liefert das Forschungsteam nicht. Allerdings hatten bereits andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausgefunden, dass das Coronavirus für Veränderungen in den Gefäßen verantwortlich ist. Die Schädigung der Blutgefäße sei verantwortlich für die Langzeitfolgen, hieß es zum Beispiel in der Fachzeitschrift "Kompakt Kardiologie".

Auch Pardis Zarifkar, die Hauptautorin der dänischen Studie, sieht den Forschungsbeitrag ihres Teams lediglich als Ansatz für weiterreichende Studien – inbesondere auch im Zusammenhang mit den tatsächlichen und noch nicht absehbaren Langzeitfolgen: "Größere Studien in naher Zukunft müssen unsere ersten Erkenntnisse bestätigen oder widerlegen."

Definitive Antworten über die Effekte von Covid-19 auf unsere Körper bringt demnach vor allem die Zeit.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.