BUNDESLIGA

Kalte Dusche für den 1. FC Union: 0:4 gegen Leipzig

Aufsteiger 1. FC Union geht im ersten Spiel seiner Bundesliga-Historie an der Alten Försterei mit 0:4 gegen RB Leipzig unter.

So sehr sich Union-Torwart Rafal Gikiewicz (M.) streckt, der Schuss von Marcel Halstenberg (nicht im Foto) landet im Tor der Berliner.

So sehr sich Union-Torwart Rafal Gikiewicz (M.) streckt, der Schuss von Marcel Halstenberg (nicht im Foto) landet im Tor der Berliner.

Foto: Foto: Hundt / Koch

Berlin. Grischa Prömel versuchte, gute Miene zum schlechten Spiel zu machen. Doch es wollte dem Mittelfeldspieler des 1. FC Union nicht gelingen. Nachvollziehbar nach einem Debüt, das er mit seinen Mitspielern gerade erst so richtig verpatzt hatte. „Die Enttäuschung ist riesig“, sagte Prömel.

Gleichwohl versuchte er sogleich, irgendetwas Positives aus den ersten 90 Minuten im Fußball-Oberhaus zu finden. Es sollte ihm gelingen. „Vielleicht ist es gleich ein Dämpfer, der uns zeigt, in der Bundesliga läuft es anders“, so Prömel, „aber wir sind nicht gekommen, um uns abschlachten zu lassen.“

Das mag martialisch klingen, traf am frühen Sonntagabend vor 22.467 Zuschauern in der Alten Försterei jedoch uneingeschränkt zu. Oder wie es Urs Fischer, Unions Trainer später bezeichnen sollte: „Wir sind angekommen in der Bundesliga, aber auf dem Boden.“

Stimmungsboykott stoppt nicht jeden Union-Fan

Tatsächlich ziert der Aufsteiger nach dem ersten Spieltag das Ende der Tabelle, kein Wunder nach der höchsten Auftaktniederlage eines Neulings seit Tennis Borussias 0:5 gegen Eintracht Braunschweig 1974. Dabei war alles angerichtet für ein stimmungsvolles Debüt der Köpenicker in der ersten Liga.

Während der Klub-Hymne von Nina Hagen wurden neben unzähligen Fanschals auch Dutzende von Plakaten mit Gesichtern verstorbener Union-Fans gezeigt. Zumindest im Geiste sollten jene dabei sein, die Unions Weg in den vergangenen Jahren begleitet hatten.

Ein wahrhaft emotionaler Moment und eine perfekte Einstimmung für die Premiere. Daran konnte auch der angekündigte Stimmungsboykott der Fans nichts ändern – weil sich eben nicht alle an das 15-minütige Schweigen hielten, selbst im Union-Fanblock auf der Waldseite nicht. Ein klarer Beweis dafür, dass es für nicht wenige vor allem um eines ging an diesem späten Sonntagnachmittag: um Fußball.

Unions Prömel vermisst Geschlossenheit auf dem Platz

Der wurde dann auch tatsächlich gespielt – jedoch vor allem von den Gästen aus Leipzig. Der Aufsteiger, das wurde schnell deutlich, hatte arge Probleme mit dem Tempo, dass der Champions-League-Teilnehmer auf den Rasen brachte.

„Wir haben viel von dem vermissen lassen, was uns in der vergangenen Saison stark gemacht hat“, sagte Prömel und sprach vor allem die Geschlossenheit auf dem Platz an. Kapitän Christopher Trimmel bemängelte, dass „wir nur nach hinten verteidigt haben anstatt nach vorn. Wir waren nicht mutig genug.“

Dabei hatte Trainer Fischer zum Großteil jenen Spielern vertraut, die vor einer Woche in Halberstadt mit einem 6:0 den Sprung in die zweite DFB-Pokalrunde geschafft hatten. Drei Änderungen gab es. Marvin Friedrich kehrte wie erwartet in die Innenverteidigung neben Keven Schlotterbeck zurück, Michael Parensen flog aus dem Kader. Zudem spielte Robert Andrich neben Christian Gentner auf der Doppelsechs, und Suleiman Abdullahi ersetzte auf der rechten Außenbahn Sheraldo Becker.

Union-Torwart Gikiewicz leitet das 0:2 ein

Abdullahi war auch gleich am ersten Tor beteiligt, als er sich vom Leipziger Marcel Halstenberg mit einer einfachen Drehung ausspielen ließ. Der Nationalspieler nahm Maß und schoss den Ball locker an Union-Torwart Rafal Gikiewicz vorbei zum 0:1 ein – genau 51 Sekunden nach dem Ende des Stimmungsboykotts (16.).

Apropos Gikiewicz: Sein schlechter Abwurf auf Christopher Trimmel leitete in der 31. Minute das nächste Gegentor ein. Der Kapitän verlor den Ball prompt an Halstenberg, der sofort Marcel Sabitzer am Strafraum bediente, 0:2.

Acht Minuten zuvor war das vermeintliche 0:2 durch Lukas Klostermann nach Videobeweis nicht anerkannt worden, Yussuf Poulsen hatte Hand gespielt. Wie schon beim ersten Videobeweis im Relegationsrückspiel gegen Stuttgart Ende Mai war erneut Union Nutznießer.

Andersson vergibt größte Union-Chance

Nach Poulsens Lupfer an die Latte (33.) war es schließlich Timo Werner, der im Zusammenspiel mit Sabitzer Unions Abwehr einfach aushebelte – 0:3 nach 42 Minuten.

Nach dieser ernüchternden ersten Halbzeit musste etwas passieren. Trainer Fischer brachte nach der Pause Anthony Ujah für Gentner als zweiten Stürmer, Andrich rückte dafür in die offensive Mittelfeldposition. Später ersetzte Becker noch Abdullahi (58.).

Und nachdem Gikiewicz das 0:4 durch Werner verhindert hatte (49.), war sie tatsächlich da, die erste echte Union-Chance in der Bundesliga. Andersson hatte sich in den Strafraum der Leipziger gedribbelt, verfolgt von Ibrahima Konaté. Der RB-Verteidiger stoppte Unions Angreifer mit einem blitzsauberen Tackling im Strafraum kurz vor dem Torschuss (56.).

Leipzigs Nkunku setzt den Schlusspunkt

Doch als Fischer Sebastian Polter für Andersson bringen wollte, um die kleine Hoffnung auf ein Remis am Leben zu halten, tauchten die Leipziger zu dritt vor Torwart Gikiewicz auf. Unions Schlussmann konnte nach dem Querpass von Sabitzer auf den eingewechselten Christopher Nkunku nur noch zuschauen, wie der Ball zum 0:4 im Tor landete (69.). Union hatte sogar noch Glück, dass Nkunku zehn Minuten vor Schluss nur den Pfosten traf.