Bundesliga

Union strebt gut organisiert in Richtung Klassenerhalt

Union beendet die erste englische Woche des Jahres erfolgreich. Und erinnert dabei an die Tage rund um den Aufstieg in die Bundesliga.

Unions Doppeltorschütze Marius Bülter (Mitte) feiert mit seinen Teamkollegen den Auswärtssieg in Bremen.

Unions Doppeltorschütze Marius Bülter (Mitte) feiert mit seinen Teamkollegen den Auswärtssieg in Bremen.

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

Berlin. Durchatmen. Urs Fischer tat dies am Sonnabend nach dem zweiten Auswärtssieg seiner Mannschaft. Der Trainer des 1. FC Union tat dies auch am Sonntag, als er jenes 2:0 bei Werder Bremen einreihen sollte in die bisherigen Auftritte der Berliner in ihrer Bundesliga-Premieren-Saison.

Großer Schritt zum Klassenerhalt? Angesichts von neun Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze sogar noch mehr? Fischer ließ sich zu zwei Worten hinreißen, mehr nicht. „Wichtiger Sieg“, sagte der Schweizer. Er folgt damit seiner Maxime, die er seiner Mannschaft mit Amtsantritt im Sommer 2018 verordnet hat: von Spiel zu Spiel denken.

Nein, Fischer will nichts wissen davon, „ob wir etwas geschafft haben oder nicht. Erst wenn rechnerisch nichts mehr möglich ist, haben wir etwas geschafft. Wir bleiben unserer Linie treu“, erklärte der Schweizer später.

Union Berlin liegt neun Punkte vor den Abstiegsrängen

Es ist die Fischer-typische Analyse nach einer englischen Woche, die mit dem 0:5 in Dortmund so desaströs begonnen hatte und über den Pokal-Kampf beim SC Verl sowie dem Sieg an der Weser zu einem guten Ende geführt wurde. Eine Woche, von der man im Lager der Köpenicker am Saisonende vielleicht sagen wird: Diese erste Woche im Februar hat letztlich die Weichen für ein zweites Jahr im Fußball-Oberhaus gestellt.

Neun Punkte auf Relegationsplatz 16 dürfen schon als ein durchaus beruhigendes Polster bezeichnet werden. Natürlich kann im Fußball eine Menge passieren, doch dass das Keller-Trio Fortuna Düsseldorf, Werder Bremen und SC Paderborn in den letzten 13 Saisonspielen dreimal mehr gewinnt als Union, darf zumindest zum jetzigen Zeitpunkt bezweifelt werden.

Union selbst hat mit den drei Auftritten in der ersten englischen Woche des Jahres dafür gesorgt, dass man im rot-weißen Lager zuversichtlich ins letzte Saisondrittel gehen kann.

Union Berlin zeigt sich lauffreudig und aggressiv

Organisation ist alles – Fischer selbst hat den Fußball, den er mit Union spielen lassen will, so definiert. In Bremen zeigte die Mannschaft eine Organisation, die dem Trainer gefallen hat. Wenn Fischer nun eine „erwachsene Leitung“ seines Team im Weserstadion gesehen hat, so kommen die 90 Minuten gegen Werder einer Reifeprüfung gleich, die Union bestanden hat.

Die Bremer waren trotz enormer 70 Prozent Ballbesitz nicht in der Lage, den Gegner müde zu spielen und gefährliche Chancen zu kreieren. Das ist auf die Ideenarmut der Gastgeber zurückzuführen, nicht zuletzt aber auch auf die engagierte Teamleistung des Gegners.

Nicht nur Fischer sah seine Profis „unheimlich lauffreudig, sehr aggressiv in den Zweikämpfen und mit einer guten Spielfortsetzung nach Ballgewinnen“. Eigenschaften einer Mannschaft, die den Gegner zu Ballverlusten zwingen will, um dann selbst gefährlich nach vorn zu spielen. So wie beim 1:0 durch Marius Bülter, entstanden aus einem mustergültigen Konter eingeleitet von Yunus Malli und Vorbereitet vom in Bremen starken Christopher Lenz.

Union Berlin schlägt die Bremer mit deren Waffen

Auf die gleiche Art hatte Werder unter der Woche im DFB-Pokal den Dortmundern den Zahn gezogen. Am Sonnabend war es an Union, den Gegner mit dessen eigenen Waffen zu schlagen.

„Die Organisation hat wirklich gut gepasst, auch wenn du dafür viel aufwenden musst. Aber wir haben gezeigt, dass wir das annehmen und umsetzen können“, sagte Fischer. Wer genau hingehört hat, konnte ein gutes Stück Zufriedenheit in seiner Stimme wahrnehmen.

Der zweite Grund, warum diese englische Woche so entscheidend für einen erfolgreichen Kampf um den Klassenerhalt für Union sein kann, ist im mentalen Bereich zu suchen. Fischer gelang es, die Pleite in Dortmund – und mit ihr auch aufkommende Zweifel an der Bundesligatauglichkeit – aus den Köpfen der Spieler zu verbannen. „Das Spiel in Dortmund hat Kraft gekostet, auch mental“, gab Fischer zu.

Union Berlin blendet Rückschläge aus

Erinnerungen an die bislang erfolgreichste Woche der Vereinsgeschichte werden wach. Im Mai 2019 hatte Union mit dem 2:2 beim VfL Bochum die greifbare direkte Aufstiegschance verspielt. Die Folge waren leere Köpfe und totale Niedergeschlagenheit. Vier Tage später meldete sich Union mit einem bemerkenswerten 2:2 in der Relegation beim VfB Stuttgart zurück.

Nun folgte dem Niederschlag von Dortmund eine willensstarke Leistung in Verl, bei dem Union trotz aller Widrigkeiten bis zum Schluss an die Siegchance geglaubt hatte. Lohn war der nach knapp 20 Jahren erstmalige Sprung ins Pokal-Viertelfinale.

Gestärkt durch den Auftritt in Verl ließ Union nun in Bremen keinen Zweifel daran, dass man nicht verlieren werde. Mit ähnlichem Selbstvertrauen hatte Union das Relegationsrückspiel gegen Stuttgart (0:0) bestritten.

Union Berlin darf sich nicht ausruhen

Auch die wenigen Rotationen in der Startelf verfehlten ihre Wirkung nicht. Bülter und Malli wurden im Pokal geschont, ebenso Innenverteidiger Neven Subotic, um nun in Bremen frischer ins Spiel gehen zu können.

Zumindest was Bülter und Subotic angeht, ging der Plan auf. Malli war die fehlende Spielpraxis immer noch anzumerken. Beim VfL Wolfsburg, von wo Malli bis Saisonende ausgeliehen ist, kam er lediglich bei zwei Europa-League-Spielen zu Kurzeinsätzen. Fischer nahm den Rechtsaußen dennoch in Schutz: „Er hat viele weite Wege gemacht.“

Fakt ist: Union hat eine schwierige Woche gut gemeistert. Das macht Mut ist aber auch Verpflichtung zugleich. Oder wie Fischer es formulierte: „Im Fußball kann es schnell gehen. Also: Ruhe dich nicht aus.“ Ein Durchatmen wird er seinen Profis aber sicher erlaubt haben.

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