Bundesliga

Union-Torwart Gikiewicz ist auf der Suche nach Stabilität

Unions Torhüter Gikiewicz war der große Rückhalt in der Aufstiegssaison. In der Bundesliga offenbart er jedoch einige Unsicherheiten.

Union-Torwart Rafal Gikiewicz begeistert mit einer Flugshow.

Union-Torwart Rafal Gikiewicz begeistert mit einer Flugshow.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Wenn es etwas gibt, das bei Rafal Gikiewicz immer gleich ist, egal ob er mit dem 1. FC Union ein Spiel gewonnen oder verloren hat, dann ist es sein Blick. Immer das Gegenüber fixierend, so wie ein Torwart eben, der normalerweise einen Schuss allein mit seinem Blick zu entschärfen versucht.

Entsprechend deutlich sind seine Augen auch fokussiert, als er vor dem Spiel bei Bayer Leverkusen am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) eine Art Zwischenfazit ziehen soll, was angesichts von erst vier Spielen in der Fußball-Bundesliga sicher noch wenig Aussagekraft besitzt. Doch Gikiewiczs Analyse nach 360 Erstliga-Minuten ist messerscharf, so wie sein Blick.

„Im Minimum drei Punkte zu wenig“, sagt der 31 Jahre alte Profi, „unser Ziel war es, gegen Werder Bremen zu gewinnen.“ Das 1:2 vom vergangenen Sonnabend hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Umstand, der die Sache doch ein wenig ungewöhnlich macht: Gikiewicz ist nicht ganz unschuldig daran.

Im Aufstiegsjahr 15 Mal ohne Gegentor

Rafal Gikiewicz, im Sommer vergangenen Jahres zu Union vom SC Freiburg gewechselt, wo er das Reservistendasein satt hatte – jener Gikiewicz war dazu auserkoren, endlich wieder für Sicherheit auf der Torwartposition bei den Köpenickern zu sorgen.

Vom ersten Trainingstag an ließ er keinen Zweifel daran, dass er die Nummer eins sein will und wird. Sein Ehrgeiz trieb ihn voran, dazu der unbedingte Wunsch, es wieder zurück in die Bundesliga zu schaffen. Der Pole war der große Rückhalt, den Union über viele Jahre vermisst hat. In 15 von 36 Spielen (inklusive den zwei Relegationsspielen gegen den VfB Stuttgart) blieb er ohne Gegentor und erreichte damit das von ihm selbst gesteckte Ziel.

Auch die Rückkehr in die deutsche Eliteliga gelang. Wieder etwas, was er auf seiner Liste abhaken konnte. Sogar zur polnischen Nationalmannschaft wurde Gikiewicz eingeladen. Ein Sommer wie gemalt für den Profi, der von den Fans auch noch zum Unioner des Jahres gewählt wurde.

Gikiewicz: „Ich bin kein Roboter“

Mit Sicherheit hat er an die auch für ihn persönlich großartige Saison anknüpfen wollen – nur mit der Sicherheit auf dem Platz hapert es derzeit ein bisschen. Das mag wie ein Jammern auf hohem Niveau klingen, doch der Torwart selbst ist es gewesen, der mit seinen Leistungen die Latte entsprechend hoch gelegt hat.

Macht er sich zu viel Druck in dem Bestreben, es nun allen zeigen zu wollen, dass er zum Beispiel damals in Freiburg zu Unrecht nur zweite Wahl gewesen ist? „Das ist kein Druck, ich bin ein normaler Mensch und kein Roboter“, sagt Gikiewicz. Wieder der Blick, der nur im ersten Moment zu widersprechen scheint und ihn dann doch bestätigt mit dem Feuer, das er ausstrahlt.

„Jeder macht Fehler. Passieren im Fußball keine Fehler, steht es streng genommen immer 0:0.“ Doch Menschen machen nun mal Fehler. Und die eines Torwarts wiegen meist schwerer als die der anderen Mitspieler.

Unkonzentriertheiten führen zu Gegentoren

Beispiel RB Leipzig. Das Auftaktspiel, Unions Premiere im Oberhaus, der schnelle Rückstand und ein Abwurf Gikiewiczs mit fatalen Folgen. „Ich will schnell spielen, aber wir sind nicht bereit“, erinnert sich der 1,90-Meter-Mann noch genau an die Szene vor dem 0:2.

Der Ball erreicht Kapitän Christopher Trimmel nur unzureichend, danach geht es zu schnell für die Unioner. „Alle sagen: Gikiewicz muss ein bisschen warten und den Ball lang schlagen. Aber wenn ich den Ball lang schlage, sagen alle: Gikiewicz schlägt nur lange Bälle“, sagt Gikiewicz.

Beispiel Werder Bremen. Die Unkonzentriertheit, mit der Gikiewicz den Ball ins Aus rutschen ließ, bescherte ihm in nur wenigen Augenblicken die komplette Gefühlswelt eines Fußballprofis. Der folgende Eckball führte zum Elfmeter, den Gikiewicz bravourös zu einer weiteren Ecke klärte, in deren Folge er dann doch das 1:2 kassierte.

Union-Trainer Fischer hält zu seiner Nummer eins

„Gute Flanke, Füllkrug kommt mit gutem Timing, Gegentor.“ Wenige Worte, mit denen Gikiewicz seinen großen Frust umschreibt. Jener Mann, der in der Aufstiegssaison nur 33 Gegentore in 34 Liga-Spielen kassiert hatte, weniger als eines pro Spiel. Nun, in der Bundesliga, sind es bereits zwei pro Begegnung.

„Das ist auch eine andere Liga, da musst du dich erst einmal zurechtfinden“, sagt Trainer Fischer: „Wir haben jetzt vier Spiele in der Bundesliga absolviert. Ich glaube schon, dass da der eine oder andere Fehler geschieht, wenn die Erfahrung fehlt. Aus diesen Situationen musst du lernen.“ Der Coach hält weiterhin zu seiner Nummer eins.

Es gibt auch keinen Grund, dies nicht zu tun. Denn er ist nach wie vor zu sehen, jener Gikiewicz, der angriffslustig aus seinem Tor stürzt und die Bälle abwehrt. Der einen Elfmeter in erstligareifer Manier hält. Der zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird. Es ist diese Selbstverständlichkeit in Sachen Sicherheit, die sich Gikiewicz wieder erarbeiten muss. Und mit der Union einen riesigen Trumpf hätte auf dem Weg zum Klassenerhalt.

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