Zweite Liga

Bei Union läuft’s schon wieder

Union startet mit komplettem Kader in die zweite Saisonhälfte – und mit einem Versprechen von Kapitän Trimmel ins Aufstiegsrennen.

Die Profis des 1. FC Union starten trotz Nieselregens gut gelaunt in die Vorbereitung

Die Profis des 1. FC Union starten trotz Nieselregens gut gelaunt in die Vorbereitung

Foto: Mathias Renner / City-Press GbR

Berlin.  Noch einmal sollte sich Christopher Trimmel umdrehen, um den Motivwunsch eines Fotografen zu erfüllen. Doch der Kapitän des 1. FC Union winkte nur kurz ab. „Ich bin müde“, sagte der Österreicher, ehe er sich grinsend auf den Weg in Richtung Kabine machte, sicher auch um dem lästigen Sprühregen zu entkommen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Pünktlich um 10 Uhr war der Winterurlaub für die Profis des Berliner Fußball-Zweitligisten am Montag beendet. Trainer Urs Fischer bat zur ersten Trainingseinheit des Jahres, am Nachmittag gab es gleich die zweite hinterher. Von wegen gemächlicher Start ins neue Jahr, auf dem Trainingsplatz hinter der Alten Försterei ging es gleich richtig zur Sache. Und wer gerade nicht mit Passübungen oder später dem Spielchen auf dem Kleinfeld beschäftigt war, musste laufen.

Alle 28 Profis waren an Bord, auch wenn Grischa Prömel wegen einer Beinverletzung individuelle Übungen absolvierte und Marc Torrejon nach seinem Wadenmuskelriss im Kabinenbereich auf dem Fahrrad-Ergometer saß.

16 Spiele, die im Aufstieg enden sollen

„Der Urlaub war jetzt nicht so lang, deshalb ging es auch gleich richtig los. Wir wissen, dass wir von Beginn an gut arbeiten müssen. Und wir waren nicht so lange getrennt, dass man irgendetwas neu erfinden muss“, sagte Trimmel, inzwischen geduscht und mit einem Heißgetränk ausgestattet. Vor den Profis liegen dreieinhalb Wochen Vorbereitung auf ein 16-Spiele-Restprogramm, an dessen Ende der Aufstieg in die Bundesliga stehen soll.

„Wir müssen genau so weitermachen wie bisher. Wir haben eine Vorgabe gegeben, an der halten wir auch fest“, so Trainer Fischer: „Zielsetzung des Vereins ist es, sich im Vergleich zur Vorsaison tabellarisch zu verbessern.“ Als derzeitiger Vierter liegt der Vorjahres-Achte dabei gut im Rennen. Oder wie es der Coach bezeichnete: „Wir sind auf einem guten Weg, aber der Weg ist noch nicht beendet. Es gibt keinen Grund zur Euphorie.“

Aber zu Optimismus. Daran kann selbst das 0:3 zum Rückrundenstart in Aue einen Tag vor Weihnachten nichts ändern, auch wenn es die erste Saison-Niederlage für die Köpenicker gewesen ist. „Ich bin davon überzeugt, dass wir auch mit Niederlagen gut umgehen können“, sieht Trimmel den Union-Kader im Vergleich zu den Vorjahren so gefestigt wie noch nie, seit er 2014 von Rapid Wien in die Wuhlheide gewechselt ist.

„Wir haben uns weiterentwickelt“

Seine Erklärung: „Wenn es 90 Minuten eine katastrophale Leistung gewesen wäre, wäre es anders gewesen. Aber spielerisch war es eine gute Leistung, vor allem in der ersten Halbzeit. Deshalb kann ich mit dieser Niederlage gut umgehen. Wichtig ist, dass wir die Lehren daraus ziehen.“

Eben das hat Union aus jedem noch so kleinen Rückschlag unter Trainer Fischer bislang getan. „Wir haben uns so weiterentwickelt, dass wir schon konstant gute Leistungen bringen. In den vergangenen Saisons gab es immer wieder einen Knick, wo wir drei, vier Spiele nicht gewonnen haben oder schlecht gespielt haben, was für mich noch schlimmer ist. Mein Ziel – auch als Kapitän – war es, dass wir älteren Spieler kontinuierlich gute Leistungen bringen, an denen sich die jüngeren auch aufrichten können.“

Die Marschroute nicht nur für die Vorbereitung, sondern auch im Liga-Alltag ist klar: Das Niveau so zu verbessern, dass die von Fischer geforderte Spielweise auch über die kompletten 90 Minuten auf den Platz gebracht werden können. Dass der Kader die Qualität dafür hat, war über weite Strecken in den bislang 18 Spielen zu sehen gewesen.

Zugänge gibt es nur, falls sich eine gute Gelegenheit bietet

Auch aus diesem Grund sieht Unions Geschäftsführer Oliver Ruhnert in Sachen Winterverstärkungen keinen Handlungsbedarf: „Wir vertrauen unserem Kader.“ Was nicht heißt, dass Union nicht doch aktiv wird, sollte sich auf dem Transfermarkt eine gute Gelegenheit bieten.

Trimmel ist jedenfalls „sehr zufrieden mit unserem Kader. Es ist das erste Mal, dass wir eine Mega-Bank haben und jederzeit reagieren können. Du hast keine Bedenken, dass nichts nachkommt, wenn mal einer müde wird oder sich verletzt.“

Mit diesem Wissen und dem daraus resultierenden Selbstvertrauen kann Union gestärkt in den Auftakt gegen Köln (31.1.) und St. Pauli (4.2.) gehen. „Die ersten Spiele sind schon richtungsweisend“, weiß nicht nur der Kapitän, „aber die Liga ist trotzdem verrückt genug, dass wir bei einer Niederlage gegen Köln nicht in der Kabine sitzen werden und sagen: War wieder nichts. Wir werden weiter jede Chance nutzen. Wir werden bis zum letzten Spieltag daran glauben, das kann ich versprechen.“

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