Zweite Liga

Weihnachtlicher Wermutstropfen für Union

Zweitligist Union kassiert zum Jahresabschluss in Aue seine erste Saisonniederlage und verbringt die Winterpause nun auf Rang vier.

Union-Torwart Rafal Gikiewicz, Marcel Hartel, Kapitän Christopher Trimmel, Joshua Mees, Ken Reichel und die Enttäuschung nach der ersten Saison-Niederlage

Union-Torwart Rafal Gikiewicz, Marcel Hartel, Kapitän Christopher Trimmel, Joshua Mees, Ken Reichel und die Enttäuschung nach der ersten Saison-Niederlage

Foto: Daniel Schäfer / dpa

Berlin.  Solch leeren Blick sieht man bei Sebastian Polter äußerst selten. Der Stürmer des 1. FC Union ist sonst der personifizierte Optimismus. Doch der Nachmittag vor Heiligabend in Aue wollte so gar nichts dazu beitragen, dass sich die Miene des 27-Jährigen irgendwie erhellte. Pragmatisch möchte man sagen: Irgendwann musste es ja mal passieren. Aber am letzten Spieltag des Jahres? Noch dazu im Ostderby bei Erzgebirge Aue? Das war dann vielleicht doch ein wenig zu viel, nicht nur für Polter, sondern für alle beim Fußball-Zweitligisten.

Das 0:3 (0:2) in Aue beendet Unions 19-Spiele-Serie ohne Niederlage jäher, als man es sich vor Weihnachten gewünscht hätte. „Die Effizienz hat gefehlt, auch bei mir“, versuchte Polter die letzten 90 Minuten das Jahres in Worte zu fassen. Es gelang nur bedingt.

Und auch wenn der Blick auf die anderen Plätze diese erste Niederlage im 18. Saisonspiel vielleicht ein wenig erträglicher machen könnte, im Grunde genommen macht er sie nur noch enttäuschender. Der Umstand, dass auch das Spitzenduo verlor, zunächst der 1. FC Köln am Freitag gegen Bochum (2:3), am Sonntag dann auch der Hamburger SV bei Holstein Kiel (1:3), unterstreicht die große Chance, die Union verpasst hat. Statt auf Relegationsrang drei mit Schlagdistanz zum Spitzenduo überwintert Union als Vierter, drei Zähler hinter dem FC St. Pauli und mit Kiel sowie dem 1. FC Heidenheim im Nacken.

Polter und Andersson stürmen zusammen

Dabei war Trainer Urs Fischer erstmals über seinen Schatten gesprungen und hatte mit Polter und Sebastian Andersson seine beiden Sturmspitzen gemeinsam in die Startelf beordert. Dazu Robert Zulj, Joshua Mees, Marcel Hartel im Mittelfeld – Union wollte den Kampfgeist der Sachsen mit temporeicher Offensive begegnen. „Der Trainer hatte gesagt, dass wir über die Konter kommen müssen“, verriet Emmanuel Iyoha den Auer Plan, der schließlich aufging.

Eben jener Iyoha war es, der nach nur sechs Minuten auf Unions rechter Seite – von Hartel nur begleitet – davonzog, den Ball in den Strafraum zurücklegte und sich darüber freute, dass Pascal Testroet mit einem Haken erst drei weitere Unioner verlud und dann zum 0:1 einschoss. Die mit nun 15 Gegentoren immer noch beste Defensive der Liga war auf einfachste Art ausgespielt worden.

Dabei war es eine „starke erste Halbzeit“, die Trainer Urs Fischer von seiner Mannschaft gesehen hatte, auch „genug Chancen“, um wieder ins Spiel zurückzufinden. Allein Mees (32., 45.+2), Zulj (34.) und Polter (45.) vergaben beste Möglichkeiten, auch weil Aues Torwart Martin Männel einen Glanztag erwischt hatte.

Profis steigen am 7. Januar wieder ins Training ein

Auf der andere Seite flog Unions Torwart Rafal Gikiewicz nach knapp einer halben Stunde vergeblich dem Ball hinterher. Erneut Testroet, diesmal vom Elfmeterpunkt, erhöhte auf 0:2 (29.). Joshua Mees hatte einen Schuss des Auers Jan Hochscheidt an den linken Arm bekommen. Weil der Union-Profi den Arm aber vom Körper wegbewegte und den Ball damit wegschob, gab es richtigerweise Strafstoß. Das Verhängnis nahm seinen Lauf.

„Nach der Pause haben wir den Faden verloren, Aue hat es aber auch sehr gut gemacht und deshalb schlussendlich verdient gewonnen“, sagte Fischer. Es sollte tatsächlich schlimmer kommen für Union, nicht nur, weil ein Teil der 1750 mitgereisten Union-Anhänger im Gäste-Fanblock vorweihnachtlichen Pyro-Irrsinn ablieferten. Nach einer Iyoha-Flanke setzte Testroet zum Tor des Monats an. Sein Seitfallzieher aus elf Metern rutschte zunächst Abwehrmann Florian Hübner als Aufsetzer durch die Beine, um dann als Bogenlampe über Gikiewicz weg zum 0:3 einzuschlagen (74.). Zuvor hatte Fischer Felix Kroos für Zulj, Suleiman Abdullahi für Mees (61.), auch Akaki Gogia für Hartel (71.) gebracht – ohne Wirkung.

„Die Jungs sollen jetzt über Weihnachten den Kopf freikriegen und die Zeit mit der Familie genießen“, hofft Fischer, dass die Spieler die Pleite bis zum Trainingsstart am 7. Januar abgehakt haben. Sogar Sebastian Polter fand ein wenig von seinem Optimismus wieder. „Wir haben viel getan, auch viele Chancen herausgearbeitet, das 0:3 spiegelt das Geschehen nicht wider“, so der Stürmer. Ganz zu schweigen von einem bislang erfolgreichen Saisonverlauf, den es so bei Union noch nicht gegeben hat.