Bundesliga

Bei Union Berlin geht der Blick jetzt wieder nach oben

Union Berlin gewinnt 2:0 gegen Werder Bremen und holt beim direkten Konkurrenten Big Points im Abstiegskampf.

Marius Bülter (l.) und seine Teamkollegen von Union Berlin feiern den Auswärtssieg in Bremen.

Marius Bülter (l.) und seine Teamkollegen von Union Berlin feiern den Auswärtssieg in Bremen.

Foto: Matthias Koch via www.imago-images.de / imago images/Matthias Koch

Berlin. Marius Bülter strahlte – das breite Lächeln wollte dem Mittelfeldspieler des 1. FC Union gar nicht mehr aus dem Gesicht weichen. Zu Recht, denn Bülter hatte fußballerisch alle überstrahlt. Mit seinen zwei Toren, mit denen er dem Bundesliga-Aufsteiger aus der Hauptstadt am Sonnabend den so wichtigen 2:0 (0:0)-Sieg bei Werder Bremen beschert hatte.

„So haben wir uns das erhofft“, sagte Doppeltorschütze Bülter, „aber es war ein hartes Stück Arbeit.“ Und die bislang wohl wichtigsten drei Punkte, die Union mit seinem zweiten Auswärtssieg der Saison geholt hatte – ausgerechnet gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. Mit einer Niederlage wären die Köpenicker nah herangerutscht an die Abstiegszone. So aber hat sich der Aufsteiger erstmal ordentlich Luft verschafft, kletterte auf Rang elf. Neun Punkte Vorsprung sind es auf Relegationsplatz 16 und auf die Bremer, die auf Platz 17 abgestürzt sind. Der Blick bei Union, er geht wieder nach oben. „Das liest sich nicht schlecht“, sagte Matchwinner Bülter. „Das waren heute Big Points für uns.“

Union Berlins Trainer Fischer baut seine Startelf auf vier Positionen um

Dass Union sich jene holen würde, war nicht selbstverständlich. In Bremen aber wurde deutlich: Die 0:5-Klatsche in Dortmund am vergangenen Wochenende hat keine Spuren hinterlassen, was die Moral angeht. Das Selbstvertrauen ist wieder da, auch dank des Viertelfinaleinzuges nach dem 1:0-Sieg am Mittwoch im DFB-Pokal beim SC Verl.

Im Vergleich zum Pokalauftritt änderte Trainer Urs Fischer seine Startelf in Bremen gleich auf vier Positionen, stürmte wieder mit einer Spitze (Sebastian Andersson) und ließ Bülter in der Offensive auf links und Yunus Malli auf rechts für Anthony Ujah und Marcus Ingvartsen auflaufen. In der Dreierabwehrkette rotierte Neven Subotic für Michael Parensen in die Anfangsformation, Florian Hübner ersetzte den gelbgesperrten Marvin Friedrich.

Es wurde aber recht schnell deutlich, dass der Viertelfinaleinzug nicht nur für Union ein Kraftakt war. Auch Werder Bremen hatte beim 3:2-Überraschungscoup gegen Borussia Dortmund am vergangenen Dienstag enorm viele Körner gelassen. Dementsprechend zäh war die erste Halbzeit. Union beschränkte sich auf das Verhindern von Bremer Offensivbemühungen.

In der zweiten Hälfte kontert Union die Bremer aus

Halbwegs gefährlich wurde es vor dem Tor von Union-Keeper Rafal Gikiewicz, der sich nach kleiner Knie-Blessur aus dem Pokalspiel fit meldete, allerdings nur, als Maximilian Eggestein den Ball nach einem Abpraller knapp neben den rechten Pfosten schob (27. Minute). Der Halbzeitpfiff glich daher fast einer Erlösung, die erste – äußerst ereignisarme – Hälfte gehörte definitiv nicht in die Kategorie Fußball-Leckerbissen. Es konnte also nur besser werden.

Und es wurde besser. „Wir wussten, dass Bremen den Druck erhöhen und es Räume für uns geben würde, die wir nutzen müssen“, sagte Bülter: „Das haben wir gemacht.“ Zunächst konnte Bremens Torhüter Jiri Pavlenka eine Union-Führung noch verhindern, als er einen Kopfball von Stürmer Andersson, der gerade erst seinen Vertrag bei den Köpenickern über das Saisonende hinaus verlängert hat, mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte (50.).

Zwei Minuten später aber hatte der Tscheche das Nachsehen. Als Bülter und seine Teamkollegen die erhofften Räume nutzten und einen Konter sauber zu Ende spielten. Winterzugang Malli legte aus dem Mittelfeld auf die linke Seite, wo Außenverteidiger Christopher Lenz zum Sprint ansetzte und eine maßgenaue Flanke in den Bremer Strafraum brachte. Bülter musste in der Mitte nur noch einschieben (52.).

Unions Ruhnert lobt Bülters Kampfbereitschaft

Danach schien der Offensivknoten bei Union endgültig geplatzt. Die Berliner wurden mutiger, was wiederum auch Bremen ein paar Chancen eröffnete. Doch weder Ex-Herthaner Davie Selke aus spitzem Winkel (59.) noch Leonardo Bittencourt aus gut 20 Metern konnten Unions Gikiewicz wirklich in Bedrängnis bringen. Stattdessen legte der Aufsteiger nach – in Person von Bülter.

Der 26-Jährige setzte in der 72. Minute zu seinem gefühlt 50. Vollsprint an, bediente Stürmer Andersson im Strafraum. Der Schwede scheiterte an Pavlenka, der den Ball aber nur abklatschen ließ. Schon war wieder Bülter zur Stelle und zwirbelte die Kugel von der linken Seite ins Netz. Das sechste Saisontor für den gebürtigen Ibbenbürener. „Bülti macht das super“, lobte Oliver Ruhnert, Unions Geschäftsführer Profifußball. „Der Junge zieht durch.“

Und bescherte den Berlinern nach einer kräftezehrenden Woche einen mehr als versöhnlichen Abschluss. Ab Dienstag gilt der Fokus dann dem nächsten Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am kommenden Sonnabend (15.30 Uhr, Alte Försterei) – mit einer Menge Selbstvertrauen und sicherlich dem einen oder anderen Strahlen im Gesicht.

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