1. FC Union

Bei Union beginnt jetzt der Kampf um die Plätze

Wenn der 1. FC Union heute ins Trainingslager in Österreich startet, hat Trainer Urs Fischer einige Baustellen zu bearbeiten.

Christopher Trimmel (l.) wird sich auf der rechten Außenverteidigerposition durchsetzen müssen.

Christopher Trimmel (l.) wird sich auf der rechten Außenverteidigerposition durchsetzen müssen.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Ein bequemes Bett, leckeres Essen und einen guten Fußballplatz: Mehr braucht Christopher Trimmel im Trainingslager nicht. Dass nun auch noch das Wetter mitspielt, wenn der Österreicher mit dem 1. FC Union an diesem Montag nach Windischgarsten/Österreich (8. bis 18. Juli) fährt, schafft perfekte Bedingungen. „23 Grad mit ein bisschen Regen. Besseres Wetter gibt es für Fußball nicht“, sagt der 32-Jährige. „Da werden wir uns voll auf die Arbeit fokussieren.“

Denn davon liegt jetzt eine Menge vor dem Bundesliga-Aufsteiger. Das Testspiel zur Saisoneröffnung gegen Bröndby IF (2:1) am Sonnabend hat nämlich eines ganz deutlich gezeigt: Bei Union herrscht jetzt knallharter Konkurrenzkampf. Auf allen Positionen.

Bis zum 2. September könnten noch einige Spieler gehen

Die Transferoffensive der Köpenicker hat den Kader auf 35 Spieler wachsen lassen. Zwar ist davon auszugehen, dass der eine oder andere den Klub bis zum Ende der Transferperiode am 2. September noch verlassen wird. Die meisten aber wollen unbedingt ein Teil der ersten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte sein. „Wir spielen jetzt in einer anderen Liga, da brauchen wir Qualität auch in der Breite. Konkurrenz zu haben, ist immer positiv, was die Qualität angeht“, sagt Trimmel. Trainer Urs Fischer und sein Team haben angesichts der Mannschaftsgröße nun mehrere Baustellen, an denen es in den zehn Tagen in Österreich zu arbeiten gilt.

Im Tor wird wohl vor allem der Kampf um die Nummer zwei ausbrechen. Rafal Gikiewicz, jüngst zu Berlins Profi-Fußballer der Saison gewählt, präsentierte sich in der vergangenen Spielzeit als zuverlässiger Rückhalt der Unioner. Dass Jakob Busk oder Neu-Keeper Moritz Nicolas (kam aus der U23 von Borussia Mönchengladbach) den Polen zwischen den Pfosten verdrängen könnten, ist unwahrscheinlich.

Auch Trimmel selbst wird sich als rechter Außenverteidiger gegen den jüngeren Teamkollegen Julian Ryerson beweisen müssen. Ebenso wie sein Pendant Ken Reichel auf der linken Seite im Duell mit Christopher Lenz. Fischer dürfte vor allem darauf schauen, welche Verteidiger gegen die schnelle Konkurrenz von Bayern München und Co. mithalten können.

Dass sich die etablierten Kräfte in der Innenverteidigung durchsetzen, darf nach der Sensations-Verpflichtung von Ex-BVB-Spieler Neven Subotic bezweifelt werden. Der Trainer hat nach der Rückholaktion von Marvin Friedrich und der Ausleihe von Freiburgs Keven Schlotterbeck die Qual der Wahl. Schließlich stehen auch noch Routinier Michael Parensen (33), der momentan angeschlagene Florian Hübner und Nicolai Rapp bereit. „Die größte Herausforderung wird sein, dass wir die Stimmung genau wie in der letzten Saison in der Kabine hochhalten, gut halten. Dass die Leute, die dazukommen, gut integriert werden“, sagt Trimmel. Dabei sieht auch er sich selbst in der Pflicht. Als Kapitän und als Teil des Mannschaftsrates. „Das ist unser Job, nicht nur der des Trainers“, weiß Trimmel.

Die ersten Zugänge deuten schon an, was sie können

Die Quote der unzufriedenen Spieler möglichst gering zu halten, wird vor allem im Mittelfeld eine echte Aufgabe. Sowohl auf den Außenbahnen als auch in der Zentrale herrscht ein Überangebot, das vor allem die Spieler aus der Aufstiegssaison herausfordern wird. Union hat dort vielversprechende Qualität verpflichtet. Florian Flecker auf der rechten Außenbahn zum Beispiel. Der Österreicher deutete im Test gegen Bröndby bereits an, wie schnell und wendig sein Spiel sein kann. Mit Zugang Sheraldo Becker und Suleiman Abdullahi stehen auf rechts zwei weitere Flügelspieler bereit, die besonders Akaki Gogia das Leben schwer machen werden.

Im zentralen Mittelfeld haben sich die Köpenicker mit dem Ex-Stuttgarter Christian Gentner viel Bundesliga-Erfahrung gesichert. Die Vita des 33-Jährigen weist 377 Spiele und 43 Tore in Deutschlands Elite-Spielklasse auf. Dagegen kommt selbst Manuel Schmiedebach mit 202 Bundesliga-Partien nicht an.

Drei Testspiele im Trainingslager

Dass die Bundesliga-Erfahrung der große Trumpf im Kampf um die Startelfplätze ist, könnte sich auch im Sturm bewahrheiten. Wobei vor allem Sebastian Polter die Konkurrenz mit Bundesliga-Torjäger Anthony Ujah, dem treffsicheren Sebastian Andersson und dem ambitionierten Marcus Ingvartsen nicht scheut. „Ich kenne die Situation, ich hatte das so ähnlich unter Felix Magath beim VfL Wolfsburg, wo wir auch relativ viele Spieler waren und am Ende die rausgepickt wurden, die die Qualität haben, erste Bundesliga zu spielen“, sagt der Offensivmann. Dass Ujah diese Qualität hat, hat er bei seinen 109 Einsätzen für Mainz, Köln und Werder Bremen in der ersten Liga schon bewiesen.

„Vielleicht ist es hier aber auch so, dass wir am Ende der Vorbereitung einen Kader von 26 oder 27 Spielern haben, aber das muss der Trainer entscheiden“, sagt Polter. Dem Trainer ist egal, aus wie vielen Spielern er am Ende sein Team für die Mission Klassenerhalt zusammensetzen kann. Er setzt nun erst einmal auf die Erkenntnisse in Österreich und aus den drei Testspielen gegen den SV Ried (12. Juli), Blau-Weiß Linz (13. Juli) und den First Vienna FC (17. Juli). Denn Fischer weiß: „Jetzt beginnt die Arbeit.“

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